Monats-Kolumne

Oktober 2020 - Kastanienkrankheit

Die Blätter vieler Bäume werden schon braun. Das hängt oft mit dem Wassermangel zusammen, den der dritte zu trocken Sommer in Folge uns beschert. Aber nicht nur. Manche Bäume werden auch noch von anderen Stressfaktoren geplagt.

Die Kastanie zum Beispiel. Genauer, die Weißblühende Rosskastanie. Ein Baum, der auch in den Städten zu finden ist. Dort fällt die frühe fleckige Braunfärbung der Blätter natürlich besonders ins Auge.

 

Kleine Ursache mit großer Wirkung

Verantwortlich dafür ist häufig die sogenannte Kastanienminiermotte. Gerade einmal drei Millimeter Körperlänge bringt sie auf. Ihre Eier legt sie auf den Blättern der Rosskastanie ab. Die Larven, die daraus nach ein bis zwei Wochen schlüpfen, fressen kleine Hohlräume aus den Blättern heraus. Was auf den Blattober- und Unterseiten übrig bleibt, vertrocknet und wird zu braunen Flecken.

Die Larven sind zwar auch nur wenige Millimeter klein, aber viele hungrige Miniermotten- Larven können an den Blättern zu erheblichen Schäden führen. Sind die Larven satt, verpuppen sie sich. In dem für Schmetterlinge charakteristischen Ruhestadium findet der Umbau zum Schmetterling statt.

 

Unscheinbarer Schmetterling

Auch wenn Ihre Vorstellungen eines Schmetterlings vielleicht eine andere sein mag, die kleinen Motten gehören auch dazu. Die ersten Eier werden bereits während der Kastanienblüte abgelegt. Bei guten Bedingungen können bis in den Herbst hinein noch mindestens zwei weitere Generationen folgen. Ganz schön viel auszuhalten, für so einen Kastanienbaum. Ob die Kastanienminiermotten die Bäume wirklich nachhaltig schädigen können, darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche bezeichnen es vor allem als ein ästhetisches Problem. Allerdings setzen den Bäumen in Städten zusätzlich oft noch ein zu kleiner Wurzelraum, Streusalze und Wassermangel zu.

 

Blätter sammeln gegen den Mottenbefall

Da einige der Puppen in den herabfallenden Blättern den Winter überdauern und erst im kommenden Frühjahr als Motte schlüpfen, finden in manchen Städten im Herbst Blattsammel-Aktionen statt. Die herabgefallenen Kastanienblätter werden eingesammelt und in örtliche Kompostieranlagen gebracht. Die dort herrschenden hohen Temperaturen überstehen die Puppen nicht. Durch die Sammelaktionen wird die Miniermotte zwar nicht komplett bekämpft, aber die Anzahl der im kommenden Frühjahr schlüpfenden Motten wird verringert.

Falls Sie eine Kastanie mit braunen Blättern auf Ihrem Grundstück haben: die Wärme eines normalen Komposthaufens im Garten reicht nicht aus, um die Puppen abzutöten.

Falllaub hat außerdem einen hohen Stellenwert als Bodenschutz im Winter, als Nährstoffquelle und als Nahrung und Lebensraum für viele Kleinstlebewesen. Alternativ kann man daher auch die natürlichen Fressfeinde, wie insektenfressende Vögel, zum Beispiel Meisen, fördern.

 

Herkunft der Miniermotte

Woher die Motte ursprünglich stammt, war lange nicht klar. Dann aber fand man sie zufällig in Herbar-Belegen in Griechenland. Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie Sie früher Blumen und Blätter zwischen alten Zeitungen gepresst und damit getrocknet haben. Herbar-Belege sind im Grunde nichts anderes, nur auf wissenschaftlicher Basis. Die Pflanzenart, Datum und Fundort und noch einiges mehr werden darauf vermerkt. Und in solch einem Herbar-Beleg einer Rosskastanie in Griechenland fand man die Larve einer Miniermotte, die vor 140 Jahren unbeabsichtigt mitgepresst worden war. Da sich in Herbar-Belegen aus dem Balkan aus den 1960er Jahren sehr viele Larven finden, weiß man, dass es dort bereits zu einem Massenauftreten kam. Vermutlich sind die Motten dann im Laufe der Jahre unbeabsichtigt durch den Menschen über die Transportwege zu uns gelangt.

 

Minierer sind nichts Seltenes
Übrigens ist die Ernährungsweise der Kastanienminiermotte gar nicht besonders außergewöhnlich. Einige Insekten, vor allem verschiedene Arten der Kleinschmetterlinge, Käfer und Fliegen zählen zu den sogenannten Minierern, die sich durch Blätter fressen. Diese Art der Nahrungsaufnahme, hat nämlich den Vorteil, dass sie dem Insekt Schutz vor Fressfeinden und unliebsamer Witterung bietet.

 

Andere Ursache einer verfrühte Braunfärbung

Die kleine Motte muss auch nicht an jedem braunen Fleck auf den Kastanienblättern Schuld sein. Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel mit den Flecken, die der Blattbräunepilz hinterlässt. Ob es das für die Kastanie besser macht, bezweifle ich allerdings.

 

Zum Glück färbt sich das Laub im Oktober nicht nur Braun, sondern in viele schöne bunte Herbstfarben. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist das ein tolles Farbenspiel. Ich hoffe, Sie finden ein bisschen Zeit, dieses zu genießen. Ihre Britta Kunz

 

 

September 2020 - Infektionskrankheiten im Tierreich

Manche mögen‘s kühl. Falls Ihnen in den heißen Sommertagen auch der Sinn nach einer Abkühlung stand oder steht, sind Sie damit nicht alleine. Auch im Tierreich gibt es Arten, die mit der Hitze nicht so gut zurechtkommen.

Der Feuersalamander ist einer von ihnen. Dieser schwarz-gelbe Geselle mag besonders gerne kühle Bäche, wie sie im Ennepe-Ruhr-Kreis zu finden sind. Deshalb kommt er bei uns und in anderen Mittelgebirgs-Regionen noch häufig vor. Noch, muss man betonen.

Denn auch im Tierreich gibt es immer wieder neu auftretende Infektionskrankheiten. Davon können sowohl Nutztiere als auch Wildtiere betroffen sein, wie etwa bei der Afrikanischen Schweinepest. Manchmal sind sowohl bestimmte Tiere als auch der Mensch gefährdet, wie bei einigen Erregern der Vogelgrippe. Viele Krankheitserreger im Tierreich sind aber auf einzelne Tiergruppen spezialisiert.

 

Die sogenannte „Krebspest“ die unsere heimischen Großkrebse, den Edelkrebs und den Steinkrebs, befällt, ist ein Fadenpilz, der durch nordamerikanische Flusskrebse eingeschleppt wurde. Diese nordamerikanischen Krebse sind immun, unsere heimischen Großkrebse leider nicht. Sie sterben daran. So werden Edel- und Steinkrebs in unseren Gewässern nach und nach durch die nordamerikanischen Arten verdrängt.


Auch bei Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern gibt es Pilzkrankheiten.

Ein Hautpilz mit dem sperrigen Namen Batrachochytrium dendrobatidis, kurz, und besser auszusprechen, Bd genannt, hat besonders in den Tropen und Subtropen zu einem massiven Amphibiensterben geführt. In Europa scheinen die meisten Amphibien-Arten mittlerweile einigermaßen mit dem Pilz zurecht zu kommen.

 

Seit 2013 breitet sich jedoch ein neuer Pilz aus, der vermutlich über den Handel mit Amphibien aus Asien eingeschleppt wurde. Er hat vor kurzem auch den Ennepe-Ruhr-Kreis erreicht. Dieser Pilz geht, vor allem den Molchen und dem Feuersalamander, im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut“. Da er zum ersten Mal beim Feuersalamander nachgewiesen wurde, trägt er den Namen Batrachochytrium salamandrivorans (kurz: Bsal). Übersetzt heißt das so viel wie „Salamanderfresser“. Und tatsächlich „frisst“ er sich in die Haut der Tiere, zerstört sie und führt zu Infektionen und zum Tod. Oft wird die Krankheit als „Salamanderpest“ bezeichnet. Das Wort „Pest“ wird dabei, wie auch bei der „Krebspest“ im Sinne von „Seuche“ gebraucht. Um eine wirkliche Pest handelt es sich natürlich nicht, denn diese wird durch ein bestimmtes Bakterium ausgelöst, nicht durch einen Pilz.

Für uns Menschen sind „Krebspest“ und „Salamanderpest“ nicht gefährlich. Auch nicht für unsere Haustiere, außer natürlich, Sie halten sich zuhause Amphibien oder Edelkrebse.

 

Sollten Sie in Wald oder Feld einen Molch oder Feuersalamander mit Hautveränderungen finden, melden Sie uns bitte den Fund. Am besten mit einem Foto des Tieres. Aber berühren Sie das Tier nicht. Auch nicht mit dem Schuhen. Menschen und auch Hunde können die Pilze nämlich weiter ausbreiten. Befreien Sie Ihr Schuhwerk daher am besten nach jedem Spaziergang noch vor Ort gründlich von Erde. Und halten Sie ausreichend Abstand zu Gewässern. „Gewässer“ meint Bäche, Flüsse, Tümpel, Teiche, Seen und potentiell auch jede feuchte Fahrspur in einem Feldweg. Pilze bilden mikroskopisch kleine Dauerstadien, sogenannte Sporen aus. Leider können die Sporen des Salamanderfresser-Pilzes auch Trockenheit überstehen. Es reicht daher nicht, Schuhe und Hundefell durchtrocknen zu lassen, bevor man in oder an den Rand eines anderen Gewässers geht. Zuverlässig gegen Bsal hilft nur das Einsprühen mit einem Desinfektionsmittel. Gut eignet sich auf 70 Prozent verdünnter Brennspiritus, der mindestens zwei Minuten lang einwirkt. Alle, die beruflich oder im Hobby mit Gewässern zu tun haben, sollten diese Hygienemaßnahme verbindlich durchführen.

 

Haustiere können natürlich nicht desinfiziert werden. Daher sollten auch Hunde von Gewässern fern gehalten werden. In Naturschutzgebieten ist es ohnehin nicht erlaubt, Hunde in Gewässer zu lassen.

Vielleicht empfinden Sie all das in der aktuellen Zeit übertrieben und nur als weitere lästige Einschränkung. Aber ich finde, auch die mit der Covid-19-Pandemie verbundenen Auflagen sollten uns nicht daran hindern, für das Überleben unserer tierischen Mitgeschöpfe Sorge zu tragen. Bleiben Sie gesund. Ihre, Britta Kunz

 

 

August 2020 - "Der Dachs lässt schön grüßen...."

Als ich kürzlich in der Dunkelheit durch das Tal der Ennepe fuhr, sah ich plötzlich auf der Straße vor mir einen dicken, runden, pelzigen Po gemächlich dahin wackeln. Ein Dachs!

Leicht erkennbar an seinem gedrungenen Körperbau und grau-weiß-schwarzen Pelz. Ganz unverkennbar ist die schwarze „Augenmaske“ – weshalb er auch manchmal spaßhaft als „ Zorro der Marder“ betitelt wird.


Obwohl die Tiere gar nicht so selten sind, bekommt man sie nicht oft zu Gesicht. Um dem größten unserer heimischen Marderartigen zu begegnen, sollte man in der Dämmerung oder Nacht in Waldnähe unterwegs sein. Oder in einer reich strukturierten Heckenlandschaft. Tagsüber zeigt er sich nur selten, etwa, um sich den dicken Pelz an einem ungestörten Platz in der Sonne zu wärmen. Ansonsten verbringen Dachse viel Zeit „unter Tage“ in selbstgegrabenen Erdhöhlen. Daher werden sie auch Erdmarder genannt.

 

Beim Graben helfen ihnen kräftige, nach unten gebogene Krallen. Die Höhlen werden oft über Generationen von Dachsen immer weiter zu unterirdischen Dachsburgen ausgebaut. Das größte Burgen-Exemplar, von dem ich weiß, wurde in England gefunden und umfasste 50 Kammern, 178 Eingänge und fast 900 Meter Tunnel. Das bedarf natürlich einer gewissen Standfestigkeit des Bodens, daher kommt der Dachs in Gegenden mit sandigem Boden nicht vor. Aber auch zu steinig darf es nicht sein.


Die Dachsbaue werden übrigens auch vom Rotfuchs geschätzt, manchmal leben sie sogar als Untermieter gleichzeitig mit dem Dachs beziehungsweise einem Dachsclan darin. In diesen Familienverbänden bleiben die älteren Geschwister noch einige Zeit in der Familie. Erst ab dem zweiten Jahr machen sie sich auf den Weg, selbst einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Ob „mein“ Dachs so ein junges „Wandersmädel“ oder doch eher ein „Wandersbursche“ war?

 

Er - oder sie - das lässt sich nicht so einfach unterscheiden - sah jedenfalls schon ganz schön groß aus. Bis zu 80 Zentimeter lang und beachtliche 15 Kilogramm schwer können Dachse werden. Ihren Speck futtern sie sich mit Insekten, Regenwürmern, Fallobst und auch mal Eiern von Wiesenvögeln an. Auch unvorsichtige Reptilien und kleine Säuger werden verputzt. Im Gegensatz zu anderen Mardern jagen sie aber nicht aktiv und bleiben bei der Nahrungssuche auf dem Boden. Beim Auffinden der Nahrung hilft die rüsselartige Schnauze, die einerseits sehr empfindlich ist, um die Nahrung aufzuspüren und andererseits robust genug, um damit in der Erde zu wühlen.

 

Haben sich die Dachse genug Speck angefressen, kommen sie gut durch die nahrungsarme Winterzeit, in der sie in ihren Bauen Winterruhe halten. Am Ende der Winterruhe bringen die Weibchen zwei bis fünf blinde Junge zur Welt. Sie bleiben mehrere Wochen im schützenden Bau, bevor sie sich an die Oberfläche wagen. Da sie Winterruhe halten, findet die Paarung bereits im Frühjahr oder Sommer statt.

 

Damit die Jungen aber nicht im Herbst oder Winter zur Welt kommen, hat sich die Natur einen Trick ausgedacht, die sogenannte Keimruhe. Die weiblichen Eizellen werden direkt nach der Paarung befruchtet, fallen dann aber in einen „Dornröschenschlaf“, aus dem sie erst im Winter erwachen. Erst dann entwickelt sich die Eizelle weiter zum Embryo, und nach weiteren 45 Tagen werden die Jungen zu Anfang des Frühjahres geboren. 

 

Wenn ich einen Dachs sehe, muss ich immer an das schöne Kinderbuch von Kenneth Grahame ‚Der Wind in den Weiden‘ denken. Dessen Untertitel  lautet nämlich „Der Dachs lässt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden“. Auch wenn der Dachs kein wirklicher Einzelgänger ist, könnte man ihn doch dafür halten, wenn er alleine durch die Gegend trottet.  Und dabei durchaus auch ein bisschen unnahbar wirkt. Das Buch ist übrigens nicht nur für Kinder lesenswert. Es geht um verschiedene Tiere, aber vor allem um Freundschaft. Auch wenn die Tiere stark vermenschlicht sind, lernt man ganz nebenbei einiges über die Natur. Das Buch gibt es auch in einer Hörversion, wunderbar gelesen von Harry Rowohlt und ein schöner Zeitvertreib für lange Zug- oder Autofahrten.

 

Apropos Auto: Am häufigsten bekommt man Dachse leider zu Gesicht, wenn sie überfahren am Straßenrand liegen. „Mein“ Dachs hatte an dem Abend Glück, auch, weil ich wohlweislich auf solchen Strecken immer besonders vorsichtig unterwegs bin. Die Dachse und viele andere Wildtiere danken Ihnen, wenn Sie das auch sind. Ihre Britta Kunz

 

 

Juli 2020 - Lichtertanz der Natur

Jetzt ist die beste Zeit, um ein fast schon magisch anmutendes, kleines Naturschauspiel zu beobachten!

Kleine grüne Leuchtpunkte blinken in diesen lauen Sommernächten. Manche schweben, in einem wahren Lichtertanz der Natur, lautlos durch die Luft. Glühwürmchen. Aber dunkel muss es sein. Glühwürmchen meiden verständlicherweise das Licht. Denn nur in der Dunkelheit kommt das eigene Leuchten zur Geltung. Die zunehmende „Lichtverschmutzung“ ist, neben der Lebensraumzerstörung ein Grund, warum die Tierchen selten geworden sind.

Aber mit etwas Glück kann man sie entlang von Waldrändern, Gebüschsäumen, in alten Parkanlagen oder auch im eigenen Garten beobachten.

 

Die deutsche Bezeichnung ‚Glühwürmchen‘ ist jedoch irreführend, denn es handelt sich nicht um Würmer, sondern um Käfer. Leuchtkäfer, um genau zu sein. Weltweit sind etwa 2000 Arten bekannt. Bei den meisten Arten leuchten die Weibchen. Da sie tatsächlich ein bisschen wie ein Wurm aussehen und nicht fliegen können, hat man ihnen im deutschsprachigen Raum den Namen Glühwürmchen gegeben. Anders die Männchen. Sie sehen bei den meisten Arten eher wie Käfer aus und können meist auch fliegen. Dafür können sie aber nicht oder nicht so intensiv leuchten.

Es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist der Kleine Leuchtkäfer, eine von drei Glühwürmchen-Arten, die bei uns heimisch sind. Bei dieser Art leuchten sowohl das wurmähnliche und flugunfähige Weibchen als auch das fliegende Männchen sehr intensiv. Wenn Sie schwebende grüne Leuchtpunkte bei und im Kreisgebiet entdecken, handelt es sich immer um Männchen des Kleinen Leuchtkäfers.

 

Aber warum eigentlich der ganze Aufwand mit dem Licht? Die Antwort lautet: Kommunikation. Manche Arten nutzen die Lichtsignale, um Beutetiere anzulocken, andere, um Fressfeinde zu erschrecken. Vor allem aber geht es um Brautwerbung. Männchen und Weibchen finden erst durch die Lichtsignale zueinander. Angeblich sind die am hellsten leuchtenden Weibchen bei den Männchen am begehrtesten.

Damit keine Verwechslungen zwischen den Glühwürmchen-Arten passiert, hat jede Art ihren eigenen Blinkrhythmus. Bei einigen Arten blinken sogar alle Glühwürmchen in der Umgebung gleichzeitig. Dann leuchten ganze Busch- oder Baumreihen im gleichen Takt.

 

Das grüne Blinklicht ist Energie, die beim chemischen Abbau eines Stoffes mit dem schönen Namen ‚Luziferin‘ frei wird. Der Name kommt von den Lateinischen Wörtern für ‚Licht‘ (lux) und ‚bringen, tragen‘ (ferre). Glühwürmchen sind also wahrhaftige Lichtbringer. Bei der Erzeugung ihres Lichtes sind sie außerordentlich effizient, denn die freiwerdende Energie wird nahezu vollständig in kalte Lichtenergie umgewandelt. Dagegen verwandeln Glühbirnen nur rund fünf Prozent elektrischer Energie in Licht, der Rest wird ungenutzt als Wärme abgegeben.

 

Von Glühwürmchen können wir also einiges lernen. Und der Name Glühwürmchen ist gleich im doppelten Sinne falsch – es sind keine Würmer und sie glühen auch nicht. Sie erwärmen sich nicht bei der Erzeugung  von Licht.

Mit dem Blinken ist es aber dann bei der Paarung vorbei. Dabei machen die Glühwürmchen nämlich das Licht aus. Bald nach Paarung und Eiablage endet das Glühwürmchen-Leben. Erwachsene Glühwürmchen leben nur wenige Wochen lang. Gefressen wird in dieser Zeit nicht. Dafür leben sie zuvor drei Jahre als gefräßige Larven.

Gärtner dürfen sich besonders freuen, wenn sie Glühwürmchen bei sich im Garten sehen. Die Larven ernähren sich nämlich Schnecken, deren Schleimspur sie verfolgen. Aber egal ob Schneckenvertilger oder nicht, das lautlose Schweben und Blinken ist einfach zauberhaft.

 

Vielleicht finden Sie einen der Orte bei uns im Kreisgebiet, an dem Sie sich in einer schönen Sommernacht von den kleinen „Fackelträgern“ „verzaubern“ lassen können.

Einen zauberhaften Sommer, nicht nur in diesem Sinne, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

Juni 2020 - Vom Wert der Natur

Die letzten Wochen waren von einschneidenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens geprägt. Vieles, was wir sonst ganz selbstverständlich tun können, war nicht möglich. Und so haben vermutlich so viele Menschen wie noch nie, genutzt und genossen, was immer für uns da ist: die schöne Kulturlandschaft „vor der Haustür“. Die einen haben sie wieder oder neu entdeckt. Die anderen, die sich schon „vor Corona“ regelmäßig an ihr erfreuten, haben vielleicht innerlich gestöhnt, weil plötzlich so viele Menschen draußen unterwegs waren. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger…

Bewegung an der frischen Luft - ganz ohne Eintrittsgebühr und Monatsbeitrag. In unserem schönen Ennepe-Ruhr-Kreis ist zum Glück viel Platz. Man kann auch in diesen Zeiten Spaziergänge und Wanderungen etwas abseits unternehmen, ohne vielen Menschen zu begegnen.

 

Ich spreche übrigens von Kulturlandschaft oder „Natur“ in Anführungszeichen, weil die Landschaft vom Menschen, fast überall in Deutschland, stark verändert worden ist. Ohne uns würde, bis auf ein paar Extremstandorte, wie Moore oder Hochgebirge, Wald wachsen. Und auch dieser würde anders aussehen, als der Wald, den wir kennen und der vor allem der Holzgewinnung dient. Dennoch ist diese „Natur“ auch wertvoll. Nicht nur für die unzähligen Organsimen - Kleinstlebewesen, Pflanzen, Pilze, Tiere - die darin leben und die Landschaft ausmachen. Auch für uns.

 

Erholung ist eine von vielen Funktionen, die uns eine schöne Landschaft quasi nebenbei spendiert. Und um auf oben erwähnten Eintritt beziehungsweise Monatsbeitrag zurückzukommen: Wie viel würden Sie geben, wenn Sie für einen Spaziergang im Wald, eine Radtour entlang der Ruhr, ein Mittagsschläfchen auf der sonnigen Wiese „Eintritt“ bezahlen müssten? Sie finden, das ist eine merkwürdige, vielleicht sogar absurde Frage? Aber warum eigentlich? Natur und Landschaft haben doch unbestreitbar einen Wert für uns. Nicht nur für unsere Erholung.

 

Nehmen wir das Beispiel Wald: er filtert Staubpartikel aus der Luft, er ist Kohlenstoffspeicher und Sauerstoffproduzent. Er mildert Wind ab und schützt vor Erosion. Er nimmt Wasser langsam auf und kann so vor Überschwemmungen schützen. Er kann Schnee- und Erdlawinen aufhalten oder abmildern. Er ist Lebensraum für unzähligen Organismen und Rohstofflieferant. Der Liste lässt sich noch vieles hinzufügen. Und ja, er bietet uns Erholung. Viele Studien haben die gesundheitsfördernde Wirkung vom Aufenthalt in der „Natur“ nachgewiesen. Der Wald fördert also unsere Gesundheit und spart der Allgemeinheit Kosten im Gesundheitssystem.

 

All das, von der Luftreinhaltung bis zur Erholungsfunktion, sind sogenannte Ökosystemdienstleitungen. Ihren Geldwert kann man tatsächlich berechnen - und damit in der Summe den Wert eines Ökosystems wie den Wald. Die Berechnung ist nicht ganz einfach, es gibt viele Variablen, wie zum Beispiel die Größe des Ökosystems, das Alter und die Zusammensetzung der Arten, den Untergrund, die Umgebung und vieles mehr, und es ergibt natürlich einen Schätzwert. Aber es ist möglich.

Der materielle Wert eines bestimmten Ökosystems ergibt sich letztlich aus den Kosten, die die Allgemeinheit für dieselben Leistungen (zum Beispiel Luftreinhaltung, Erosions- und Hochwasserschutz, erhöhte Gesundheitskosten usw.) aufbringen müsste, wenn dieses Ökosystem nicht da wäre.

 

Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass der materielle Wert aller Leistungen, die Ökosysteme weltweit erbringen, um ein Vielfaches höher ist, als das weltweite Bruttosozialprodukt, also die Summe aller vom Menschen hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen. 

Wir wären daher gar nicht in der Lage, alle diese Dienstleistungen der Ökosysteme zu ersetzen. Daher liegt ein respektvoller Umgang mit der Natur in unserem ureigenen Interesse. Umso mehr, als es der „Natur“ in Deutschland nicht besonders gut geht, so der neueste Bericht des Bundesumweltministeriums.

 

Sicherlich muss man nicht immer alles in Geld bemessen, schon gar nicht im privaten Bereich. Ein Wert kann auch immateriell wahrgenommen werden. Und auch in diesem Sinne kann man sich beim nächsten Spaziergang einmal die Frage im weitesten Sinne stellen: Was ist mir das wert, was bedeutet das für mich, dass ich das erleben kann?

Ich wünsche Ihnen viel Freude und bleiben Sie gesund! Ihre Britta Kunz

 

 

Mai 2020 - Keine Angst vor Fledermäusen!

Fledermäuse waren lange Zeit „in“. Vorbei die Jahre, in denen ihnen der hierzulande völlig falsche Ruf des gruseligen Blutsaugers nachhing. Sogar kleine Kinder wissen heute, dass unsere heimischen Fledermäuse nur Insekten fressen. Viele Menschen freuen sich beim Anblick der Nachtschwärmer im Garten, nicht nur, weil sie jede Menge Stechmücken vertilgen.

 

Ich fürchte aber, dass das positive Image unserer Fledermäuse, das sich in den letzten Jahren zu Recht durchgesetzt hat, jetzt wieder ins Gegenteil kippen könnte und die Tiere generell in Verruf geraten. Die Gründe sind wieder: Unwissenheit und Angst.

 

Denn einige asiatische Fledermäuse stehen in Verdacht das Virus, das jetzt bei Menschen die Covid-19-Erkrankung auslösen kann, in sich zu tragen – oder zumindest eine Vorstufe davon. So ganz genau ist es noch nicht geklärt. Klar scheint bislang nur, dass ein eng verwandtes Virus bei einigen Fledermäusen in Asien nachgewiesen wurde. Ob und wie es auf den Menschen übertragen wurde und ob weitere Tierarten zwischengeschaltet waren, ist noch nicht geklärt. Auch nicht, wo und wann es sich dann zu der für Menschen gefährlichen Variante entwickelte.

 

Das wird manche Menschen aber vermutlich nicht davon abhalten, alle Fledermäuse, egal wo sie leben und um welche Arten es sich handelt, unter Generalverdacht zu stellen. Und schlimmer: den Tieren nachzustellen, sie zu vertreiben und ihre Quartiere zu vernichten oder die Fledermäuse gar zu töten.

Dies ist aber nicht nur durch unser Bundesnaturschutzgesetz verboten, sondern es würde völlig Unschuldige treffen!

Nach Aussage des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung spielen unsere heimischen Fledermäuse überhaupt keine Rolle bei der Corona-Pandemie, da sie dieses Virus gar nicht in sich tragen. Man kann sich durch unsere heimischen Fledermäuse also nicht mit Covid-19 anstecken.

 

Fledermäuse können aber vielleicht dabei helfen, diese und andere Krankheiten in Zukunft zu besiegen. Denn Fledermäuse haben ein sehr effektives Immunsystem. Wenn man versteht, wie es den Tieren gelingt, sich so gut gegen Krankheitserreger zur verteidigen, kann dies auch für unsere weitere medizinische Forschung nützlich sein.


Darum: Haben Sie keine Angst vor unseren Fledermäusen!

Im Gegenteil. Fledermäuse brauchen nach wie vor unsere Hilfe.

 

Jede Nacht verspeist eine aktive Fledermaus bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Zwar sind Fledermäuse echte Leichtgewichte, aber im Laufe eines Sommers kommt so, je nach Art, rund ein Kilogramm Insekten zusammen. Stechmücken alleine reichen dafür nicht aus. Nachtfalter sind beliebte Fledermaus-Delikatessen. Aber auch sie sind in den letzten Jahren, wie so viele Insekten-Arten, weniger geworden. Durch viele lobenswerte Initiativen entstehen zwar wieder vermehrt Blühstreifen entlang von Feldern, Wegen, Straßen und Blumenwiesen in manchem Garten. Ausgesät werden aber meist Pflanzenmischungen für Wildbienen. Nahrungsquellen für Nachtfalter sind dann nicht immer oder nur sehr wenige dabei. Nachtfalter brauchen nämlich Pflanzen, die ihre Blüten in der Nacht geöffnet haben.

 

Wer also etwas für die heimischen Fledermäuse tun will, kann eine Blütenmischung speziell für diese Insekten einsäen. Und dann vielleicht sogar die Fledermäuse bei der Jagd beobachten.

 

Übrigens: sollten Sie ein Fledermaus-Quartier bei sich am Haus oder im Garten haben, können Sie sich gerne bei uns melden. Auch, wenn Sie sich durch die Tiere gestört fühlen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer Lösung. Wir beraten Sie ebenso gerne, wenn Sie etwas für Fledermäuse in ihrem Umfeld tun möchten, wie zum Beispiel neue Quartiere zu schaffen.

 

Bleiben Sie gesund. Ihre Britta Kunz

 

 

April 2020 - Wildtiere in Wald und Feld lassen!

Jetzt ist die Zeit, in der die meisten Wildtiere ihre ersten Jungen zur Welt bringen. Auf die Kleinen lauern aber viele Gefahren. Eine davon ist leider der Mensch. Oft aus Unkenntnis oder falsch verstandener Tierliebe. So werden im Frühjahr immer wieder junge und vermeintlich hilflose Hasen, Rehkitze oder Vögel von Menschen aufgenommen und in die Tierarztpraxen oder die Biologische Station gebracht.

Abgesehen davon, dass schon menschlicher Kontakt und Transport einen enormen Stress für jedes Wildtier bedeuten: kein Mensch kann ein Wildtierjunges so gut versorgen und ihm beibringen, was es zum Überleben braucht, wie die tierischen Eltern. Denn selbst wenn wir, oder die Tierärzte, es mit viel Aufwand in die erfahrenen Hände ehrenamtlicher Pfleger vermitteln können, ein Wildtier von Hand aufzuziehen ist leider allzu oft nicht erfolgreich.

Daher ist es auch aus gutem Grund gesetzlich verboten, Wildtiere aus der Natur zu entnehmen. Einzige Ausnahme: wenn unmittelbare Lebensgefahr für das Tier besteht und es nur durch menschliche Hilfe überleben kann.

Deshalb mein ganz dringender Appell: bitte lassen Sie unverletzte Wildtiere in Wald und Flur, auch wenn sie Ihnen hilflos und verlassen erscheinen.

 

Junghasen und Rehkitze werden von der Mutter abgelegt und die meiste Zeit alleine gelassen. Die Mutter kommt nur ein bis zweimal am Tag vorbei, um das Jungtier zu säugen. Das ist vollkommen normal und hat sich bewährt. Die Jungen sind noch zu klein, um der Mutter zu folgen. Wäre sie die ganze Zeit bei dem Jungen, würden hungrige Räuber viel eher darauf aufmerksam, als wenn es irgendwo alleine in der Wiese liegt. Dass die Jungtiere bei Annäherung nicht weglaufen, ist auch ganz normal und bedeutet nicht, dass sie menschliche Hilfe brauchen. Da sie vor einem Fressfeind nicht schnell genug weglaufen können vertrauen sie auf ihre Tarnung und bleiben bewegungslos. Wichtig: fassen Sie Säugetierjunge nicht an, denn dann werden sie von der Mutter nicht mehr angenommen.


Auch viele Jungvögel verlassen das Nest frühzeitig und sitzen bettelnd am Boden oder in einem Strauch. Sie werden in der Regel aber weiterhin von den Eltern gefüttert. Diese trauen sich allerdings oft deshalb nicht an ihr Junges heran, weil ein Mensch es aus der Nähe beobachtet. Daher bitte großen Abstand halten. Gegebenenfalls können Sie den Jungvogel vor Katzen in Sicherheit bringen und auf einen Ast in unmittelbarer Nähe setzen. Sollte ein Jungvogel wirklich aus dem Nest gefallen sein, können Sie ihn auch wieder hineinsetzen. Wissenswertes zum Umgang mit Jungvögeln sowie die Broschüre „Aus dem Nest gefallen – was tun mit Jungvögeln?“ finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (www.lanuv.nrw.de). Sollten Sie wirklich einmal ein verletztes Wildtier finden, helfen Ihnen vielleicht die Informationen auf unserer  Internetseite weiter (www.biologische-station.de unter ‚Weitere Informationen‘).


Natürlich sind auch unverletzte Jungtiere leichte Beute und willkommene Nahrung für tierische Räuber. Auch ein Fuchs oder ein Greifvogel will seinen Nachwuchs großziehen. Es mag uns Menschen sehr grausam vorkommen, aber die Natur hat bei vielen Arten hohe Verluste „eingeplant“. Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: von jedem Meisen-Pärchen im Garten und überall sonst, würden in einem Jahr alle Jungen überleben. Ein Meisen-Paar kann in guten Jahren bis zu dreimal brüten und dann insgesamt so um die fünfzehn Jungen großziehen. Wenn es drei Jahre lebt und brütet, wären das also 45 Nachkommen pro Meisen-Paar. Wenn die Nachkommen alle überleben und ihrerseits wieder mit einem Partner brüten und von jedem Paar dann wieder 45 Nachkommen überleben…dann sehen Sie bald Ihren eigenen Garten vor lauter Meisen nicht mehr. Gut, hier wird vermutlich bald die Anzahl der Nistmöglichkeiten dem Ganzen ein Ende setzen, aber vielleicht sehen Sie, worauf ich hinaus will. Letztlich muss, um den Bestand stabil zu halten, jedes tierische Elternpaar in seinem Leben nur zwei Junge erfolgreich großziehen, die ihrerseits wieder zwei Junge großziehen.


Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man nichts für die Wildtiere tun soll, im Gegenteil. Versteck- und Nistmöglichkeiten anbieten, sein Grundstück so einrichten, dass heimische Tiere dort Nahrung und einen Lebensraum finden, ist wunderbar. Auch Tieren, die wirklich in Not sind, helfen. Aber bitte keine unverletzten Jungtiere den tierischen Eltern entreißen. In diesem Fall ist weniger deutlich mehr.

Die Tiere werden es Ihnen danken. Und ich danke Ihnen auch.

Ihre Britta Kunz

 

 

März 2020 - Dohlen - lautstarke Akrobaten der Lüfte

Als ich kürzlich in der Abenddämmerung unterwegs war, vernahm ich hoch über meinem Kopf ein lautes, vielstimmiges und, wie ich finde, fröhlich klingendes „jack-jack“ einer größeren Gruppe Dohlen. Die Vögel sammelten sich, um gemeinsam ihren Schlafplatz aufzusuchen, was offensichtlich nicht ohne ausgiebige Diskussion möglich ist. Ihre markanten Rufe haben sogar Eingang in ihren englischen Namen gefunden, dort werden diese Rabenvögel ‚Jackdaw‘ genannt. Allerdings verfügen die Vögel noch über eine ganze Reihe anderer Lautäußerungen. Sie sind auch dafür bekannt, dass sie Geräusche gut imitieren und damit Tiere – und auch uns Menschen – zum Narren halten können.

 

Vom den melodischen Gesang vieler anderer Singvögel ist das aber weit entfernt. Trotzdem gehören Dohlen, wie alle Rabenvögel, wissenschaftlich in die Kategorie der Singvögel.

Wegen ihres schwarzen Gefieders und des grauen Hinterkopfes, der wie eine Kapuze aussieht, werden Dohlen in manchen Gegenden auch ‚Mönchlein‘ genannt. Im Sonnenlicht betrachtet, sind Dohlen aber gar keine schwarzen Gesellen. Ihr Gefieder schimmert dann blau-grünlich. Auffallend ist auch die hellgraue, bei Jungvögeln blaue Iris, die den Tieren einen faszinierenden „Silberblick“ verleiht.


Bei uns ist die Dohle ein echter Kulturfolger. Das heißt, sie ist uns in die Siedlungen gefolgt und nutzt dort das Angebot an Nistmöglichkeiten, die ihr unsere Bauwerke bieten. Man könnte sie, natürlich mit einem Augenzwinkern, sogar als regelmäßige Kirchgängerin bezeichnen, da sie häufig in Spalten und Nischen von Kirchtürmen brütet.

Große Bauwerke bieten den Vorteil, dass dort mehrere Dohlen-Paare gleichzeitig Unterschlupf finden. Das gefällt den Vögeln. Denn eine Brut-Kolonie bietet Schutz. Von vielen aufmerksamen Brutpaaren wird eine hungriger Greifvogel nicht nur schneller bemerkt, als von einem Brut-Paar alleine. Auch die gemeinsame Verteidigung ist erfolgsversprechender.

Allerdings werden immer mehr Gebäudenischen durch Gitter oder bei Baumaßnahmen verschlossen. Gute Kolonieplätze sind daher in manchen Gegenden schon rar geworden.

 

Und mit einem Nistplatz alleine ist es auch nicht getan. Als ursprüngliche Steppenbewohner suchen Dohlen noch immer am liebsten am Boden nach Essbarem. Wählerisch sind sie nicht, sie nehmen fast alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Für die Aufzucht der Jungen aber liefern nur Insekten das notwendige Protein. Insektenreiches Grünland sollte daher möglichst nicht weiter als 500 Meter Luftlinie entfernt sein.


Wenn viele auf engem Raum zusammen leben, ist das nicht immer einfach. Das gilt für Menschen genauso, wie für manche Tiere. Regeln können hier wie da helfen, miteinander klar zu kommen. So wundert es nicht, dass Dohlen ein ausgeprägtes Sozialverhalten haben. Dafür müssen sich die Tiere untereinander individuell erkennen können. Und mehr noch: da Dohlen eine Rangordnung haben, müssen sie auch immer wissen, wer wo in der Rangordnung steht. Interessanterweise wird nicht die stärkste Dohle „Chef“, sondern die Erfahrenste.

Weibchen können in der Rangordnung aufsteigen, wenn sie ein ranghöheres Männchen „heiraten“. „Verlobt“ wird sich schon im ersten Lebensjahr, und die Bindung hält ein Leben lang. Was immerhin über zehn Jahre sein kann. Bei der Aufzucht der Jungen sind Dohlen, wie die anderen Rabenvögel auch, alles andere als „Rabeneltern“. Der Begriff, der für schlechte Eltern steht, kommt vermutlich daher, dass junge Rabenvögel oft früh das Nest verlassen und dann unbeholfen und aufgegeben wirken. Tatsächlich werden sie aber von den Eltern weiterhin umsorgt, bewacht und verteidigt.


Das Faszinierendste an Dohlen ist vielleicht ihre Intelligenz. Auch wenn ich mich mit der Anwendung diese Begriffs auf Tiere schwer tue, denn jedes Tier ist schließlich so „intelligent“, wie es seine Umwelt und Lebensweise erfordert. Aber in vielen Versuchen haben Dohlen bewiesen, dass sie nicht nur neugierig, sondern auch lernfähig sind, Zusammenhänge erkennen und Probleme lösen können. Und sie können sogar bis Sieben „zählen“.

Darüber hinaus sind sie tollkühne Flugkünstler, denen es Spaß zu machen scheint, durch die Luft wirbeln. Wenn Sie also ein munteres „jack-jack“ über sich hören, bleiben Sie doch einmal einen Augenblick stehen, schauen in den Himmel und staunen über die munteren Luftakrobaten.

Viel Spaß dabei, wünscht Ihnen

Ihre Britta Kunz