Monats-Kolumne

April 2020 - Kleiner lautstarker König

Wenn jetzt im Frühjahr nach und nach das morgendliche Vogel-Konzert immer vielstimmiger erklingt, hebt sich ein Gesang ganz besonders hervor. Von würdevoll-royaler Zurückhaltung hat der Sänger, der den „König“ im Namen trägt, allerdings wohl noch nichts gehört. Der Zaunkönig trillert und schmettert was das Zeug hält.

Probehören kann man ihn, zum Beispiel, auf der Internetseite des Landesbunds für Vogelschutz (Stichworte LBV und Zaunkönig). Bis zu 90 Dezibel laut kann der Zaunkönig-Gesang werden. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Presslufthammers in zehn Meter Entfernung. Solch eine Stimmgewalt traut man dem kleinen Kerl gar nicht zu. Denn mit einer Größe von maximal zwölf Zentimetern und rund 10 Gramm Körpergewicht ist der Winzling der drittkleinste Vogel Europas. Nur Sommer- und Wintergoldhähnchen sind noch kleiner.

Trotz seines lauten Gesangs ist der Zaunkönig mit seinem braunen Gefieder oft schwer auszumachen. Eifrig hüpft er im Unterholz hin und her und pickt mit seinem spitzen Schnabel nach Insekten. Am besten erkennt man ihn, außer an seiner geringen Größe, an seinen steil aufgerichteten Schwanzfedern.


Für den kleinen König gibt es im Frühjahr viel zu tun

Nicht nur muss er sein Revier gegen Rivalen verteidigen. Er muss auch gleich mehrere Nester bauen, bis zu einem Dutzend können es sein. Denn eine Zaunkönigin sucht sich nicht den lautesten Sänger aus, sondern das ihrer Ansicht nach beste Nest.

Beim Nestbau sind die hier überwinternden Männchen im Vorteil. Sie können, je nach Witterung, schon im Februar mit dem Bau beginnen. Aber auch diejenigen, die sich nach Süden abgesetzt hatten, kehren etwa vier Wochen vor den Weibchen zurück. Auch sie brauchen schließlich Zeit, um den Damen etwas bieten zu können. Der Bau einer kunstvollen Kugel aus Moos, Halmen und Blättern mit einem seitlichen Einschlupfloch nimmt ein paar Tage in Anspruch. Der wissenschaftliche Name des Zaunkönigs ‚Troglodytes troglodytes‘ bedeutet übrigens „Höhlenbewohner“, was wohl auf diese Nestbauweise zurückzuführen ist.

 

Kreative Nistplatzwahl

Bei der Nistplatzsuche sind die Männchen kreativ. Mal im Gebüsch, mal unter Wurzeln oder im Efeu an der Hauswand. Sogar in alten Briefkästen, leeren Blumentöpfen und in Taschen aufgehängter Kleidung sollen schon Zaunkönig-Nester gefunden worden sein. Einmal mehr möchte ich für unaufgeräumte Gärten oder doch zumindest die eine oder andere unaufgeräumte Gartenecke werben. Denn auch im Schutz von alten Holzhaufen, Brennesel- und Brombeergestrüpp fühlen sich die Tiere sicher.
Man kann den Männchen ihre Arbeit etwas erleichtern, indem man Fichtenzweige zu einer Kugel zusammensteckt, ein Einschlupfloch frei lässt und die Kugel in dichtem Buschwerk in Bodennähe befestigt. Oder indem man entsprechende Nisthilfen kauft und aufhängt.
Zeigt sich ein Weibchen interessiert, wird es vom Männchen zu den verschiedenen Nestkugeln geführt. Sagt ihr ein Nest zu, folgt die Verpaarung. Der Innenausbau des Nests mit Moos, Haaren und Federn und das Bebrüten der Eier ist dann Frauensache.

 

Vielehen sind anstrengend

Der König hält sich zwar noch in Nestnähe auf und warnt bei Gefahr, nimmt es mit der Treue aber nicht so genau. Schließlich hat er noch andere Nester anzubieten. Vier bis fünf „Ehen“ gleichzeitig wurden schon beobachtet. Die „Vielweiberei“ artet allerdings schnell in Stress aus, schließlich muss der gesamte Nachwuchs gefüttert werden. Ist das Männchen überfordert und vernachlässigt er die Jungen einer Brut, sucht sich das allein gelassene Weibchen beim nächsten Mal einen anderen Partner.

 

Grimms Märchen erklärt die Namensgebung
Im schönen Märchen ‚Der Zaunkönig‘ der Gebrüder Grimm ist übrigens nachzulesen, wie der Vogel zu seinem ungewöhnlichen Namen kam. In einem Wettstreit sollte der König der Vögel bestimmt werden.  Der Zaunkönig trickste alle anderen Vögel aus. Er flog sogar höher als der Adler, indem er sich in dessen Gefieder versteckte und dann in schwindelnder Höhe daraus hervorschoss und „König bin ich“ rief. Und wer den kleinen Kerl einmal zu Gesicht bekommt, der mag ihm diese Schläue durchaus zutrauen, denn keck sieht er aus, der kleine König.

 

Einen königlichen April wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

März 2021 - Dicke Brummer

Kaum zeigte sich die Sonne und die Temperaturen kletterten wieder ins Plus, schon wagten sich die ersten Hummeln aus ihren Winterverstecken. Die „dicken Brummer“ zählen zu den ersten Blütenbesuchern des Jahres.

Mit ihrer wärmenden Behaarung und einem speziellen Trick können sie auch bei Temperaturen aktiv sein, die vielen anderen Insekten noch zu kalt sind. Dieser Trick heißt ‚Muskelzittern‘. Hummel wärmen sich aktiv auf, indem sie ihre Brustmuskeln vibrieren lassen. So kommen sie auch an kühlen Tagen auf die richtige „Betriebstemperatur“. Das hilft auch beim Fliegen.

 

Hummeln können gar nicht fliegen....???

Vielleicht haben Sie auch schon einmal gehört, dass Hummeln, nach den Regeln der Physik, gar nicht fliegen können. Diese Behauptung geht auf den französischen Zoologen und Luftfahrtingenieur Magnan zurück. Er verglich Anfang des 20. Jahrhunderts Insekten-Flügel mit den Tragflächen von Flugzeugen und kam zu dem Schluss, dass Hummel-Flügel zu klein seien, um die Tiere durch die Luft zu tragen. Was die Hummeln offensichtlich nicht wussten, denn sie brummten auch vor 100 Jahren schon durch die Lüfte. Magnan seinerseits wusste nicht, dass Hummel-Flügel nicht starr sind, wie die eines Flugzeugs. Sie sind dehnbar, biegsam und beweglich und können dadurch Wirbel unter den Flügeln verursachen, die für zusätzlichen Auftrieb sorgen.

 

Jungköniginnen auf Nistplatzssuche
Trotzdem kann man vor allem zu Beginn des Frühjahrs staunen, was für große Brummer durch die Luft schwirren. Zurzeit sind nämlich nur die Jungköniginnen unterwegs. Sie sind größer als die Arbeiterinnen und die Männchen und die einzigen, die den Winter überdauert haben. Im Frühjahr machen sie sich auf, um einen neuen Staat zu gründen. Dafür brauchen sie erst einmal Nahrung in Form von Blütennektar und Pollen. Deshalb sind Hummeln auf früh blühende Pflanzen, wie zum Beispiel Krokusse und Winterlinge, angewiesen.

 

Erste Hilfe für erschöpfte Königinnen

Finden Sie jetzt eine erschöpfte Hummel-Königin, können Sie „Erste Hilfe“ leisten: setzen Sie sie an einen sonnigen oder geschützten Platz, lösen Sie etwas Zucker in lauwarmem Wasser vollständig auf und bieten Sie die Zuckerlösung „Ihrer Majestät“ auf einem Löffel an.

 

Das Hummeljahr

Da die Königinnen schon im Herbst begattet wurden, suchen sie im Frühjahr sofort nach geeigneten Nistplätzen. Je nach Hummel-Art kommen verschiedenen Möglichkeiten in Betracht, zum Beispiel Löcher im Boden, Totholzhaufen, alte Vogelnester, Ritzen im Mauerwerk oder in der Hausverkleidung. Es gibt auch Hummel-Nisthilfen kaufen. Anleitungen zum Eigenbau und wie die Kästen richtig aufgestellt werden, findet man im Internet. Allerdings scheint die Bezugsquote von „Fertighäusern“ recht gering. Wichtig ist: den Hummelkasten nicht der prallen Sonne aussetzen und wenn er bezogen wurde, keinesfalls mehr verrücken. Im Winter säubern und trocken lagern und im kommenden März wieder aufstellen. Immer wieder findet man auch den Hinweis, mit Stroh oder Moos gefüllte Blumentöpfe als Nisthilfe einzugraben. Davon rate ich ab. Wasser kann aus solchen Nisthilfen meist nicht abfließen und die Brut kann dadurch verschimmeln.
Hat die Königin einen Nistplatz gefunden, baut sie die ersten Waben, legt Eier hinein und muss die daraus schlüpfenden Larven mit Pollen versorgen. Erst wenn aus den Larven Arbeiterinnen geworden sind, die sich dann um Nestbau und Nahrung kümmern, kann sich die Königin ganz auf das Eier legen konzentrieren und sich, wie eine echte Königin, bedienen lassen. Hummelstaaten werden nicht besonders groß, sie umfassen nicht mehr als einige hundert Tiere. Erst im Sommer entstehen dann neue Jungköniginnen und aus unbefruchteten Eiern werden Männchen. Die neuen Königinnen verpaaren sich mit den Männchen und suchen sich ein geschütztes Winterquartier. Der Rest des Staates stirbt ab. Im nächsten Frühjahr beginnt der Zyklus von neuem.

 

"Hummelpflanzen" fördern
Wer Hummeln fördern möchte, sollte von Frühjahr bis Spätsommer für ein reichhaltiges Blütenangebot sorgen. Schlüsselblumen, Kapuzinerkresse, Wicken, Glockenblumen, Sonnenblumen, Akelei und Heidekraut kann man auch auf dem Balkon anbieten. Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Lavendel und alle Beerensträucher, Obstbäume und Wildrosen liefern ebenfalls Hummel-Nahrung.  Auch unsere heimische Taubnessel und alle Klee-Arten, die man in eine Wiese säen kann, eignen sich. Mit einem reich gedeckten „Blütentisch“ sollte es bei Ihnen die nächsten Monate nur so brummen.

Einen schönen Frühlingsanfang wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

 

Februar 2021 - Das etwas andere Valentinsgeschenk

Am 14. Februar ist Valentinstag. Viele Liebende eilen dann in die Blumenläden. Rote Rosen, als Symbol der Liebe, werden an diesem Tag am häufigsten verschenkt. Wie wäre es diesmal mit einem etwas anderen Geschenk?

Zugegeben, so ein Strauß Rosen ist erst einmal schön anzusehen. Doch die Rosen kommen in dieser Jahreszeit meist aus Regionen wie Ostafrika und Südamerika, wo sie oft unter schlechten sozialen und ökologischen Bedingungen produziert werden.

Außerdem ist es leider nur allzu schnell vorbei mit der schönen Blütenpracht, denn die Schnittblumen sind spätestens nach ein paar Tagen verwelkt. Dass die Liebe so schnell welke, dass wünscht sich doch nun wirklich niemand.

Im Gegenteil, man möchte doch, dass die Liebe möglichst lange, am besten für ewig, hält, dass sie wächst und gedeiht. Fest verwurzelt im Leben soll sie sein und möglichst allen Stürmen trotzen.

 

Wäre ein Baum nicht ein viel besseres Symbol für die Liebe?

Warum nicht einmal ein Bäumchen zum Valentinstag verschenken? Wie wäre es, zum Beispiel, mit einem Obstbaum? Wer sich mit seinem oder seiner Liebsten wie im  Paradies auf Erden fühlt, mag vielleicht einen Apfelbaum wählen. Aus dem irdischen Paradies wird man sicher nicht vertrieben werden, wenn man später von seinen Früchten nascht.

Obstbäume sind obendrein selbst ein kleines Paradies für viele verschiedene Insekten. Und wenn Sie diese fördern, tun sie auch der Vogelwelt etwas Gutes.

Wählen Sie dann noch eine der vielen alten Obstsorten, helfen Sie auch mit, die Vielfalt der Obstsorten zu bewahren.

Obstbäume kann man bei frostfreiem Boden noch bis in den März hinein pflanzen. Falls Sie keinen Garten haben, sondern nur eine Terrasse oder einen Balkon, können Sie eine kleinwüchsige Sorte wählen, die auch in einem großen Blumenkübel gedeiht. Viele Obstsorten lassen sich auch als Spalierobst an der Hauswand entlang ziehen, was obendrein noch sehr hübsch aussieht. Natürlich muss es nicht unbedingt ein Obstbaum sein.

 

Heimische Gehölze bevorzugen

Auch jeder andere Baum ist eine schöne Geschenkidee. Achten Sie darauf, dass Sie eine Baumart aussuchen, die sich an dem von Ihnen ausgewählten Platz auch wohlfühlt. Aus ökologischer Sicht sind heimische Laubgehölze zu bevorzugen. Sie bieten in der Regel den meisten Insekten Lebensraum und Nahrung. Dieses Jahr kann es natürlich mit der von mir hier angepriesenen Geschenkidee etwas schwierig werden, denn möglicherweise bleiben Baumschulen und Gartencenter noch länger geschlossen. Oftmals ist es aber dennoch möglich, sich telefonisch beraten zu lassen und das Gewünschte dann vor Ort am Eingang abzuholen. Fragen Sie doch einfach einmal bei einem der Verkaufsstellen in Ihrer Nähe nach.

 

Bürgerbäume, Alleenpatenschaften: Alternativen bei "zu wenig Platz"

Sie finden die Idee, einen Baum zu verschenken gut, haben aber selbst keinen Platz, um einen zu pflanzen?

Dann können Sie stattdessen zum Beispiel einen „Bürgerbaum“ im Stadtgebiet Schwelm verschenken. Das Projekt, an dem die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwelm e.V. (AGU) maßgeblich beteiligt ist, vergibt Baumpatenschaften für neu zu pflanzende Bäume auf öffentlichen Stadtflächen. Weitere Informationen sowie eine Liste der Bäume, die „noch zu haben sind“ und wo diese im Stadtgebiet Schwelm gepflanzt werden oder bereits gepflanzt worden sind, findet man auf der Internetseite der AGU (www.agu-schwelm.de).


Wer „seinen“ Baum nicht unbedingt in der Nähe haben muss, der kann auch eine Alleen-Patenschaft verschenken, zum Beispiel über den BUND (www.bund.net). Ich finde, durch eine zu beiden Seiten dicht von alten Bäumen bestandene Straße zu gehen oder zu fahren ist immer ein besonderer Moment. Die Bäume hüllen ihre Umgebung in ein ganz eigenes Klima und Licht. Sie binden Staub und Abgase, verringern Lärm. Auch für Insekten, Vögel und Kleinsäuger stellen sie wertvolle Lebensräume dar.

Rund 17.000 Kilometer von Deutschlands Straßen sind von Alleen gesäumt. Noch. Denn leider drohen viele Alleen zu überaltern. Eine Alleen-Patenschaft hilft, diese Bäume zu schützen und zu pflegen und neue zu pflanzen. Beim BUND gibt es auch eine schöne Geschenkurkunde dazu.

 

Deutsche Allenstraße führt durch den Ennepe-Ruhr-Kreis

Übrigens sind fast 3000 Kilometer der Alleen als Route quer durch Deutschland ausgeschildert. Vielleicht ist Ihnen einer der Wegweiser schon einmal aufgefallen, denn die Deutsche Alleenstraße führt auch durch den Ennepe-Ruhr-Kreis. Die genaue Route findet man unter www.alleenstrasse.com. In diesen Zeiten auch ein sehenswertes Erkundungsziel quasi direkt vor der Haustür. Und vermutlich ganz ohne Gedränge.

 

Passen Sie weiterhin gut auf sich und andere auf! Ihre Britta Kunz

 

 

Januar 2021 - Baumschnitt

Sicherlich sind auch Ihnen in den letzten Wochen viele gefällte Bäume aufgefallen. Überall wird gesägt, im privaten Garten genauso wie in Parks und auf Friedhöfen, entlang der Straßen und in Wald und Flur.

In dieser Zeit gehen bei der Biostation dazu häufig Beschwerden ein, vor allem, wenn Gehölze sehr massiv zurückgeschnitten, gleich mehrere Bäume gefällt oder siedlungsnahe Waldstücke gerodet wurden. Allerdings sind wir keine Behörde, wir erteilen keine Genehmigungen und können Verstöße auch nicht ahnden.

 

Was erlaubt ist

Aber immer wieder taucht die Frage auf, was denn eigentlich in Punkto Heckenschnitt und Baumfällung rechtens ist und was nicht. So ganz einfach ist das nicht zu erläutern.

 

Schnittzeit in der Regel zwischen 30. 9. und 1.3.

Erst einmal: Wenn Bäume, Sträucher und Hecken geschnitten oder gefällt werden müssen, dann ist jetzt, zwischen dem 30. September und dem 1. März, also außerhalb der Brutzeit der meisten Vögel, die richtige Zeit dafür.

 

Hecken regelmäßig auf Stock setzen

Hecken sollten sogar regelmäßig zurückgeschnitten werden, will man sie langfristig erhalten. Bei ausgedehnten Hecken wird in einem mehrjährigen Turnus jährlich ein anderer Abschnitt ‚auf Stock gesetzt‘. So bleiben immer Teile der Hecke stehen, während andere wieder nachwachsen.

 

Ausnahmen für Arbeiten im Wald

Im Wald dürfen Bäume auch außerhalb von Herbst und Winter geschnitten oder gefällt werden. Derzeit ist leicht einzusehen, dass die Zeit sonst nicht ausreicht, um geschädigtes Holz zu entnehmen. In solchen Ausnahmejahren können auch größere Flächen komplett gerodet werden.

Grundsätzlich dürfen, vereinfacht gesagt, in einem zusammenhängenden Waldbesitz innerhalb von drei Jahren maximal zwei Hektar kahl geschlagen werden. Weitere Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

Wenn keine andere Genehmigung vorliegt, muss die Fläche innerhalb von zwei Jahren wieder aufgeforstet werden.

Nach Extremereignissen, wie zurzeit oder nach dem Orkan Kyrill, sind aber nicht genug Pflanzen zur Wiederaufforstung vorhanden. Dann kann auch die etwas länger dauernde natürliche Wiederbewaldung über Samen zugelassen werden, die Wind und Tiere in die Fläche tragen.

 

Verkehrssicherung

Bäume können aber auch außerhalb des Waldes „jederzeit“ geschnitten oder gefällt werden, wenn sie eine Gefahr für Menschen oder Sachgegenstände darstellen. Daher wird jetzt auch wieder verstärkt entlang der Straßen gearbeitet.

Manch einer sieht in dieser sogenannten ‚Verkehrssicherungspflicht‘ ein Argument, das missbraucht werden kann, um so gut wie jeden Baum zu fällen. Dem ist sicher nicht so, auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass aus wirtschaftlichen Gründen an der einen oder anderen Stelle mehr Gehölze entfernt oder geschnitten werden, als unbedingt notwendig.

Wer Zweifel an einer Fällung oder Rodung aus Gründen der Verkehrssicherung hat, braucht in der Regel ein fachlich fundiertes Gegengutachten, um dagegen vorgehen zu können.

 

Artenschutz muss immer berücksichtigt werden
Aber egal aus welchen Gründen und wo ein Gehölz gefällt werden soll, der Artenschutz muss zuvor immer berücksichtigt werden. Wildlebende Tiere, ob Vögel, Eichhörnchen oder Fledermäuse, dürfen nicht zu Schaden kommen.

Besonders gesetzlich geschützt sind Horst- und Höhlenbäume. Gegebenenfalls muss eine Fällung zeitlich verschoben oder Ausgleich geschaffen werden, etwa durch Nistkästen.

 

Finanzielle Förderung von Biotoipbäumen

Im Wald wird der langfristige Erhalt von Horst- und Höhlenbäumen sogar finanziell gefördert. Informationen dazu findet man beim Landesbetrieb Wald und Holz (www.wald-und-holz.nrw.de, Stichworte Biotopbaum, Förderung).

 

Baumschutzsatzungen

Von den Städten im Kreisgebiet haben Gevelsberg, Herdecke, Sprockhövel, Wetter und Witten eine Baumschutzsatzung. Ab welchem Stammumfang Bäume dadurch geschützt werden und ob die Satzung nur für den öffentlichen oder auch den privaten Raum gilt, ist unterschiedlich. Angaben dazu finden Sie auf den Internetseiten der jeweiligen Kommunen oder Sie fragen direkt bei Ihrer Kommune nach.

 

Naturdenkmäler und Alleen

Sehr alte und imposante Bäume können übrigens auch ohne Baumschutzsatzung als ausgewiesenes Naturdenkmal besonders geschützt werden. Auch Alleen stehen unter einem besonderen Schutz.

 

Bei all den vielen, unterschiedlichen Vorschriften sieht man als Laie sicherlich manchmal den „Wald vor lauter Bäumen“ kaum. Im Zweifelsfall hilft dann eben: nachfragen!

 

Alles Gute für 2021 wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz.

 

Dezember 2020 - Augen auf beim Weihnachtsstern-Kauf

Unter den etwa 100 Millionen Zimmerpflanzen, die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden, sind Weihnachtssterne einer der „Renner“. Wer kennt sie nicht, die Topfpflanzen, mit den roten Hochblättern, die man zur Vorweihnachtszeit vielerorts erstehen kann.

 

Exotische Herkunft

Weihnachtssterne stammen ursprünglich aus dem mexikanischen Hochland.

Ihre „wilden“ Vertreter sind jedoch Riesen im Vergleich zu den eingetopften Genossen auf unseren Fensterbänken. In Mexiko wachsen sie zu stattlichen vier bis sechs Meter hohen Sträuchern heran.

Ihre Bekanntheit in der Welt haben Weihnachtssterne einem Mann zu verdanken, der im 19. Jahrhundert als Botschafter der USA in Mexiko tätig war und die Pflanze als Geschenk nachhause schickte. Sein Name, J.R. Poinsette, gab der Pflanze im englischen Sprachraum sogar ihren Namen: Pionsettia.

 

Unscheinbare Blütenstände locken Kolibris an

Zu Beginn ihrer Verbreitung als Zierpflanze wurden Weihnachtssterne wie Schnittblumen behandelt, also abgeschnitten und in eine Vase gestellt. Dabei haben die Pflanzen gar nichts mit typischen Schnittblumen gemein. Ihre grünlichen Blütenstände sind ganz klein und unscheinbar. Winzige gelbe Farbtupfer bilden darin nur die kleinen gelben Nektardrüsen, die mit ihrem zuckerhaltigen Saft in Mexiko unter anderem Kolibris anlocken. Die kleinen Vögel bestäuben die Weihnachtsstern-Blüten unbeabsichtigt, während sie den Nektar trinken.

 

Attraktive Hochblätter

Was die Pflanze mit den unscheinbaren Blüten aber zu einem echten Hingucker macht, sind die rot gefärbten, sternförmig angeordneten Hochblätter, die die Blütenstände umgeben. Die rote Blattfarbe entsteht durch den Farbstoff Anthocyan. Fehlt er oder ist er nur in geringen Mengen vorhanden, bleiben die Blätter weiß beziehungsweise rosa. Die Farbe wird übrigens erst ausgebildet, wenn die Tage kürzer als zwölf Stunden sind. Bei uns also im Winter, zur Weihnachtszeit.

 

Schlechter ökologischer Fußabdruck
Mittlerweile sind die aus den Wildformen gezüchteten Zierpflanzen in vielen Gebieten rückverwildert, in denen ein ähnliches Klima wie in ihrer ursprünglichen Heimat herrscht, zum Beispiel in Ländern Afrikas, Asien und Südamerikas. Dort werden sie auch angebaut und als Samen oder Jungpflanzen zu uns geschickt. Per Flugzeug, versteht sich.

Manchmal werden aber auch erst bei uns Mutterpflanzen herangezogen, die dann nach Afrika geflogen werden, um dort kostengünstiger Stecklinge zu produzieren. Die Stecklinge werden später zur Bewurzelung wieder nach Deutschland zurückgeflogen, hier in Torf kultiviert und mehrere Wochen in geheizten Gewächshäusern herangezogen, bevor sie auf den Markt kommen. Ein Weihnachtsstern hat also eine lange Reise hinter sich, bis er in unsere Wohnung gelangt. Und keinen guten ökologischen Fußabdruck.

 

Bio-Pflanzen als Alternative

Dass bei der Aufzucht in Afrika, Südamerika und Asien nicht dieselben Standards in Sachen Arbeitsschutz und Pestizideinsatz gelten, wie bei uns, dürfte jedem klar sein. Wer zumindest dem Pestizideinsatz und dem Torfverbrauch etwas entgegen setzen will, der sollte auf Bio-Pflanzen zurückgreifen. Beim Anbau dieser Pflanzen wird darauf verzichtet. Verkauft werden sie unter anderem in Naturkostläden oder in den deutschlandweit rund 200 Bio-Gärtnereien. Bezugsquellen findet man auch im Internet, zum Beispiel unter www.bio-zierpflanzen.de.

 

Bei richtiger Pflege jahrelang haltbar

Übrigens: hat man einmal einen Weihnachtsstern, kann er bei guter Pflege mehrere Jahre gedeihen. Bis Ostern sollte er an einem hellen Platz stehen. Staunässe mag er gar nicht, dann wirft er seine Blätter ab. Nach Ostern müssen die Triebe auf etwa ein Drittel zurückgeschnitten werden. Soll er bis zur Weihnachtszeit rote Hochblätter ausbilden, muss er ab Herbst bei Temperaturen über 15°C für mehr als 12 Stunden im Dunkeln stehen. Und das konsequent. Schon geringer Lichteinfall während der Dunkelphase verhindern die Blüte und mit ihr die Ausbildung der Hochblätter.

 

Heimische "Alternative": Barbarazweige
Wer es noch ökologischer mag: eine schöne Alternative zum Weihnachtsstern sind die fast in Vergessenheit geratenen Barbarazweige. Am 4. Dezember, dem Barbartag, werden Kirschzweige vom Baum geschnitten. Über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt und dann im Haus in eine Vase an einen nicht zu warmen Ort gestellt, sollten sich die Blütenknospen am Weihnachtsmorgen öffnen. Stimmt das „Timing“, verheißt es viel Glück für das kommende Jahr.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Jahresabschluss und viel Glück und Gesundheit.
Ihre Britta Kunz

 

November 2020 - Farbtupfer

Noch zaubert das Herbstlaub der Bäume eine bunte Farbenpracht in unser Leben. Aber spätestens, wenn das Laub zu Boden fällt, wird es zunehmend Grau um uns herum. Überraschenderweise sieht man aber auch in den kalten Monaten in manchen Gärten und Parks ein paar farbenprächtigen Blüten, die sich dem Grau entgegen recken.

 

Zaubernuss und Winterjasmin

Von den Sträuchern, die in dieser Jahreszeit bunte Blüten treiben, sind die zwei stark duftenden Zaubernuss-Arten vielleicht am weitesten verbreitet. Ursprünglich stammen sie aus Ostasien. Rot blüht die Japanische Zaubernuss, gelb die Chinesische Art.

Beide gedeihen besonders gut an sonnigen Standorten, erstaunlicherweise bleiben die Blüten aber auch nach einem Frost noch schön. Zaubernuss-Sträucher können angeblich Temperaturen von bis zu minus 15 Grad Celsius vertragen.

 

Den meisten bekannt sein dürfte auch der Winterjasmin. Manchmal wird er allerdings mit der ebenfalls sehr bekannten, aber später blühenden, Forsythie verwechselt. Auch der Winterjasmin schickt seine goldgelben Blüten lange vor den grünen Blättern in die Kälte des Winters. Und auch seine Blüten duften stark. An einer Kletterhilfe kann der Winterjasmin gute drei Meter in die Höhe wachsen. Oft sieht man ihn aber sehr dekorativ über Mauern herabhängen. Die geöffneten Blüten sind zwar frostempfindlicher als die der Zaubernuss-Arten, aber die noch verschlossenen Blütenknospen sind gut vor Frost geschützt. Da der Winterjasmin nicht alle Blüten auf einmal öffnet, können auch strenger Fröste der Blütenpracht nicht lange etwas anhaben. Die restlichen Knospen öffnen sich dann nach dem Frost und der Strauch erblüht von neuem.

 

Heimische Arten oft ökologisch sinnvoller

Der Insektenwelt haben diese Arten, ebenso wie die Forsythie, allerdings nicht viel zu bieten. Daher sollte man sie sparsam und nur als einzelne Farbtupfer pflanzen. Eine ganze Forsythienhecke ist wenig ökologisch.

 

Dagegen stellen heimische Rosenarten, wie zum Beispiel die Hundsrose (Rosa canina) und die Feldrose (Rosa arvensis), einen vitaminreichen herbstlichen Festschmaus für die bei uns überwinternden Vögel bereit. Ihre leuchtend orangeroten Hagebutten sind ebenfalls bunte Farbtupfer im Herbst- und Wintergrau. Außerdem bieten Rosensträucher einen hervorragenden Rückzugsort für Vögel, da ihre Dornen die Tiere vor Raubfeinden schützen. Auch andere heimische fruchttragende Sträucher, wie der Gewöhnliche Schneeball, das Pfaffenhütchen und der Blutrote Hartriegel werden gerne von verschiedenen Vogelarten gefressen und erfreuen uns mit ihren farbigen Früchten.

 

Hecken sind wertvolle Überwinterungs-Refugien
Aber auch ohne ausdauernde Früchte oder Dornen sind Sträucher und Hecken wertvolle Refugien für die heimische Tierwelt. Hainbuchen, die ihr trockenes Laub bis ins Frühjahr hinein behalten, sind in der kalten Jahreszeit vielleicht nicht besonders schön anzusehen. Aber sie bieten Insekten, Vögeln und Kleinsäugern einen wind- und sichtgeschützten Unterschlupf.

 

Üben Sie sich in Unordung!

Daher sollte man Sträucher und Hecken erst gegen Ende des Winters zurückschneiden. Wer einen Garten sein Eigen nennt, sollte das Schneiden und Aufräumen dort ohnehin am besten ganz auf das Frühjahr verschieben und den Herbst und Winter über „Unordnung“ dulden. In manch abgeblühtem Pflanzenstängel überwintern Insektenlarven und die Samen bieten Vögeln wie Gimpel und anderen „Körnerfressern“ auch noch ein paar Mahlzeiten. So kann man Insekten und Vögel ohne Mehrarbeit und großen Aufwand ganz einfach unterstützen. Und die Vögel, die dann immer wieder an diese „natürlichen“ Futterstellen kommen, in Ruhe beobachten.

 

Ich hoffe, dass Sie im Novembergrau viele Farbtupfer entdecken, die Ihnen den Monat etwas bunter machen. Ihre Britta Kunz

 

Oktober 2020 - Kastanienkrankheit

Die Blätter vieler Bäume werden schon braun. Das hängt oft mit dem Wassermangel zusammen, den der dritte zu trocken Sommer in Folge uns beschert. Aber nicht nur. Manche Bäume werden auch noch von anderen Stressfaktoren geplagt.

Die Kastanie zum Beispiel. Genauer, die Weißblühende Rosskastanie. Ein Baum, der auch in den Städten zu finden ist. Dort fällt die frühe fleckige Braunfärbung der Blätter natürlich besonders ins Auge.

 

Kleine Ursache mit großer Wirkung

Verantwortlich dafür ist häufig die sogenannte Kastanienminiermotte. Gerade einmal drei Millimeter Körperlänge bringt sie auf. Ihre Eier legt sie auf den Blättern der Rosskastanie ab. Die Larven, die daraus nach ein bis zwei Wochen schlüpfen, fressen kleine Hohlräume aus den Blättern heraus. Was auf den Blattober- und Unterseiten übrig bleibt, vertrocknet und wird zu braunen Flecken.

Die Larven sind zwar auch nur wenige Millimeter klein, aber viele hungrige Miniermotten- Larven können an den Blättern zu erheblichen Schäden führen. Sind die Larven satt, verpuppen sie sich. In dem für Schmetterlinge charakteristischen Ruhestadium findet der Umbau zum Schmetterling statt.

 

Unscheinbarer Schmetterling

Auch wenn Ihre Vorstellungen eines Schmetterlings vielleicht eine andere sein mag, die kleinen Motten gehören auch dazu. Die ersten Eier werden bereits während der Kastanienblüte abgelegt. Bei guten Bedingungen können bis in den Herbst hinein noch mindestens zwei weitere Generationen folgen. Ganz schön viel auszuhalten, für so einen Kastanienbaum. Ob die Kastanienminiermotten die Bäume wirklich nachhaltig schädigen können, darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche bezeichnen es vor allem als ein ästhetisches Problem. Allerdings setzen den Bäumen in Städten zusätzlich oft noch ein zu kleiner Wurzelraum, Streusalze und Wassermangel zu.

 

Blätter sammeln gegen den Mottenbefall

Da einige der Puppen in den herabfallenden Blättern den Winter überdauern und erst im kommenden Frühjahr als Motte schlüpfen, finden in manchen Städten im Herbst Blattsammel-Aktionen statt. Die herabgefallenen Kastanienblätter werden eingesammelt und in örtliche Kompostieranlagen gebracht. Die dort herrschenden hohen Temperaturen überstehen die Puppen nicht. Durch die Sammelaktionen wird die Miniermotte zwar nicht komplett bekämpft, aber die Anzahl der im kommenden Frühjahr schlüpfenden Motten wird verringert.

Falls Sie eine Kastanie mit braunen Blättern auf Ihrem Grundstück haben: die Wärme eines normalen Komposthaufens im Garten reicht nicht aus, um die Puppen abzutöten.

Falllaub hat außerdem einen hohen Stellenwert als Bodenschutz im Winter, als Nährstoffquelle und als Nahrung und Lebensraum für viele Kleinstlebewesen. Alternativ kann man daher auch die natürlichen Fressfeinde, wie insektenfressende Vögel, zum Beispiel Meisen, fördern.

 

Herkunft der Miniermotte

Woher die Motte ursprünglich stammt, war lange nicht klar. Dann aber fand man sie zufällig in Herbar-Belegen in Griechenland. Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie Sie früher Blumen und Blätter zwischen alten Zeitungen gepresst und damit getrocknet haben. Herbar-Belege sind im Grunde nichts anderes, nur auf wissenschaftlicher Basis. Die Pflanzenart, Datum und Fundort und noch einiges mehr werden darauf vermerkt. Und in solch einem Herbar-Beleg einer Rosskastanie in Griechenland fand man die Larve einer Miniermotte, die vor 140 Jahren unbeabsichtigt mitgepresst worden war. Da sich in Herbar-Belegen aus dem Balkan aus den 1960er Jahren sehr viele Larven finden, weiß man, dass es dort bereits zu einem Massenauftreten kam. Vermutlich sind die Motten dann im Laufe der Jahre unbeabsichtigt durch den Menschen über die Transportwege zu uns gelangt.

 

Minierer sind nichts Seltenes
Übrigens ist die Ernährungsweise der Kastanienminiermotte gar nicht besonders außergewöhnlich. Einige Insekten, vor allem verschiedene Arten der Kleinschmetterlinge, Käfer und Fliegen zählen zu den sogenannten Minierern, die sich durch Blätter fressen. Diese Art der Nahrungsaufnahme, hat nämlich den Vorteil, dass sie dem Insekt Schutz vor Fressfeinden und unliebsamer Witterung bietet.

 

Andere Ursache einer verfrühte Braunfärbung

Die kleine Motte muss auch nicht an jedem braunen Fleck auf den Kastanienblättern Schuld sein. Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel mit den Flecken, die der Blattbräunepilz hinterlässt. Ob es das für die Kastanie besser macht, bezweifle ich allerdings.

 

Zum Glück färbt sich das Laub im Oktober nicht nur Braun, sondern in viele schöne bunte Herbstfarben. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist das ein tolles Farbenspiel. Ich hoffe, Sie finden ein bisschen Zeit, dieses zu genießen. Ihre Britta Kunz

 

 

September 2020 - Infektionskrankheiten im Tierreich

Manche mögen‘s kühl. Falls Ihnen in den heißen Sommertagen auch der Sinn nach einer Abkühlung stand oder steht, sind Sie damit nicht alleine. Auch im Tierreich gibt es Arten, die mit der Hitze nicht so gut zurechtkommen.

Der Feuersalamander ist einer von ihnen. Dieser schwarz-gelbe Geselle mag besonders gerne kühle Bäche, wie sie im Ennepe-Ruhr-Kreis zu finden sind. Deshalb kommt er bei uns und in anderen Mittelgebirgs-Regionen noch häufig vor. Noch, muss man betonen.

Denn auch im Tierreich gibt es immer wieder neu auftretende Infektionskrankheiten. Davon können sowohl Nutztiere als auch Wildtiere betroffen sein, wie etwa bei der Afrikanischen Schweinepest. Manchmal sind sowohl bestimmte Tiere als auch der Mensch gefährdet, wie bei einigen Erregern der Vogelgrippe. Viele Krankheitserreger im Tierreich sind aber auf einzelne Tiergruppen spezialisiert.

 

Die sogenannte „Krebspest“ die unsere heimischen Großkrebse, den Edelkrebs und den Steinkrebs, befällt, ist ein Fadenpilz, der durch nordamerikanische Flusskrebse eingeschleppt wurde. Diese nordamerikanischen Krebse sind immun, unsere heimischen Großkrebse leider nicht. Sie sterben daran. So werden Edel- und Steinkrebs in unseren Gewässern nach und nach durch die nordamerikanischen Arten verdrängt.


Auch bei Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern gibt es Pilzkrankheiten.

Ein Hautpilz mit dem sperrigen Namen Batrachochytrium dendrobatidis, kurz, und besser auszusprechen, Bd genannt, hat besonders in den Tropen und Subtropen zu einem massiven Amphibiensterben geführt. In Europa scheinen die meisten Amphibien-Arten mittlerweile einigermaßen mit dem Pilz zurecht zu kommen.

 

Seit 2013 breitet sich jedoch ein neuer Pilz aus, der vermutlich über den Handel mit Amphibien aus Asien eingeschleppt wurde. Er hat vor kurzem auch den Ennepe-Ruhr-Kreis erreicht. Dieser Pilz geht, vor allem den Molchen und dem Feuersalamander, im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut“. Da er zum ersten Mal beim Feuersalamander nachgewiesen wurde, trägt er den Namen Batrachochytrium salamandrivorans (kurz: Bsal). Übersetzt heißt das so viel wie „Salamanderfresser“. Und tatsächlich „frisst“ er sich in die Haut der Tiere, zerstört sie und führt zu Infektionen und zum Tod. Oft wird die Krankheit als „Salamanderpest“ bezeichnet. Das Wort „Pest“ wird dabei, wie auch bei der „Krebspest“ im Sinne von „Seuche“ gebraucht. Um eine wirkliche Pest handelt es sich natürlich nicht, denn diese wird durch ein bestimmtes Bakterium ausgelöst, nicht durch einen Pilz.

Für uns Menschen sind „Krebspest“ und „Salamanderpest“ nicht gefährlich. Auch nicht für unsere Haustiere, außer natürlich, Sie halten sich zuhause Amphibien oder Edelkrebse.

 

Sollten Sie in Wald oder Feld einen Molch oder Feuersalamander mit Hautveränderungen finden, melden Sie uns bitte den Fund. Am besten mit einem Foto des Tieres. Aber berühren Sie das Tier nicht. Auch nicht mit dem Schuhen. Menschen und auch Hunde können die Pilze nämlich weiter ausbreiten. Befreien Sie Ihr Schuhwerk daher am besten nach jedem Spaziergang noch vor Ort gründlich von Erde. Und halten Sie ausreichend Abstand zu Gewässern. „Gewässer“ meint Bäche, Flüsse, Tümpel, Teiche, Seen und potentiell auch jede feuchte Fahrspur in einem Feldweg. Pilze bilden mikroskopisch kleine Dauerstadien, sogenannte Sporen aus. Leider können die Sporen des Salamanderfresser-Pilzes auch Trockenheit überstehen. Es reicht daher nicht, Schuhe und Hundefell durchtrocknen zu lassen, bevor man in oder an den Rand eines anderen Gewässers geht. Zuverlässig gegen Bsal hilft nur das Einsprühen mit einem Desinfektionsmittel. Gut eignet sich auf 70 Prozent verdünnter Brennspiritus, der mindestens zwei Minuten lang einwirkt. Alle, die beruflich oder im Hobby mit Gewässern zu tun haben, sollten diese Hygienemaßnahme verbindlich durchführen.

 

Haustiere können natürlich nicht desinfiziert werden. Daher sollten auch Hunde von Gewässern fern gehalten werden. In Naturschutzgebieten ist es ohnehin nicht erlaubt, Hunde in Gewässer zu lassen.

Vielleicht empfinden Sie all das in der aktuellen Zeit übertrieben und nur als weitere lästige Einschränkung. Aber ich finde, auch die mit der Covid-19-Pandemie verbundenen Auflagen sollten uns nicht daran hindern, für das Überleben unserer tierischen Mitgeschöpfe Sorge zu tragen.

 

Bleiben Sie gesund. Ihre, Britta Kunz

 

 

August 2020 - "Der Dachs lässt schön grüßen...."

Als ich kürzlich in der Dunkelheit durch das Tal der Ennepe fuhr, sah ich plötzlich auf der Straße vor mir einen dicken, runden, pelzigen Po gemächlich dahin wackeln. Ein Dachs!

Leicht erkennbar an seinem gedrungenen Körperbau und grau-weiß-schwarzen Pelz. Ganz unverkennbar ist die schwarze „Augenmaske“ – weshalb er auch manchmal spaßhaft als „ Zorro der Marder“ betitelt wird.


Obwohl die Tiere gar nicht so selten sind, bekommt man sie nicht oft zu Gesicht. Um dem größten unserer heimischen Marderartigen zu begegnen, sollte man in der Dämmerung oder Nacht in Waldnähe unterwegs sein. Oder in einer reich strukturierten Heckenlandschaft. Tagsüber zeigt er sich nur selten, etwa, um sich den dicken Pelz an einem ungestörten Platz in der Sonne zu wärmen. Ansonsten verbringen Dachse viel Zeit „unter Tage“ in selbstgegrabenen Erdhöhlen. Daher werden sie auch Erdmarder genannt.

 

Beim Graben helfen ihnen kräftige, nach unten gebogene Krallen. Die Höhlen werden oft über Generationen von Dachsen immer weiter zu unterirdischen Dachsburgen ausgebaut. Das größte Burgen-Exemplar, von dem ich weiß, wurde in England gefunden und umfasste 50 Kammern, 178 Eingänge und fast 900 Meter Tunnel. Das bedarf natürlich einer gewissen Standfestigkeit des Bodens, daher kommt der Dachs in Gegenden mit sandigem Boden nicht vor. Aber auch zu steinig darf es nicht sein.


Die Dachsbaue werden übrigens auch vom Rotfuchs geschätzt, manchmal leben sie sogar als Untermieter gleichzeitig mit dem Dachs beziehungsweise einem Dachsclan darin. In diesen Familienverbänden bleiben die älteren Geschwister noch einige Zeit in der Familie. Erst ab dem zweiten Jahr machen sie sich auf den Weg, selbst einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Ob „mein“ Dachs so ein junges „Wandersmädel“ oder doch eher ein „Wandersbursche“ war?

 

Er - oder sie - das lässt sich nicht so einfach unterscheiden - sah jedenfalls schon ganz schön groß aus. Bis zu 80 Zentimeter lang und beachtliche 15 Kilogramm schwer können Dachse werden. Ihren Speck futtern sie sich mit Insekten, Regenwürmern, Fallobst und auch mal Eiern von Wiesenvögeln an. Auch unvorsichtige Reptilien und kleine Säuger werden verputzt. Im Gegensatz zu anderen Mardern jagen sie aber nicht aktiv und bleiben bei der Nahrungssuche auf dem Boden. Beim Auffinden der Nahrung hilft die rüsselartige Schnauze, die einerseits sehr empfindlich ist, um die Nahrung aufzuspüren und andererseits robust genug, um damit in der Erde zu wühlen.

 

Haben sich die Dachse genug Speck angefressen, kommen sie gut durch die nahrungsarme Winterzeit, in der sie in ihren Bauen Winterruhe halten. Am Ende der Winterruhe bringen die Weibchen zwei bis fünf blinde Junge zur Welt. Sie bleiben mehrere Wochen im schützenden Bau, bevor sie sich an die Oberfläche wagen. Da sie Winterruhe halten, findet die Paarung bereits im Frühjahr oder Sommer statt.

 

Damit die Jungen aber nicht im Herbst oder Winter zur Welt kommen, hat sich die Natur einen Trick ausgedacht, die sogenannte Keimruhe. Die weiblichen Eizellen werden direkt nach der Paarung befruchtet, fallen dann aber in einen „Dornröschenschlaf“, aus dem sie erst im Winter erwachen. Erst dann entwickelt sich die Eizelle weiter zum Embryo, und nach weiteren 45 Tagen werden die Jungen zu Anfang des Frühjahres geboren. 

 

Wenn ich einen Dachs sehe, muss ich immer an das schöne Kinderbuch von Kenneth Grahame ‚Der Wind in den Weiden‘ denken. Dessen Untertitel  lautet nämlich „Der Dachs lässt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden“. Auch wenn der Dachs kein wirklicher Einzelgänger ist, könnte man ihn doch dafür halten, wenn er alleine durch die Gegend trottet.  Und dabei durchaus auch ein bisschen unnahbar wirkt. Das Buch ist übrigens nicht nur für Kinder lesenswert. Es geht um verschiedene Tiere, aber vor allem um Freundschaft. Auch wenn die Tiere stark vermenschlicht sind, lernt man ganz nebenbei einiges über die Natur. Das Buch gibt es auch in einer Hörversion, wunderbar gelesen von Harry Rowohlt und ein schöner Zeitvertreib für lange Zug- oder Autofahrten.

 

Apropos Auto: Am häufigsten bekommt man Dachse leider zu Gesicht, wenn sie überfahren am Straßenrand liegen. „Mein“ Dachs hatte an dem Abend Glück, auch, weil ich wohlweislich auf solchen Strecken immer besonders vorsichtig unterwegs bin. Die Dachse und viele andere Wildtiere danken Ihnen, wenn Sie das auch sind.

 

Ihre Britta Kunz

 

 

Juli 2020 - Lichtertanz der Natur

Jetzt ist die beste Zeit, um ein fast schon magisch anmutendes, kleines Naturschauspiel zu beobachten!

Kleine grüne Leuchtpunkte blinken in diesen lauen Sommernächten. Manche schweben, in einem wahren Lichtertanz der Natur, lautlos durch die Luft. Glühwürmchen. Aber dunkel muss es sein. Glühwürmchen meiden verständlicherweise das Licht. Denn nur in der Dunkelheit kommt das eigene Leuchten zur Geltung. Die zunehmende „Lichtverschmutzung“ ist, neben der Lebensraumzerstörung ein Grund, warum die Tierchen selten geworden sind.

Aber mit etwas Glück kann man sie entlang von Waldrändern, Gebüschsäumen, in alten Parkanlagen oder auch im eigenen Garten beobachten.

 

Die deutsche Bezeichnung ‚Glühwürmchen‘ ist jedoch irreführend, denn es handelt sich nicht um Würmer, sondern um Käfer. Leuchtkäfer, um genau zu sein. Weltweit sind etwa 2000 Arten bekannt. Bei den meisten Arten leuchten die Weibchen. Da sie tatsächlich ein bisschen wie ein Wurm aussehen und nicht fliegen können, hat man ihnen im deutschsprachigen Raum den Namen Glühwürmchen gegeben. Anders die Männchen. Sie sehen bei den meisten Arten eher wie Käfer aus und können meist auch fliegen. Dafür können sie aber nicht oder nicht so intensiv leuchten.

Es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist der Kleine Leuchtkäfer, eine von drei Glühwürmchen-Arten, die bei uns heimisch sind. Bei dieser Art leuchten sowohl das wurmähnliche und flugunfähige Weibchen als auch das fliegende Männchen sehr intensiv. Wenn Sie schwebende grüne Leuchtpunkte bei und im Kreisgebiet entdecken, handelt es sich immer um Männchen des Kleinen Leuchtkäfers.

 

Aber warum eigentlich der ganze Aufwand mit dem Licht? Die Antwort lautet: Kommunikation. Manche Arten nutzen die Lichtsignale, um Beutetiere anzulocken, andere, um Fressfeinde zu erschrecken. Vor allem aber geht es um Brautwerbung. Männchen und Weibchen finden erst durch die Lichtsignale zueinander. Angeblich sind die am hellsten leuchtenden Weibchen bei den Männchen am begehrtesten.

Damit keine Verwechslungen zwischen den Glühwürmchen-Arten passiert, hat jede Art ihren eigenen Blinkrhythmus. Bei einigen Arten blinken sogar alle Glühwürmchen in der Umgebung gleichzeitig. Dann leuchten ganze Busch- oder Baumreihen im gleichen Takt.

 

Das grüne Blinklicht ist Energie, die beim chemischen Abbau eines Stoffes mit dem schönen Namen ‚Luziferin‘ frei wird. Der Name kommt von den Lateinischen Wörtern für ‚Licht‘ (lux) und ‚bringen, tragen‘ (ferre). Glühwürmchen sind also wahrhaftige Lichtbringer. Bei der Erzeugung ihres Lichtes sind sie außerordentlich effizient, denn die freiwerdende Energie wird nahezu vollständig in kalte Lichtenergie umgewandelt. Dagegen verwandeln Glühbirnen nur rund fünf Prozent elektrischer Energie in Licht, der Rest wird ungenutzt als Wärme abgegeben.

 

Von Glühwürmchen können wir also einiges lernen. Und der Name Glühwürmchen ist gleich im doppelten Sinne falsch – es sind keine Würmer und sie glühen auch nicht. Sie erwärmen sich nicht bei der Erzeugung  von Licht.

Mit dem Blinken ist es aber dann bei der Paarung vorbei. Dabei machen die Glühwürmchen nämlich das Licht aus. Bald nach Paarung und Eiablage endet das Glühwürmchen-Leben. Erwachsene Glühwürmchen leben nur wenige Wochen lang. Gefressen wird in dieser Zeit nicht. Dafür leben sie zuvor drei Jahre als gefräßige Larven.

Gärtner dürfen sich besonders freuen, wenn sie Glühwürmchen bei sich im Garten sehen. Die Larven ernähren sich nämlich Schnecken, deren Schleimspur sie verfolgen. Aber egal ob Schneckenvertilger oder nicht, das lautlose Schweben und Blinken ist einfach zauberhaft.

 

Vielleicht finden Sie einen der Orte bei uns im Kreisgebiet, an dem Sie sich in einer schönen Sommernacht von den kleinen „Fackelträgern“ „verzaubern“ lassen können.

 

Einen zauberhaften Sommer, nicht nur in diesem Sinne, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

Juni 2020 - Vom Wert der Natur

Die letzten Wochen waren von einschneidenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens geprägt. Vieles, was wir sonst ganz selbstverständlich tun können, war nicht möglich. Und so haben vermutlich so viele Menschen wie noch nie, genutzt und genossen, was immer für uns da ist: die schöne Kulturlandschaft „vor der Haustür“. Die einen haben sie wieder oder neu entdeckt. Die anderen, die sich schon „vor Corona“ regelmäßig an ihr erfreuten, haben vielleicht innerlich gestöhnt, weil plötzlich so viele Menschen draußen unterwegs waren. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger…

Bewegung an der frischen Luft - ganz ohne Eintrittsgebühr und Monatsbeitrag. In unserem schönen Ennepe-Ruhr-Kreis ist zum Glück viel Platz. Man kann auch in diesen Zeiten Spaziergänge und Wanderungen etwas abseits unternehmen, ohne vielen Menschen zu begegnen.

 

Ich spreche übrigens von Kulturlandschaft oder „Natur“ in Anführungszeichen, weil die Landschaft vom Menschen, fast überall in Deutschland, stark verändert worden ist. Ohne uns würde, bis auf ein paar Extremstandorte, wie Moore oder Hochgebirge, Wald wachsen. Und auch dieser würde anders aussehen, als der Wald, den wir kennen und der vor allem der Holzgewinnung dient. Dennoch ist diese „Natur“ auch wertvoll. Nicht nur für die unzähligen Organsimen - Kleinstlebewesen, Pflanzen, Pilze, Tiere - die darin leben und die Landschaft ausmachen. Auch für uns.

 

Erholung ist eine von vielen Funktionen, die uns eine schöne Landschaft quasi nebenbei spendiert. Und um auf oben erwähnten Eintritt beziehungsweise Monatsbeitrag zurückzukommen: Wie viel würden Sie geben, wenn Sie für einen Spaziergang im Wald, eine Radtour entlang der Ruhr, ein Mittagsschläfchen auf der sonnigen Wiese „Eintritt“ bezahlen müssten? Sie finden, das ist eine merkwürdige, vielleicht sogar absurde Frage? Aber warum eigentlich? Natur und Landschaft haben doch unbestreitbar einen Wert für uns. Nicht nur für unsere Erholung.

 

Nehmen wir das Beispiel Wald: er filtert Staubpartikel aus der Luft, er ist Kohlenstoffspeicher und Sauerstoffproduzent. Er mildert Wind ab und schützt vor Erosion. Er nimmt Wasser langsam auf und kann so vor Überschwemmungen schützen. Er kann Schnee- und Erdlawinen aufhalten oder abmildern. Er ist Lebensraum für unzähligen Organismen und Rohstofflieferant. Der Liste lässt sich noch vieles hinzufügen. Und ja, er bietet uns Erholung. Viele Studien haben die gesundheitsfördernde Wirkung vom Aufenthalt in der „Natur“ nachgewiesen. Der Wald fördert also unsere Gesundheit und spart der Allgemeinheit Kosten im Gesundheitssystem.

 

All das, von der Luftreinhaltung bis zur Erholungsfunktion, sind sogenannte Ökosystemdienstleitungen. Ihren Geldwert kann man tatsächlich berechnen - und damit in der Summe den Wert eines Ökosystems wie den Wald. Die Berechnung ist nicht ganz einfach, es gibt viele Variablen, wie zum Beispiel die Größe des Ökosystems, das Alter und die Zusammensetzung der Arten, den Untergrund, die Umgebung und vieles mehr, und es ergibt natürlich einen Schätzwert. Aber es ist möglich.

Der materielle Wert eines bestimmten Ökosystems ergibt sich letztlich aus den Kosten, die die Allgemeinheit für dieselben Leistungen (zum Beispiel Luftreinhaltung, Erosions- und Hochwasserschutz, erhöhte Gesundheitskosten usw.) aufbringen müsste, wenn dieses Ökosystem nicht da wäre.

 

Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass der materielle Wert aller Leistungen, die Ökosysteme weltweit erbringen, um ein Vielfaches höher ist, als das weltweite Bruttosozialprodukt, also die Summe aller vom Menschen hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen. 

Wir wären daher gar nicht in der Lage, alle diese Dienstleistungen der Ökosysteme zu ersetzen. Daher liegt ein respektvoller Umgang mit der Natur in unserem ureigenen Interesse. Umso mehr, als es der „Natur“ in Deutschland nicht besonders gut geht, so der neueste Bericht des Bundesumweltministeriums.

 

Sicherlich muss man nicht immer alles in Geld bemessen, schon gar nicht im privaten Bereich. Ein Wert kann auch immateriell wahrgenommen werden. Und auch in diesem Sinne kann man sich beim nächsten Spaziergang einmal die Frage im weitesten Sinne stellen: Was ist mir das wert, was bedeutet das für mich, dass ich das erleben kann?

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude und bleiben Sie gesund! Ihre Britta Kunz

 

 

Mai 2020 - Keine Angst vor Fledermäusen!

Fledermäuse waren lange Zeit „in“. Vorbei die Jahre, in denen ihnen der hierzulande völlig falsche Ruf des gruseligen Blutsaugers nachhing. Sogar kleine Kinder wissen heute, dass unsere heimischen Fledermäuse nur Insekten fressen. Viele Menschen freuen sich beim Anblick der Nachtschwärmer im Garten, nicht nur, weil sie jede Menge Stechmücken vertilgen.

 

Ich fürchte aber, dass das positive Image unserer Fledermäuse, das sich in den letzten Jahren zu Recht durchgesetzt hat, jetzt wieder ins Gegenteil kippen könnte und die Tiere generell in Verruf geraten. Die Gründe sind wieder: Unwissenheit und Angst.

 

Denn einige asiatische Fledermäuse stehen in Verdacht das Virus, das jetzt bei Menschen die Covid-19-Erkrankung auslösen kann, in sich zu tragen – oder zumindest eine Vorstufe davon. So ganz genau ist es noch nicht geklärt. Klar scheint bislang nur, dass ein eng verwandtes Virus bei einigen Fledermäusen in Asien nachgewiesen wurde. Ob und wie es auf den Menschen übertragen wurde und ob weitere Tierarten zwischengeschaltet waren, ist noch nicht geklärt. Auch nicht, wo und wann es sich dann zu der für Menschen gefährlichen Variante entwickelte.

 

Das wird manche Menschen aber vermutlich nicht davon abhalten, alle Fledermäuse, egal wo sie leben und um welche Arten es sich handelt, unter Generalverdacht zu stellen. Und schlimmer: den Tieren nachzustellen, sie zu vertreiben und ihre Quartiere zu vernichten oder die Fledermäuse gar zu töten.

Dies ist aber nicht nur durch unser Bundesnaturschutzgesetz verboten, sondern es würde völlig Unschuldige treffen!

Nach Aussage des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung spielen unsere heimischen Fledermäuse überhaupt keine Rolle bei der Corona-Pandemie, da sie dieses Virus gar nicht in sich tragen. Man kann sich durch unsere heimischen Fledermäuse also nicht mit Covid-19 anstecken.

 

Fledermäuse können aber vielleicht dabei helfen, diese und andere Krankheiten in Zukunft zu besiegen. Denn Fledermäuse haben ein sehr effektives Immunsystem. Wenn man versteht, wie es den Tieren gelingt, sich so gut gegen Krankheitserreger zur verteidigen, kann dies auch für unsere weitere medizinische Forschung nützlich sein.


Darum: Haben Sie keine Angst vor unseren Fledermäusen!

Im Gegenteil. Fledermäuse brauchen nach wie vor unsere Hilfe.

 

Jede Nacht verspeist eine aktive Fledermaus bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Zwar sind Fledermäuse echte Leichtgewichte, aber im Laufe eines Sommers kommt so, je nach Art, rund ein Kilogramm Insekten zusammen. Stechmücken alleine reichen dafür nicht aus. Nachtfalter sind beliebte Fledermaus-Delikatessen. Aber auch sie sind in den letzten Jahren, wie so viele Insekten-Arten, weniger geworden. Durch viele lobenswerte Initiativen entstehen zwar wieder vermehrt Blühstreifen entlang von Feldern, Wegen, Straßen und Blumenwiesen in manchem Garten. Ausgesät werden aber meist Pflanzenmischungen für Wildbienen. Nahrungsquellen für Nachtfalter sind dann nicht immer oder nur sehr wenige dabei. Nachtfalter brauchen nämlich Pflanzen, die ihre Blüten in der Nacht geöffnet haben.

 

Wer also etwas für die heimischen Fledermäuse tun will, kann eine Blütenmischung speziell für diese Insekten einsäen. Und dann vielleicht sogar die Fledermäuse bei der Jagd beobachten.

 

Übrigens: sollten Sie ein Fledermaus-Quartier bei sich am Haus oder im Garten haben, können Sie sich gerne bei uns melden. Auch, wenn Sie sich durch die Tiere gestört fühlen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer Lösung. Wir beraten Sie ebenso gerne, wenn Sie etwas für Fledermäuse in ihrem Umfeld tun möchten, wie zum Beispiel neue Quartiere zu schaffen.

 

Bleiben Sie gesund. Ihre Britta Kunz

 

 

April 2020 - Wildtiere in Wald und Feld lassen!

Jetzt ist die Zeit, in der die meisten Wildtiere ihre ersten Jungen zur Welt bringen. Auf die Kleinen lauern aber viele Gefahren. Eine davon ist leider der Mensch. Oft aus Unkenntnis oder falsch verstandener Tierliebe. So werden im Frühjahr immer wieder junge und vermeintlich hilflose Hasen, Rehkitze oder Vögel von Menschen aufgenommen und in die Tierarztpraxen oder die Biologische Station gebracht.

Abgesehen davon, dass schon menschlicher Kontakt und Transport einen enormen Stress für jedes Wildtier bedeuten: kein Mensch kann ein Wildtierjunges so gut versorgen und ihm beibringen, was es zum Überleben braucht, wie die tierischen Eltern. Denn selbst wenn wir, oder die Tierärzte, es mit viel Aufwand in die erfahrenen Hände ehrenamtlicher Pfleger vermitteln können, ein Wildtier von Hand aufzuziehen ist leider allzu oft nicht erfolgreich.

Daher ist es auch aus gutem Grund gesetzlich verboten, Wildtiere aus der Natur zu entnehmen. Einzige Ausnahme: wenn unmittelbare Lebensgefahr für das Tier besteht und es nur durch menschliche Hilfe überleben kann.

Deshalb mein ganz dringender Appell: bitte lassen Sie unverletzte Wildtiere in Wald und Flur, auch wenn sie Ihnen hilflos und verlassen erscheinen.

 

Junghasen und Rehkitze werden von der Mutter abgelegt und die meiste Zeit alleine gelassen. Die Mutter kommt nur ein bis zweimal am Tag vorbei, um das Jungtier zu säugen. Das ist vollkommen normal und hat sich bewährt. Die Jungen sind noch zu klein, um der Mutter zu folgen. Wäre sie die ganze Zeit bei dem Jungen, würden hungrige Räuber viel eher darauf aufmerksam, als wenn es irgendwo alleine in der Wiese liegt. Dass die Jungtiere bei Annäherung nicht weglaufen, ist auch ganz normal und bedeutet nicht, dass sie menschliche Hilfe brauchen. Da sie vor einem Fressfeind nicht schnell genug weglaufen können vertrauen sie auf ihre Tarnung und bleiben bewegungslos. Wichtig: fassen Sie Säugetierjunge nicht an, denn dann werden sie von der Mutter nicht mehr angenommen.


Auch viele Jungvögel verlassen das Nest frühzeitig und sitzen bettelnd am Boden oder in einem Strauch. Sie werden in der Regel aber weiterhin von den Eltern gefüttert. Diese trauen sich allerdings oft deshalb nicht an ihr Junges heran, weil ein Mensch es aus der Nähe beobachtet. Daher bitte großen Abstand halten. Gegebenenfalls können Sie den Jungvogel vor Katzen in Sicherheit bringen und auf einen Ast in unmittelbarer Nähe setzen. Sollte ein Jungvogel wirklich aus dem Nest gefallen sein, können Sie ihn auch wieder hineinsetzen. Wissenswertes zum Umgang mit Jungvögeln sowie die Broschüre „Aus dem Nest gefallen – was tun mit Jungvögeln?“ finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (www.lanuv.nrw.de). Sollten Sie wirklich einmal ein verletztes Wildtier finden, helfen Ihnen vielleicht die Informationen auf unserer  Internetseite weiter (www.biologische-station.de unter ‚Weitere Informationen‘).


Natürlich sind auch unverletzte Jungtiere leichte Beute und willkommene Nahrung für tierische Räuber. Auch ein Fuchs oder ein Greifvogel will seinen Nachwuchs großziehen. Es mag uns Menschen sehr grausam vorkommen, aber die Natur hat bei vielen Arten hohe Verluste „eingeplant“. Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: von jedem Meisen-Pärchen im Garten und überall sonst, würden in einem Jahr alle Jungen überleben. Ein Meisen-Paar kann in guten Jahren bis zu dreimal brüten und dann insgesamt so um die fünfzehn Jungen großziehen. Wenn es drei Jahre lebt und brütet, wären das also 45 Nachkommen pro Meisen-Paar. Wenn die Nachkommen alle überleben und ihrerseits wieder mit einem Partner brüten und von jedem Paar dann wieder 45 Nachkommen überleben…dann sehen Sie bald Ihren eigenen Garten vor lauter Meisen nicht mehr. Gut, hier wird vermutlich bald die Anzahl der Nistmöglichkeiten dem Ganzen ein Ende setzen, aber vielleicht sehen Sie, worauf ich hinaus will. Letztlich muss, um den Bestand stabil zu halten, jedes tierische Elternpaar in seinem Leben nur zwei Junge erfolgreich großziehen, die ihrerseits wieder zwei Junge großziehen.


Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man nichts für die Wildtiere tun soll, im Gegenteil. Versteck- und Nistmöglichkeiten anbieten, sein Grundstück so einrichten, dass heimische Tiere dort Nahrung und einen Lebensraum finden, ist wunderbar. Auch Tieren, die wirklich in Not sind, helfen. Aber bitte keine unverletzten Jungtiere den tierischen Eltern entreißen. In diesem Fall ist weniger deutlich mehr.

 

Die Tiere werden es Ihnen danken. Und ich danke Ihnen auch. Ihre Britta Kunz

 

 

März 2020 - Dohlen - lautstarke Akrobaten der Lüfte

Als ich kürzlich in der Abenddämmerung unterwegs war, vernahm ich hoch über meinem Kopf ein lautes, vielstimmiges und, wie ich finde, fröhlich klingendes „jack-jack“ einer größeren Gruppe Dohlen. Die Vögel sammelten sich, um gemeinsam ihren Schlafplatz aufzusuchen, was offensichtlich nicht ohne ausgiebige Diskussion möglich ist. Ihre markanten Rufe haben sogar Eingang in ihren englischen Namen gefunden, dort werden diese Rabenvögel ‚Jackdaw‘ genannt. Allerdings verfügen die Vögel noch über eine ganze Reihe anderer Lautäußerungen. Sie sind auch dafür bekannt, dass sie Geräusche gut imitieren und damit Tiere – und auch uns Menschen – zum Narren halten können.

 

Vom den melodischen Gesang vieler anderer Singvögel ist das aber weit entfernt. Trotzdem gehören Dohlen, wie alle Rabenvögel, wissenschaftlich in die Kategorie der Singvögel.

Wegen ihres schwarzen Gefieders und des grauen Hinterkopfes, der wie eine Kapuze aussieht, werden Dohlen in manchen Gegenden auch ‚Mönchlein‘ genannt. Im Sonnenlicht betrachtet, sind Dohlen aber gar keine schwarzen Gesellen. Ihr Gefieder schimmert dann blau-grünlich. Auffallend ist auch die hellgraue, bei Jungvögeln blaue Iris, die den Tieren einen faszinierenden „Silberblick“ verleiht.


Bei uns ist die Dohle ein echter Kulturfolger. Das heißt, sie ist uns in die Siedlungen gefolgt und nutzt dort das Angebot an Nistmöglichkeiten, die ihr unsere Bauwerke bieten. Man könnte sie, natürlich mit einem Augenzwinkern, sogar als regelmäßige Kirchgängerin bezeichnen, da sie häufig in Spalten und Nischen von Kirchtürmen brütet.

Große Bauwerke bieten den Vorteil, dass dort mehrere Dohlen-Paare gleichzeitig Unterschlupf finden. Das gefällt den Vögeln. Denn eine Brut-Kolonie bietet Schutz. Von vielen aufmerksamen Brutpaaren wird eine hungriger Greifvogel nicht nur schneller bemerkt, als von einem Brut-Paar alleine. Auch die gemeinsame Verteidigung ist erfolgsversprechender.

Allerdings werden immer mehr Gebäudenischen durch Gitter oder bei Baumaßnahmen verschlossen. Gute Kolonieplätze sind daher in manchen Gegenden schon rar geworden.

 

Und mit einem Nistplatz alleine ist es auch nicht getan. Als ursprüngliche Steppenbewohner suchen Dohlen noch immer am liebsten am Boden nach Essbarem. Wählerisch sind sie nicht, sie nehmen fast alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Für die Aufzucht der Jungen aber liefern nur Insekten das notwendige Protein. Insektenreiches Grünland sollte daher möglichst nicht weiter als 500 Meter Luftlinie entfernt sein.


Wenn viele auf engem Raum zusammen leben, ist das nicht immer einfach. Das gilt für Menschen genauso, wie für manche Tiere. Regeln können hier wie da helfen, miteinander klar zu kommen. So wundert es nicht, dass Dohlen ein ausgeprägtes Sozialverhalten haben. Dafür müssen sich die Tiere untereinander individuell erkennen können. Und mehr noch: da Dohlen eine Rangordnung haben, müssen sie auch immer wissen, wer wo in der Rangordnung steht. Interessanterweise wird nicht die stärkste Dohle „Chef“, sondern die Erfahrenste.

Weibchen können in der Rangordnung aufsteigen, wenn sie ein ranghöheres Männchen „heiraten“. „Verlobt“ wird sich schon im ersten Lebensjahr, und die Bindung hält ein Leben lang. Was immerhin über zehn Jahre sein kann. Bei der Aufzucht der Jungen sind Dohlen, wie die anderen Rabenvögel auch, alles andere als „Rabeneltern“. Der Begriff, der für schlechte Eltern steht, kommt vermutlich daher, dass junge Rabenvögel oft früh das Nest verlassen und dann unbeholfen und aufgegeben wirken. Tatsächlich werden sie aber von den Eltern weiterhin umsorgt, bewacht und verteidigt.


Das Faszinierendste an Dohlen ist vielleicht ihre Intelligenz. Auch wenn ich mich mit der Anwendung diese Begriffs auf Tiere schwer tue, denn jedes Tier ist schließlich so „intelligent“, wie es seine Umwelt und Lebensweise erfordert. Aber in vielen Versuchen haben Dohlen bewiesen, dass sie nicht nur neugierig, sondern auch lernfähig sind, Zusammenhänge erkennen und Probleme lösen können. Und sie können sogar bis Sieben „zählen“.

Darüber hinaus sind sie tollkühne Flugkünstler, denen es Spaß zu machen scheint, durch die Luft wirbeln. Wenn Sie also ein munteres „jack-jack“ über sich hören, bleiben Sie doch einmal einen Augenblick stehen, schauen in den Himmel und staunen über die munteren Luftakrobaten.

 

Viel Spaß dabei, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz