Monats-Kolumne

März 2020

 

Dohlen - lautstarke Akrobaten der Lüfte


Als ich kürzlich in der Abenddämmerung unterwegs war, vernahm ich hoch über meinem Kopf ein lautes, vielstimmiges und, wie ich finde, fröhlich klingendes „jack-jack“ einer größeren Gruppe Dohlen. Die Vögel sammelten sich, um gemeinsam ihren Schlafplatz aufzusuchen, was offensichtlich nicht ohne ausgiebige Diskussion möglich ist. Ihre markanten Rufe haben sogar Eingang in ihren englischen Namen gefunden, dort werden diese Rabenvögel ‚Jackdaw‘ genannt. Allerdings verfügen die Vögel noch über eine ganze Reihe anderer Lautäußerungen. Sie sind auch dafür bekannt, dass sie Geräusche gut imitieren und damit Tiere – und auch uns Menschen – zum Narren halten können.

 

Vom den melodischen Gesang vieler anderer Singvögel ist das aber weit entfernt. Trotzdem gehören Dohlen, wie alle Rabenvögel, wissenschaftlich in die Kategorie der Singvögel.

Wegen ihres schwarzen Gefieders und des grauen Hinterkopfes, der wie eine Kapuze aussieht, werden Dohlen in manchen Gegenden auch ‚Mönchlein‘ genannt. Im Sonnenlicht betrachtet, sind Dohlen aber gar keine schwarzen Gesellen. Ihr Gefieder schimmert dann blau-grünlich. Auffallend ist auch die hellgraue, bei Jungvögeln blaue Iris, die den Tieren einen faszinierenden „Silberblick“ verleiht.


Bei uns ist die Dohle ein echter Kulturfolger. Das heißt, sie ist uns in die Siedlungen gefolgt und nutzt dort das Angebot an Nistmöglichkeiten, die ihr unsere Bauwerke bieten. Man könnte sie, natürlich mit einem Augenzwinkern, sogar als regelmäßige Kirchgängerin bezeichnen, da sie häufig in Spalten und Nischen von Kirchtürmen brütet.

Große Bauwerke bieten den Vorteil, dass dort mehrere Dohlen-Paare gleichzeitig Unterschlupf finden. Das gefällt den Vögeln. Denn eine Brut-Kolonie bietet Schutz. Von vielen aufmerksamen Brutpaaren wird eine hungriger Greifvogel nicht nur schneller bemerkt, als von einem Brut-Paar alleine. Auch die gemeinsame Verteidigung ist erfolgsversprechender.

Allerdings werden immer mehr Gebäudenischen durch Gitter oder bei Baumaßnahmen verschlossen. Gute Kolonieplätze sind daher in manchen Gegenden schon rar geworden.

 

Und mit einem Nistplatz alleine ist es auch nicht getan. Als ursprüngliche Steppenbewohner suchen Dohlen noch immer am liebsten am Boden nach Essbarem. Wählerisch sind sie nicht, sie nehmen fast alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Für die Aufzucht der Jungen aber liefern nur Insekten das notwendige Protein. Insektenreiches Grünland sollte daher möglichst nicht weiter als 500 Meter Luftlinie entfernt sein.


Wenn viele auf engem Raum zusammen leben, ist das nicht immer einfach. Das gilt für Menschen genauso, wie für manche Tiere. Regeln können hier wie da helfen, miteinander klar zu kommen. So wundert es nicht, dass Dohlen ein ausgeprägtes Sozialverhalten haben. Dafür müssen sich die Tiere untereinander individuell erkennen können. Und mehr noch: da Dohlen eine Rangordnung haben, müssen sie auch immer wissen, wer wo in der Rangordnung steht. Interessanterweise wird nicht die stärkste Dohle „Chef“, sondern die Erfahrenste.

Weibchen können in der Rangordnung aufsteigen, wenn sie ein ranghöheres Männchen „heiraten“. „Verlobt“ wird sich schon im ersten Lebensjahr, und die Bindung hält ein Leben lang. Was immerhin über zehn Jahre sein kann. Bei der Aufzucht der Jungen sind Dohlen, wie die anderen Rabenvögel auch, alles andere als „Rabeneltern“. Der Begriff, der für schlechte Eltern steht, kommt vermutlich daher, dass junge Rabenvögel oft früh das Nest verlassen und dann unbeholfen und aufgegeben wirken. Tatsächlich werden sie aber von den Eltern weiterhin umsorgt, bewacht und verteidigt.


Das Faszinierendste an Dohlen ist vielleicht ihre Intelligenz. Auch wenn ich mich mit der Anwendung diese Begriffs auf Tiere schwer tue, denn jedes Tier ist schließlich so „intelligent“, wie es seine Umwelt und Lebensweise erfordert. Aber in vielen Versuchen haben Dohlen bewiesen, dass sie nicht nur neugierig, sondern auch lernfähig sind, Zusammenhänge erkennen und Probleme lösen können. Und sie können sogar bis Sieben „zählen“.

Darüber hinaus sind sie tollkühne Flugkünstler, denen es Spaß zu machen scheint, durch die Luft wirbeln. Wenn Sie also ein munteres „jack-jack“ über sich hören, bleiben Sie doch einmal einen Augenblick stehen, schauen in den Himmel und staunen über die munteren Luftakrobaten. Viel Spaß dabei, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz