Monats-Kolumne

Mai 2024 - Hecken - Lebensraum mit vielen wichtigen Funktionen

Wer durch die Felder streift, wird vielleicht irgendwann auf eine Hecke stoßen. Durch den zurzeit blühenden Weißdorn, manchmal auch durch die weißen Blüten des Schwarzen Holunder sind sie jetzt besonders auffällig.

Angelegt wurden die ersten Hecken schon in vorchristlicher Zeit. Damals dienten sie als eine Art natürlicher Mauern, die feindlichen Heeren ein Eindringen in das jeweilige Gebiet erschweren sollten. Dazu nutze man gerne dornige Sträucher, die das Durchqueren besonders unangenehm machten. Auch im Mittelalter dienten Hecken noch der Grenzbefestigung, aber auch als Umzäunung von Feldern und Viehweiden.

Das Wort Hecke hat seinen Ursprung übrigens im althochdeutschen Hegga, was für umzäunen, einhegen steht. Davon abgleitet sind Bestandteile von Ortsnamen wie Hag und Hagen. Unsere Nachbarstadt müsste also aus einem ehemals von Hecken umgebenen Gelände hervorgegangen sein.

 

Viehfutter, Windschutz und Lebensraum

Die „lebenden Umzäunungen“ wurden früher regelmäßig geschnitten, um als Viehfutter oder Brennholz zu dienen. Ein weiterer positiver Effekt, der schon früh bekannt war: Hecken bremsen den Wind und schützen dadurch den Boden vor Erosion und Verdunstung.

Heute wissen wir außerdem, dass Hecken wichtige Lebensräume für viele Tierarten in der Agrarlandschaft sind. Rehe, Füchse, Feldhasen, Igel, Kröten und Eidechsen finden dort Deckung. Auch Kleinsäuger, wie die gefährdete Haselmaus, suchen in Hecken Schutz und Nahrung. Viele Vogelarten, etwa die Goldammer oder der Bluthänfling nutzen Hecken als Brutplatz.

 

Reichhaltige Nahrung für Tier und Mensch

Besteht eine Hecke sowohl aus frühblühenden Gehölzen, wie Salweide und Hasel als auch aus spätblühenden, wie Wildrose und Brombeere, so bietet sie vom Frühjahr bis in den Herbst hinein Nahrung für Wildbienen und viele andere Insekten. Diese sind wiederum Nahrung für verschiedene Vogelarten, wie den Neuntöter. Er betreibt sogar Vorratshaltung und spießt gefangene Insekten zum späteren Verzehr für einige Zeit auf die Dornen von Schlehe oder Weißdorn auf.

Viele Vögel nutzen aber auch das reichhaltige Fruchtangebot, das solche Hecken im Laufe des Jahres bieten. Auch den menschlichen Speiseplan können Holunder, Hagebutte und Co bereichern, etwa wenn sie zu Saft, Likör oder Marmelade  verarbeitet werden.

 

Verbindende Leitlinien

Hecken strukturieren aber auch eine Landschaft und geben Orientierung, nicht nur für das menschliche Auge. Einige Vogel- und Fledermausarten nutzen Hecken als Leitlinien zum Beispiel beim Flug von den Schlafplätzen zu den Nahrungshabitaten und umgekehrt. Tiere, die offenes Gelände meiden, weil sie dort leichte Beute für Fressfeinde sind, können im Schutz von Hecken Lebensräume erreichen, die ihnen sonst nicht zur Verfügung stünden. Hecken sorgen somit dafür, dass Lebensräume miteinander vernetzt werden.

 

Breit und divers soll sie sein!
Die aus ökologischer Sicht besten Hecken bestehen aus vielen verschiedenen Gehölzarten, sind mehrreihig und breit. Die Mittellinie bilden große Sträucher und einzelnen Bäume, wie etwa Frühblühende Traubenkirsche, Salweide, Feldahorn oder Eberesche. Beidseits der Mittellinie schließen sich etwas niedrigere Gehölze an, je nach Standort zum Beispiel Weißdorn, Schlehe, Holunder oder Hasel.

An diese grenzt ein sogenannter Saum aus Kräutern und Gräsern.

 

Rückschnitt ist notwendig!

Damit der Strauchwuchs erhalten bleibt und nicht irgendwann fast alle Gehölze zu Bäumen heranwachsen, müssen Hecken in mehrjährigen Abständen im Winter zurückgeschnitten, das heißt „auf den Stock gesetzt“ werden. Das geschieht abschnittweise, sodass nicht der gesamte Lebensraum kurzfristig verloren geht.

Der Saum wird ebenfalls nur alle paar Jahre und nur im Winter gemäht, damit sich die darin wachsenden Kräuter vermehren können und der Heckenboden vor dem Austrocknen geschützt bleibt. Hecken bedeuten also auch Arbeit.

Da sie als wichtige Lebensräume in unserer Kulturlandschaft erhalten bleiben sollen, kann man sich aber ihre regelmäßige Pflege finanziell fördern lassen.

 

Leider sind viele der alten und artenreichen Hecken noch bis in die 1980iger Jahre der Flurbereinigung zum Opfer gefallen.

Sollten Sie wissen, wo es im Kreisgebiet noch solch vielfältige Hecken gibt, wären wird für einen Hinweis dankbar.

Einen blütenreichen Mai wünscht Ihnen

Ihre Britta Kunz

 

April 2024 - "Goldene" Liebeserklärung

Der Frühling ist da und das morgendliche Vogelkonzert wird immer vielstimmiger. Bestimmt ist Ihnen auch aufgefallen, dass alle paar Tage ein neuer Gesang hinzukommt.

Kohlmeisen, Rotkehlchen und Amseln, die bei uns überwintern, starten schon früh im Jahr mit ihrem Gesang. Nach und nach gesellen sich dann die ersten „Heimkehrer“ zu den „Hiergebliebenen“ hinzu.

Vor einigen Tagen habe ich den ersten, aus dem Überwinterungsgebiet zurückgekehrten Zilpzalp gehört. Sie wundern sich über den etwas zungenbrechenden Namen Der Vogel hat ihn sich sozusagen selbst gegeben. „Zilp-zalp-zilp-zalp“ ruft er uns entgegen und macht es uns damit sehr leicht, ihn zu identifizieren, auch wenn er manchmal ins „stottern“ gerät und daraus eher ein zilp-zilp-zalp-zalp wird.

Andere Vogelgesänge sind schwieriger zuzuordnen. Für manche Arten gibt es, oft etwas albern klingende, aber durchaus hilfreiche Merksprüche, die den Gesang mit Wörtern nachzuahmen versuchen.

 

Gesungene Liebeserklärung

Wer jetzt an sonnigen Tagen durch eine heckenreiche Landschaft, an strauchbestandenen Böschungen oder an einem von Sträuchern gesäumten Waldrand spazieren geht, hört vielleicht eine kleine gesungene Liebeserklärung. „Wie wie wie wie hab ich dich liiieb!“ trällert uns das sperlingsgroße Goldammer-Männchen entgegen. Da Goldammern zu den Vogel-Arten gehören, die zum Teil bei uns überwintern, hört man erste Gesangsansätze der Männchen manchmal bereits im Februar.

 

Zitronengelbes Balzkleid

In dieser Zeit sind sie noch, wie die Weibchen das ganze Jahr über, recht unscheinbar braun und blass-gelblich gefärbt. Jetzt aber, während der Balz, leuchten Kopf und Bauch der Männchen im satten Gelb. Sie sind dann kaum zu übersehen, wenn sie uns ihr kleines „Liebeslied“ von exponierten Zweigen aus entgegenschmettern. Ihr dann so markantes Aussehen gibt auch der wissenschaftliche Name Emberiza citrinella wieder, ‚citrinella‘ bedeutet ‚zitronengelb‘.

 

Kurzer Gesang voller Variationen

Der kurze Gesang der Goldammer mag uns recht einfach erscheinen, tatsächlich ist er aber, vor allem in den Anfangstönen, voller kleiner Variationen.

Manche Individuen singen eher kratzend, andere glockengleich und auch Tonhöhe, Lautstärke und die Pausen zwischen den Tönen variieren.

Aber auch einzelne Individuen verfügen über bis zu vier verschiedene Gesangsvariationen.

 

Goldammern singen "Dialekt"

Und dann ist da noch das Ende der kurzen Strophe. Hier liegen die Gesangsunterschiede nicht zwischen den Individuen, sondern zwischen den geografischen Regionen. Vereinfacht gesagt wird das Ende der Strophe von allen Männchen am selben Ort gleich gesungen, Männchen an einem anderen Ort singen es jedoch etwas anders. Diese Unterschiede am Ende der Strophe werden nicht vererbt, sondern die Jungvögel lernen den ortsüblichen Gesang. Goldammer-Männchen singen also einen ortseigenen Dialekt.

 

Ohren auf bei der Partnerwahl

Die kleinen Unterschiede sind für unsere Ohren nur schwer herauszuhören, Goldammern können sie aber durchaus unterscheiden. So bevorzugen Goldammer-Weibchen bei der Partnerwahl Männchen, die ihren heimischen Dialekt singen.

Zeigt sich ein Weibchen vom „Liebeslied“ des Männchens beeindruckt, bekommt es vom auserwählten Paarungspartner manchmal einen Grashalm geschenkt. Ob dieser als „Erstausstattung“ für das Nest gedacht ist? Mehr trägt das Männchen dann jedoch nicht zum Nestbau bei, weitere Grashalme und Blätter muss das Weibchen alleine sammeln und verbauen. Das Nest legt die Goldammer-Dame an niedriger Stelle in Sträuchern oder geschützt am Boden an. Damit sind Eier und Jungen allerdings besonders stark gefährdet, da auch Nesträuber an sie herankommen, die nicht gut klettern können.

 

Typischer Kulturfolger unter Druck

Die Goldammer gilt als typischer Vogel der Kulturlandschaft, das heißt, dass sie von den erst durch uns Menschen geschaffenen offenen und halboffenen Lebensräumen profitiert. Andererseits sind artenreiche Hecken nicht mehr allzu häufig anzutreffen und vor allem intakte Waldränder, mit gut ausgeprägten Sträuchern, sind im Ennepe-Ruhr-Kreis sehr selten geworden. Gut, dass bei vielen Wiederaufforstungsmaßnahmen jetzt intakte Waldränder mit angelegt werden.

 

Goldammergesang (unter Anleitung) lauschen

Wer dem Liebeslied der Goldammer und anderen Vogelstimmen lauschen möchte, der ist herzlich zum vogelkundlichen Morgenspaziergang im Naturschutzgebiet Tannenbaum in Schwelm am 27. April eingeladen. Weitere Informationen, auch zur Anmeldung, finden Sie auf www.biologische-station.de unter ‚Aktuelles‘.

Und falls Sie sich in eine Variation des kleinen Goldammer-Liebesliedes einhören möchten, können Sie zu einem echten Klassiker greifen: der Anfang von Beethovens fünfter Symphonie soll vom Gesang des kleinen zitronengelben Vogels beeinflusst worden sein.

 

In diesem Sinne: Ohren auf im April!

Ihre Britta Kunz

März 2024 - Pflanz-eine-Blume-Tag

Weltweit gibt es eine Vielzahl durchaus kurioser Gedenktage. Wer sie ins Leben gerufen hat und aus welchem Grund erschließt sich nicht immer. Unter den skurrilen Beispielen im März findet man einen Feiertag für Frühstücksflocken genauso wie für Ohrenschützer, Schluckauf oder Regenschirme, die man „drinnen öffnen soll“. Charmant finde ich allerdings den ‚Pflanz-eine-Blume‘-Tag, der jedes Jahr am zwölften März stattfindet.

Die Idee kommt aus den USA. Warum genau dieses Datum gewählt wurde, scheint unklar, aber es fällt immerhin mit dem nahenden Frühlingsbeginn und damit der steigenden Gartenaktivität zusammen. Der Tag soll sozusagen den „Startschuss“ für die Gartensaison geben.

 

Zeit für Märzenbecher und Co

Schneeglöckchen und Krokusse haben allerdings, in diesem viel zu warmen Februar, bei uns bereits ihre Blütenköpfe enthüllt und werden bis Mitte März an den meisten Plätzen wieder verblüht sein.  Aber Hyazinthen, Märzenbecher, Tulpen und Narzissen sollten nun ihre Blüten entfalten. Wer versäumt hat, ihre Zwiebeln im Herbst auszubringen, kann auf die blühenden Pflanzen, die es jetzt in Töpfen zu kaufen gibt, zurückgreifen und diese auf den Balkon oder in den Garten setzen.

 

Ungefüllte Blüten bieten Insekten Nahrung

Wählen Sie stets Sorten, die keine gefüllten Blüten haben. In gefüllten Blüten, also in solchen, die unzählige bunte Blütenblätter dicht an dicht aufweisen, finden Insekten den Weg zu Pollen oder Nektar nicht oder nur schwer und verlieren beim Krabbeln zwischen den vielen Blütenblättern sehr viel Energie. Dabei ist es gerade jetzt, wenn Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge hungrig aus der Winterstarre kommen, besonders wichtig, dass sie rasch stärkende Nahrung finden.

 

Insekten"konzerte"

Als ich kürzlich an einem der wärmeren Tage in einer Baumschule unterwegs war, summte und brummte ein richtiges „Insektenkonzert“ um die dort zum Verkauf angebotenen Primeln. Wer im März Primeln pflanzt, hat also nicht nur einen schönen bunten Blickfang am Haus, sondern bietet den ersten fliegenden Insekten gleichzeitig Futter an. Alternativ oder ergänzend können Sie auch Hornveilchen pflanzen. Diese sind ebenfalls in vielen Farbvarianten zu haben. Hornveilchen haben zwar kleinere Blüten als die ähnlichen Stiefmütterchen, gelten aber im allgemeinen als frostunempfindlicher und bieten mehr Nektar.

 

Heimische Frühblüher als Alternative
Eine Bereicherung für das frühe Nahrungsangebot unserer Insekten und für die Optik im Garten sind aber auch unsere heimischen Frühblüher, wie wir sie jetzt in den Wäldern in der Region sehen können. Dazu gehören das Scharbockskraut mit seinen eidottergelben Blüten, das zartweiße bis hellrosa Buschwindröschen, das blaue Gewöhnliche Leberblümchen und die violett-  oder weiß-blühenden Lerchensporn-Arten.

Wer einen Garten mit Laubgehölzen hat, sollte den „Wildwuchs“ dieser Pflanzen unter Bäumen und Sträuchern zulassen oder sie gezielt dort anpflanzen. Beim Pflanzen sollte man aber auf die jeweiligen Standortansprüche achten, denn das Scharbockskraut mag es gerne etwas feuchter als Buschwindröschen und Leberblümchen.

Den Arten ist jedoch gemeinsam, dass sie ihre gesamte Entwicklung, vom Austrieb ihrer Blätter und Blüten bis zur Samenbildung zügig im Frühjahr abschließen, bevor die Bäume neues Laub austreiben und damit dann das Sonnenlicht zum Boden hin abschirmen. Mit ihrem massenhaften Auftreten und der frühen Blüte verwandeln Lerchensporn und Co manchen Waldboden in einen regelrechten Blütenteppich – ein Festschmaus für eine Vielzahl hungriger Insekten. Mit einem kleinen Beitrag am ‚Pflanz-eine-Blume‘-Tag können wir die Insekten auch im Siedlungsbereich unterstützen.

 

Und egal, ob Sie sich für heimische Frühblüher oder eine Zuchtform entscheiden, ob Sie ein oder mehrere Blumen pflanzen, wichtig ist nur: lassen Sie es brummen!

Einen schönen Frühlingsanfang wünscht Ihnen

Ihre Britta Kunz

Februar 2024 - Tierspuren im Schnee

Vor wenigen Tagen konnten wir noch durch eine tief verschneite Landschaft stapfen. Jeder Schritt zeichnete sich im Schnee ab, nicht nur die unseren, sondern auch die all der anderen Waldbewohner, die sich durch den hohen Schnee wagten.

Wer offenen Auges durch die Winterlandschaft gelaufen ist, dem kann die eine oder andere „Fußspur“ eines Tieres, das sogenannten ‚Trittsiegel‘, nicht entgangen sein.

Vor allem im Schnee ist es jedoch manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, wer die Abdrücke hinterlassen hat, da sie beim Einsinken verwischen und sich nicht mehr so deutlich abzeichnen.

 

Leicht erkennbar: Trittsiegel von Rehen und Wildschweinen

Die Trittsiegel eines Rehs sind noch vergleichsweise einfach auszumachen: zwei langgezogene und nach oben zugespitzte Ballen, die an ein umgekehrtes Herz erinnern. Mit vier bis fünf Zentimeter Länge und etwa drei Zentimeter Breite sind sie deutlich kleiner als die Spuren ausgewachsener Wildschweine, die auf fast doppelt so großem Fuß leben. Außerdem laufen die beiden Ballen der Wildschweine an der Spitze nicht so spitz zusammen, die Abdrücke sehen insgesamt eher trapezförmig aus. Da Wildscheine im tiefen Schnee gerne „im Gänsemarsch“ hintereinander laufen, entsteht dann eine regelrechte Rinne, die uns zeigt, dass hier mehrere Tiere gemeinsam unterwegs waren.

 

Trittsiegel ohne und mit Krallenabdrücken

Katzen sind dagegen Einzelgänger. Ihre nur etwa drei Zentimeter kleinen und runden Trittsiegel weisen in der Regel keine Krallenabdrücke auf, da Katzen die Krallen beim Laufen einziehen. Füchse und Marderartige können dies nicht, selbst im tiefen Schnee sieht man daher meist noch den einen oder anderen Krallenabdruck. Da die Pfoten der Füchse und Mader im Winter aber als Schutz gegen die Kälte stark behaart sind, verwischen die Spuren umso mehr und eine Unterscheidung der einzelnen Arten ist nur mit viel Erfahrung möglich.

 

Kleine "Bärentatzen" und winzige Schleifspuren

Leichter sind die Trittsiegel von Dachsen mit ihren langen Krallen zu erkennen, die von der Form her stark an Bärentatzen erinnern, mit fünf bis sieben Zentimeter Länge aber natürlich viel keiner als die von Bären sind.

Im Vergleich winzig sind die paarweise nebeneinanderliegenden Pfoten-Abdrücken von Mäusen. Sie sind, bei genauerem Hinsehen, oft anhand der dazwischenliegenden Schleifspur des Schwanzes zu erkennen, die sich als eine dünne Rille im Schnee abzeichnet.

 

"Handabdrücke" der Eichhörnchen

Eichhörnchen „verraten“ sich durch kleine längliche, handförmige Abdrücke mit gespreizten Zehen: vier an den Vorderpfoten und fünf an den Hinterpfoten. Besonders die inneren Zehen sind stark abgespreizt, was den Tieren beim Klettern hilft. Alle vier Pfoten-Abdrücke liegen meist halbkreisförmig eng beisammen, die Vorderpfoten der Mitte, die Hinterpfoten rechts und links daneben oder ein wenig oberhalb.

 

Hinweise auf das Lauftempo - nicht nur beim Feldhasen

Auch wo ein Feldhase entlang gehoppelt ist, zeigen sich die Abdrücke seiner vier Pfoten eng beieinander. Die kleineren rundlichen Vorderpfoten werden eng hintereinander aufgesetzt, die Hinterpfoten landen beim Vorwärtsprung rechts und links vor den Abdrücken der Vorderpfoten. Je schneller der Hase voran hoppelt, desto größer ist der Abstand zwischen Vorder- und Hinterpfoten. Das gilt übrigens für die meisten Tiere: ihre Trittsiegel sehen anders aus, wenn sie in gemütlichem Tempo unterwegs sind, als wenn sie rennen oder gar flüchten. Die Beine werden dann oft in unterschiedlicher Abfolge und auch in anderem Abstand zueinander aufgesetzt.

 

Da der Winter noch nicht vorbei ist, bietet sich im Februar vielleicht noch einmal die Gelegenheit auf Spurensuche im Schnee zu gehen. Auch für Kinder kann man die Suche als spannende Entdeckungsreise gestalten. Detaillierte Bestimmungshilfen für die Trittsiegel heimischer Wildtiere gibt es im Internet zum Beispiel beim Deutschen Jagdverband (www.jagdverband.de).

 

Viel Spaß bei der Spurenerkundung wünscht Ihnen

Ihre Britta Kunz

 

Januar 2024 - Bekannte und Kuriose 'Natur des Jahres'

Jedes Jahr bescheren uns die Wahlen zur ‚Natur des Jahres‘, die von verschiedenen Fachinstitutionen durchgeführt werden, eine lange Liste mit bekannten und unbekanntere Arten. Auch Kurioses ist immer wieder dabei. Die Liste kann zum Beispiel auf der Internetseite des NABU, Stichwort ‚Natur des Jahres 2024‘, eingesehen werden.

Zu den bekannteren „Auserwählten“ in 2024 gehören zum Beispiel der Kiebitz als Vogel des Jahres und der Schwarze Holunder, als Wildpflanze des Jahres. Von einigen anderen Arten auf dieser Liste aber werden die meisten von uns, mich eingeschlossen, noch nie etwas gehört haben.

 

Kennen Sie etwa den Stierkäfer?

Leider werden Sie das Insekt des Jahres bei uns im Ennepe-Ruhr-Kreis vermutlich vergeblich suchen, er bevorzugt Heidelandschaften und lichte Kiefernwälder auf sandigen Böden. Außerdem ist er nachtaktiv und daher nicht so leicht zu beobachten.

Der bis zu zwei Zentimeter große, schwarze Mistkäfer erhielt seinen Namen, weil die Männchen drei „Hörner“ auf dem Rücken tragen. Das mittlere ist klein, aber die beiden seitlichen „Hörner“ können bis über den Kopf hinaus ragen und erinnern an die Hörner eines Stieres.

Er und seine Larven ernähren sich vom Dung anderer Tiere. Dadurch spielt er, wie viele andere Mistkäfer auch, eine wichtige Rolle im Ökosystem, denn er baut nicht nur die Hinterlassenschaften der Tiere ab, vergräbt sie, durchlüftet dabei den Boden und reduziert Treibhausgase. Er entzieht durch das Vergraben des Dungs auch parasitischen Würmern und Fliegen die Nahrung. Außerdem verteilt er dabei im Dung enthaltene Pflanzensamen.

 

Eine Zelle wie eine Kaffeetasse

Besonders angetan haben es mir auf der diesjährigen Liste aber die Einzeller des Jahres mit dem tollen Namen Cafeteria-Geißeltierchen.

Diese nur aus einer Zelle bestehenden Kleinstlebewesen kommen im Süß- und Salzwasser und sogar bis in achttausend Metern Tiefe vor. Erstaunlicherweise sind bislang nur elf verschiedene Arten davon bekannt.

Ihr ungewöhnlicher Name soll übrigens daher stammen, dass sich zwei Forscher beim Kaffeetrinken über die Entdeckung dieser Einzeller unterhalten haben sollen und dass eine Art tatsächlich wie eine Kaffeetasse aussieht.

Als Kleinstlebewesen stehen die Cafeteria-Geißeltierchen ziemlich weit unten in der Nahrungskette, aber nicht ganz unten. Mit ihrem langen dünnen Anhängsel, der nach vorne gerichteten Geißel, fangen sie Bakterien ein, die ihnen als Futter dienen.

 

Kiebitz bei uns auf dem Durchzug beobachten

Wer den Vogel des Jahres, den Kiebitz, bei uns im Ennepe-Ruhr-Kreis sehen will, hat vielleicht während der Zugzeit im Frühjahr auf ungestörten Bereichen der Ruhrwiesen Glück.

Leider brüten Kiebitze schon seit vielen Jahren nicht mehr bei uns. Die etwa taubengroßen, schwarz-weiß gefiederten Vögel mit den recht langen roten Beinen und den auffälligen Kopffedern, sind in NRW selten geworden. Als Bodenbrüter sind ihre Gelege besonders gefährdet, nicht nur durch Räuber, sondern zum Beispiel auch durch frühe Mahd und intensive Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft.

Vielleicht, so meine Hoffnung, kehren Brutpaare in die kürzlich renaturierten Auwiesen des Naturschutzgebietes ‚Ruhraue Witten-Gedern‘ in naher Zukunft zurück und ihr typischer „Kie-wit“- Ruf erklingt wieder regelmäßig bei uns an der Ruhr.

 

Vielseitige Wildpflanze des Jahres -der Schwarze Holunder
Um aber erstmal gut über den Winter zu kommen, kann die Wildpflanze des Jahres, der Schwarze Holunder helfen. Er ist vermutlich eine unserer vielseitigsten Wildpflanzen, Blüten und reife Beeren können in der Küche auf verschiedenste Weise verwendet werden.

Wer für den Winter vorgesorgt hat, hat vielleicht noch etwas Holundersaft im Kühlschrank, sonst kann man ihn auch kaufen. Holunder enthält viel Vitamin C und andere, die Immunabwehr unterstützende Inhaltsstoffe und der warme Saft ist eine Wohltat bei Erkältungskrankheiten.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes und friedvolles Jahr 2024.

Ihre Britta Kunz

 

Dezember 2023 - Sagenumwobene Christrose

Es gibt nicht besonders viele Pflanzen, die in unseren Breiten im Winter blühen. Die Christrose erhielt ihren Namen, weil sie es manchmal sogar schon zur Weihnachtszeit schafft, ihre weißen oder rosa Blüten zu entfalten. Durch Züchtungen wird schon seit Jahrhunderten versucht, ihren Blühzeitpunkt möglichst nahe und zuverlässig an Weihnachten zu legen.

Mancher kennt die Christrose vielleicht auch unter den Namen Christblume, Weihnachtsrose oder Schneerose, wobei das mit dem Schnee um Weihnachten herum bei uns zumindest wohl nicht mehr so häufig vorkommen wird.

 

Pestvertreiberin und Orakel

Vermutlich wegen des ungewöhnlichen Zeitpunkts der Blüte, wurden der Pflanze früher vielerlei Fähigkeiten zugeschrieben, so sollte sie die Pest und böse Geister vertreiben können. Auch als Orakel wurde sie herangezogen: wenn sie zur Weihnachtszeit blühte, wies das angeblich auf ein fruchtbares kommendes Jahr hin. Interessanterweise blüht die Christrose aber in den Alpen, wo sie ursprünglich beheimatet ist, nicht Ende Dezember, sondern erst später, zwischen Februar und April.

 

Nur bedingt frosthart
Eigentlich sollte man meinen, dass eine Pflanzen-Art, die aus den Alpen kommt, ziemlich frosthart sein sollte. Das ist aber nur bedingt so. Eisige Temperaturen übersteht die Pflanze am besten unter einer schützenden Schneedecke. Fehlt der Schnee, können die Blütenstiele erschlaffen und liegen dann flach auf dem Boden auf. Ist der Frost nur von kurzer Dauer, erholen sie sich meist wieder. Andernfalls erfrieren die Blüten, wobei der Rest der Pflanze in der Regel keine großen Schäden davonträgt.

 

Christrose im Garten pflanzen
Bei uns kommt die Christrose natürlicherweise nicht vor, sie wird aber gerne in Gärten angepflanzt. Wenn Sie eine Christrose in Ihrem Garten pflanzen möchten, geben Sie ihr einen Standort im Halbschatten, am besten auf humosem, nicht saurem Boden.

Kreuzungen mit mediterranen Arten sind weniger winterhart. Achten Sie beim Kauf auch auf die angegebene Blütezeit, die sich bei den einzelnen Züchtungen sehr unterscheiden kann, allerdings immer auch von der Witterung abhängig ist.

 

Frühe Nahrungsquelle für Hummeln

Hummeln, die schon früh im Jahr unterwegs sind, freuen sich über die frühblühende Nahrungsquelle. Der energiereiche Nektar, auf den die Hummeln aus sind, ist bei der Christrose zwischen den gelblichen Staubblättern und den weißen Blütenblättern in kleinen, grünen, schlauchförmigen Nektarblättern versteckt. In einer win-win-Situation bekommt die Hummel Nahrung und bestäubt dabei die Pflanze, die dann Früchte und Samen zur Vermehrung ausbilden kann. Dabei wird es richtig spannend.

 

Blütenblätter mit wechelnder Funktion

Interessanterweise wechseln die Blütenblätter der Christrose nämlich während der Zeit der Fruchtreife die Farbe von Weiß oder Rosa zu Grün. Denn dann werden damit nicht mehr Bestäuber angelockt, sondern die Blütenblätter werden zur Photosynthese genutzt, so wie die anderen grünen Blättern auch. Sind die Früchte reif, öffnen sie sich und entlassen kleine schwarze Samen.

 

Ameisen sorgen für die Ausbreitung

Die Samen sind zur Hälfte mit einem weißen, ölhaltigen Anhängsel überzogen, das Ameisen anzieht. Die Ameisen tragen die Samen in ihre Nester, fressen dort die Ölkörper ab und „entsorgen“ die Samen, im für die Pflanze besten Fall, außerhalb des Nestes. So werden die Samen von den Ameisen ausgebreitet und je nach Standort können daraus dann neue Pflanzen wachsen.

Auch starker Wind, Wasser und unbeabsichtigtes Verschleppen durch Tierpfoten oder Schuhe kann dafür sorgen, dass wir auch hier manchmal außerhalb von Gärten auf sogenannte „Gartenflüchtlinge der Christrose stoßen.

 

Vorsicht - giftig
Für die meisten anderen Tiere außer Ameisen, und für uns Menschen ist die Christrose übrigens giftig. Trotzdem wurde früher aus ihren unterirdisch wachsenden, schwarzen Teilen der Stängel Niespulver und Schnupftabak hergestellt. Das dürfte in vielen Fällen zu heftigen Blutungen bis hin zum Tod geführt haben.

Aus dieser, mittlerweile verbotenen, Verwendung leitet sich der wissenschaftliche Name der Christrose Helleborus niger / Schwarze Nieswurz ab. Aber wie so oft macht die Dosis das Gift und so wurde auch die Christrose schon früh in Klostergärten als Heilpflanze kultiviert und eingesetzt.Heutzutage sollte man sich einfach nur an ihrer Blüte zur Weihnachtszeit erfreuen.

 

Ich wünsche Ihnen entspannte und friedvolle Feiertage.

Ihre Britta Kunz

 

November 2023 - Räuber mit Maske

Anfang des Jahres hatte ich über den „Zorro des Tierreichs“ geschrieben, den Gartenschläfer, der wegen seiner auffallend schwarzen Fellfärbung um die Augen an den filmischen Banditen erinnert. Aber ein anderer tierischer Geselle hat diesen Spitznamen vielleicht eher verdient: der Waschbär. Seine schwarze Gesichtsfärbung sieht ebenfalls aus, als würde er eine Maske tragen.

Der ursprünglich aus Nordamerika stammende, graubraune Kleinbär wird, inklusive seines schwarz-grau geringelten Schwanzes, um die 80 cm groß und bringt etwa zehn Kilogramm auf die Waage. Man mag den nachtaktiven Allesfresser vielleicht durchaus als tierischen „Dieb“ bezeichnen, da er manchmal auch Vogelnester plündert und in menschliche Siedlungen eindringt, wo er sich über heimisches Obst, ungesicherte Mülltonnen und ‚Gelbe Säcke‘ hermacht. Ab und zu lässt er sich auch in Garagen oder, da er ausgezeichnet klettern kann, auf Dachböden „häuslich nieder“.
All das, und die Tatsache, dass er keine heimische Tierart ist, bringen ihm nicht nur Freunde ein.

 

Anpassungsfähiger Opportunist

Letztlich ist er aber einfach ein anpassungsfähiger Opportunist, der sich von dem ernährt, was er gerade findet. Dazu gehören, neben pflanzlicher Nahrung, je nach Lebensraum und Saison zum Beispiel auch kleine Fische, Kleinkrebse, Frösche, Eidechsen und Mäuse.

Den Namen Waschbär hat er übrigens durch seine Nahrungssuche am und im Wasser erhalten. Dabei tastet er den Untergrund des Gewässers mit den Vorderpfoten ab und dreht „Fundstücke“ in den Pfoten hin und her, was ein bisschen so aussieht, als würde er sich die Pfoten oder seine Nahrung waschen.

 

Ausgebüxt und bewusst angesiedelt gilt er heute als etabliert

Und dass er heute durch unsere Wälder und Siedlungen streift, ist uns Menschen selbst geschuldet. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Tiere bei uns in Pelzfarmen gehalten, aus denen ein paar entwischt sind. Außerdem wurde ein Waschbär-Pärchen 1934 ganz bewusst am Edersee in Hessen ausgesetzt, um dort Waschbären anzusiedeln.

Nicht überraschend, haben sich die Tiere vermehrt und dann weiter ausgebreitet.

Zunächst stand die Art noch unter Naturschutz. Mittlerweile fallen Waschbären bei uns unter das Jagdrecht. Die Anzahl Waschbären in einem Gebiet durch Bejagung dauerhaft zu reduzieren ist jedoch schwierig, da sich die verbliebenen Individuen dann oft noch stärker vermehren oder frei gewordene Habitate schnell wieder aus umliegenden Gebieten neu besetzt werden. Außer in besonders sensiblen Gebieten, wird man sich wohl auf eine einigermaßen friedliche Koexistenz mit dem Kleinbären einigen müssen.

 

Einfache Regeln, um Waschbären fernzuhalten

Wer Waschbären in der Nähe hat und von seinem Grundstück fernhalten will, sollte ein paar einfache Regeln beachten, vor allem potentielle Nahrungsquellen und Zugänge zum Haus minimieren.

Dazu zählen zum Beispiel ‚Gelbe Säcke‘ möglichst erst kurz vor der Abholung rauszustellen, keine großen Mengen Fallobst liegen- und Katzenfutter nicht über Nacht draußen stehenzulassen.

Fisch- und Fleischreste, Brot und Obst auf dem Kompost können nicht nur Ratten anlocken, sondern auch Waschbären.

Mülltonnen sollten möglichst für Waschbären unzugänglich aufgestellt oder ansonsten abends mit einem Spanngurt verschlossen werden.

Zugänge zum Haus zu versperren, heißt auch, über Dach oder Balkone ragende Äste abzuschneiden.

Waschbären können durchaus auch an Regenrinnen hochklettern. Glatte Blechmanschetten die mindesten einen Meter breit und hoch sind, sollen sie daran hindern.

Wer eine Katzenklappe am Haus hat, sollte sie entweder nachts verschließen oder eine Klappe verwenden, die den Chip des eigenen Haustiers erkennt und nur dieses einlässt.

 

Vorsicht vor Waschbär-Kot

Sollte dennoch ein Waschbär bei Ihnen auftauchen, fassen sie bitte seine „Hinterlassenschaften“ nicht an. Die Kothaufen können Eier des Waschbär-Spulwurms enthalten, der auch für Menschen nicht ungefährlich ist. Verdächtige Kothaufen daher am besten nur mittels einer Plastiktüte oder mit Einmalhandschuhen anfassen und gut verschnürt in der Restmülltonne entsorgen.

 

In den kommenden Monaten sollte es jedoch, je nach Witterung, etwas ruhiger unter den Waschbären werden. Zwar halten die Tiere keinen richtigen Winterschlaf, sind aber bei Kälte weit weniger aktiv.

Kommen Sie gut und hoffentlich ohne „tierische Störungen“ durch den Spätherbst.

Ihre Britta Kunz

 

Oktober 2023 - Knicksender Rotschwanz mit klirrender Gesangsnote

Ist es Ihnen auch aufgefallen? In den letzten Monaten war es sehr still in der Vogelwelt vor unserer Haustür. Kein Gesang war zu hören, kein Gezwitscher, das uns früh morgens und abends begleitete.

Wenn die Vögel im Laufe des Frühjahrs einen Paarungspartner gefunden, ihre Reviere klar

Foto: Wolfgang Püttmann                                                        gegen die Vogelnachbarn abgegrenzt und die Revierstreitigkeiten weitgehend beigelegt haben, nimmt die Gesangsaktivität bereits ab. Dann hat das Flöten und Zwitschern seine Aufgabe, Weibchen anzulocken und Konkurrenten abzuhalten, im Wesentlichen erfüllt.

 

Andere Aufgaben während der Brutzeit

Während der Brutzeit stehen dann andere Aufgaben im Vordergrund. Entweder wechseln sich Männchen und Weibchen mit dem Brüten ab und verhalten sich auf den Eiern sitzend natürlich möglichst still, um keine Nesträuber anzulocken. Besser nicht durch lauten Gesang auf sich und das Nest aufmerksam machen, lautet dann die Devise.

Oder ausschließlich das Weibchen brütet und muss vom Männchen gefüttert werden. Auch dann bleibt dem Männchen wenig Zeit und Energie für lautes Gezwitscher.

Und wenn erst einmal die hungrig aufgerissenen Schnäbel der Nestlinge zu „stopfen“ sind, haben die Eltern kaum Zeit, um selbst zu fressen.

Aber jetzt, da allmählich auch die Jungen der letzten Brut ausgeflogen sein dürften, erklingt in den warmen Spätsommer- und ersten Herbsttagen wieder das eine oder andere Vogellied. Zaghafter und nicht so ausdauernd wie im Frühjahr, aber doch unverkennbar.

 

Hausrotschwanz - der Name ist "Programm"

Manche Arten sind dabei besonders auffällig, so die kleinen Hausrotschwänze, die man häufig im Siedlungsbereich sieht. Kennzeichnend ist, wie der Name schon sagt, der leuchtendrote Schwanz, mit dem die Tiere auf Hausdächern oder Laternenpfählen sitzend heftig wippen. Dabei knickst auch der Körper immer wieder nach vorne unten, was den kleinen Vogel ungeduldig erscheinen lässt, ganz so, als wolle er sagen“ Los jetzt, na los doch!“

Die Männchen sind in verschiedenen, teils dunklen Grautönen gefärbt, was einen schönen Kontrast zu dem Rot bildet. Die Weibchen tragen, wie oft in der Vogelwelt, ein etwas unscheinbareres braunes Gefieder, aber auch sie sind an den roten Schwanzfedern und dem auffälligen Wippen leicht zu erkennen.

 

"Synthesizer-Immitation"

Besonders angetan hat es mir der sehr außergewöhnliche Gesang des kleinen Vogels. Unter Biologie-Studierenden wird er manchmal scherzhaft als „Synthesizer-Vogel“ bezeichnet. Das verdankt er einem elektronisch anmutenden Knistern, ungefähr in der Mitte seiner ansonsten eher gequetscht geflöteten, kurzen Gesangsstrophe. Wer den geknisterten Gesang des Hausrotschwanzes einmal gehört hat, wird ihn immer wiedererkennen. Eine schöne Hörprobe gibt es, zum Beispiel, auf der Internetseite des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) .

Allerdings dürfte es mit der „elektronischen Gesangseinlage“ auf unseren Dächern für dieses Jahr bald vorbei sein.

 

Die meisten verabschieden sich jetzt gen Süden

Im Oktober ziehen die meisten Hausrotschwänze in wärmere Gefilde Richtung Mittelmeer und Atlantik, kehren aber bereits im März, als eine der ersten Zugvögel, wieder zu uns zurück. Nur in wärmeren Lagen und milden Wintern sparen sich einige Individuen den anstrengenden Zug in den Süden und bleiben das ganze Jahr im Brutgebiet.

 

Halbhöhlen-Nisthilfen und offenen Boden anbieten
Wer Hausrotschwänze fördern möchte, kann sogenannte Halbhöhlen-Nistkästen aufhängen, die an der Vorderseite nur in der unteren Hälfte verschlossen sind. Die Kästen können gerne an Gebäuden angebracht werden. Eine gewisse Vorliebe für menschliche Behausungen trägt der Vogel schließlich bereits im Namen. Als ehemaliger Felsenbewohner fühlt sich der Hausrotschwanz an Häusern durchaus wohl und baut sein Nest auch in vorhandene Gebäudenischen.

Da die Tiere ihre Nahrung, vorwiegend Insekten und Spinnentiere, gerne auf vegetationsarmen Flächen suchen, freuen sie sich im Garten über ein paar offene Stellen oder zumindest kurzrasige Bereiche. Fliegende Beute fangen Hausrotschwänze in geradlinigen Sturzflügen, die sie von Ansitzwarten, wie großen Steinen, Zaunpfählen oder Hausantennen, aus erspähen. Ändert die angeflogene Beute in der Luft abrupt die Richtung, können Hausrotschwänze sie auch in akrobatischen Zickzack-Flügen verfolgen. Wenn der Oktober uns noch ein paar sonnige und warme Tage beschert, können wir das Schauspiel vielleicht noch das eine oder andere Mal verfolgen.Und auch das Knistern wird noch ein paar Mal von den Dächern zu hören sein.

 

Viel Spaß beim Beobachten und Lauschen wünscht Ihnen

Ihre Britta Kunz

 

September 2023 - Schlingnatter

Manchmal haben wir während unserer Arbeit das Gefühl, Phantomen hinterher zu „jagen“. Dann nämlich, wenn die seltenen Tier-Arten, von denen wir wissen wollen, ob und wo sie im Ennepe-Ruhr-Kreis (noch) vorkommen, auch noch besonders heimlich und versteckt leben.

Wildkatze und Haselmaus sind zwei Beispiele dafür. Beide Arten konnten wir in den letzten Jahren jedoch mit besonderen Methoden nachweisen. Wesentlich mehr Geduld brauchen wir bei unserer kleinsten heimischen Schlangen-Art, der Schlingnatter. Oftmals muss man ein Gebiet viele Jahre immer wieder aufsuchen, bis man fündig wird. Weil Schlingnattern verfolgt und getötet wurden und weil geeignete Lebensräume abnehmen, gilt die Art mittlerweile deutschlandweit als gefährdet.


Ähnlichkeit mit der Kreuzotter wird ihr zum Verhängnis

Die nur etwa sechzig Zentimeter langen, ungiftigen Schlangen wurden und werden immer wieder mit den giftigen Kreuzottern verwechselt. Zwar gibt es bei uns im Kreisgebiet natürlicherweise keine Kreuzottern mehr, aber zu Ihrer Beruhigung hier die Unterscheidungsmerkmale: Schlingnattern und Kreuzottern haben beide eine graubraune Grundfärbung und ein braunes Muster auf dem Rücken, bei Schlingnattern besteht das Muster jedoch aus versetzen Flecken, bei der Kreuzotter bildet es eine verbundene Zickzack-Linie. Wenn Sie sich trauen, können Sie der Schlange auch „tief in die Augen schauen“. Schlingnattern haben runde Pupillen, Kreuzottern senkrecht geschlitzte.

 

Kleine ungiftige "Würgeschlange"

Schlingnattern vertrauen auf ihre Tarnung, aber wenn sie sich bedroht führen, können sie ihren vorderen Körperbereich aufrichten und beißend zustoßen. Da die Art nicht giftig ist, ist ein Biss kein Grund zur Panik.
Den deutschen Namen ‚Schlingnatter‘ hat die Art übrigens aufgrund ihrer Jagdtechnik erhalten. Wie ein kleine Boa umschlingt sie ihre Beute und erstickt sie. Erst dann wird sie kopfüber verschlungen. Auf dem Speiseplan ausgewachsener Schlingnattern stehen andere Reptilien, seltener kleine Mäuse, Jungvögel oder Amphibien. Junge Schlingnattern fressen hauptsächlich Insekten.

 

Tricks zum Auffinden der "Sonnenanbeterin"
Schlingnattern benötigen strukturreiche Lebensräume, die ihnen nicht nur Versteckmöglichkeiten, sondern auch sonnige Plätze und schattige Bereiche bieten, zwischen denen sie, je nach Umgebungstemperatur, wechseln können. Wie alle Schlangen-Arten kann auch die Schlingnatter ihre Körpertemperatur nur sehr begrenzt regulieren und ist daher viel stärker als Vögel und Säugetiere von der Umgebungstemperatur abhängig. Um „auf Betriebstemperatur“ zu kommen, sucht sie, besonders in den frühen Morgenstunden, gerne Sonnenplätze auf. Das machen wir uns bei der Suche nach der seltenen Art zunutze.

Wo Schlingnattern prinzipiell vorkommen könnten, schaffen wir kleine und gut geschützte „Wärmeinseln“ in Form von etwa einem Quadratmeter großen Stücken schwarzer Dachpappe oder ähnlichem. Durch die schwarze Farbe wärmen sich diese kleinen Flächen schneller als die Umgebung auf und sind dadurch für Reptilien attraktiv.

 

Und doch: viel Geduld ist von Nöten!

Natürlich muss man diese Orte dann regelmäßig morgens bei geeigneter Witterung kontrollieren. Ich bin seit nunmehr neun Jahren auf der Suche nach den Tieren im Kreisgebiet. Ich will gar nicht ausrechnen, wie oft ich hoffnungsvoll unter die vielen ausgelegte Dachpappen geschaut habe. Ameisen, Mäuse, Blindschleichen, Waldeidechsen, auch mal die eine oder andere Ringelnatter haben wir gefunden. Aber keine Schlingnatter.

Bis Anfang Juli. Dann konnten wir sie endlich südlich von Ennepetal nachweisen.

 

Individuelle Merkmale

Da Schlingnattern sehr standorttreu sind, haben wir dasselbe Individuum bei der nächsten Kontrolle wieder gefunden. Man kann einzelne Individuen, unter anderem, an ihrer Kopf- und Nackenzeichnung auseinanderhalten. Zwar haben alle Schlingnattern eine kronenförmige braune Zeichnung auf dem Kopf, die genaue Form der „Krone“ und der im Nacken folgenden Flecken unterscheiden sich aber.

 

Hoffen auf Nachwuchs

Jetzt sind wir gespannt, ob wir demnächst noch auf Nachwuchs im Gebiet stoßen. Die Weibchen tragen die befruchteten Eier solange in sich, bis die Jungtiere im Spätsommer vollständig entwickelt sind. Erst dann setzt die Eiablage ein. Allerdings platzt die dünne Eihülle dabei auf, sodass die kleinen Schlangen noch während der Eiablage aus dem Ei schlüpfen. Daher wird die Art als ‚lebendgebärend‘ bezeichnet.

 

Sollten Sie eine Schlingnatter sichten, freuen wir uns über eine Mitteilung.

Besten Dank im Voraus!

Ihre Britta Kunz

 

August 2023 - Wie schützen sich Pflanzen und Tiere bei Hitze?

Auch wenn der Sommer in den letzten Tagen bei uns ziemlich abgekühlt ist, macht in den Medien die Nachricht vom weltweit heißtesten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen die Runde. So schlimm, wie andere Erdteile, hat es uns noch nicht getroffen und wir Menschen haben hier auch verschiedene Möglichkeiten, uns vor hohen Temperaturen zu schützen. Aber wie gehen Pflanzen und Tiere eigentlich mit Hitze um?

 

Verdunstung reduzieren und sich von der Sonne abwenden

Pflanzen können nicht einfach ihren Standort verlassen und sich ein angenehmeres Plätzchen suchen. Arten, die nicht an starke Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen angepasst sind, macht dann vor allem der Wasserverlust zu schaffen. Mikroskopisch kleine Spaltöffnungen, die sich meist auf der Blattunterseite befinden, sorgen dafür, dass Wasser über einen Verdunstungssog aus den Wurzeln bis in die Blätter transportiert wird. Ist wenig Wasser vorhanden und die Verdunstung an den Blättern an heißen Tagen zu hoch, können die Pflanzen die Spaltöffnungen schließen. Diese Strategie ist jedoch nur begrenzt einsetzbar, da über die Spaltöffnungen auch Kohlendioxid aufgenommen wird, das die Pflanzen für ihren Stoffwechsel benötigen. Im Extremfall kommt es daher durch Wassermangel zu Blattabwurf und Welken der Pflanze. Manche Pflanzen haben aber auch die Fähigkeit entwickelt, ihre Blätter von der Sonne abzuwenden und so die Sonneneinstrahlung auf der Blattfläche zu reduzieren.


Mobile Tiere haben es einfacher

Sie können kühlere Orte aufsuchen, sofern diese in ihrem Lebensraum vorhanden sind. Rehe scharren an heißen Tagen das Laub vom Waldboden und legen sich auf die kühle Bodenschicht. Manche Tiere, wie Hunde und einige Nager, haben Körperbereiche, die weniger dicht behaart sind und über die Wärme besser abstrahlt. Bei Hitze legen sie sich so hin, dass diese Bereiche möglichst nicht verdeckt werden. Das könnte der Grund sein, warum ihr Hund im Sommer gerne mal auf dem Rücken schläft. Auch über gut durchblutete Extremitäten, wie etwa die langen Ohren der Hasen, kann Wärme nach Außen abgegeben werden.

 

Schwitzen ist ein Vorteil!
Vielen Menschen ist es unangenehm zu schwitzen. Dabei ist es ein echter Vorteil, dass wir das können. Wenn der Schweiß auf der Haut verdunstet, entsteht Verdunstungskälte. Das hilft uns, unsere Körpertemperatur konstant zu halten. Die Fähigkeit zur Produktion von salzhaltigem Schweiß, der ausschließlich zur Kühlung hergestellt wird, teilen wir nur mit den Menschenaffen. Andere Arten, zum Beispiel Pferde, können zwar auch „schwitzen“. Die Flüssigkeiten, die sie über die Haut abgeben, werden aber eigentlich für andere Zwecke produziert. Sie haben daher auch eine andere Zusammensetzung und werden nur ausnahmsweise zum Kühlen verwendet.

 

Hechlen als Alternative

Manche Säugetiere, wie Füchse, Hunde, Katzen und Schafe hecheln, um sich abzukühlen. Das heißt, sie atmen schnell und flach. Da der Atem durch die Schleimhäute angefeuchtet wird, entsteht beim Hecheln ebenfalls Verdunstungskühlung. Diese Tiere haben zudem ein besonderes Geflecht in ihrem Blutgefäßsystem, um das Gehirn vor Überhitzung zu schützen. Bevor das Blut ins Gehirn fließt, wird es an den kühleren Venen des Rachen- und Nasenraumes vorbei geleitet und dort abgekühlt.
Übrigens hecheln auch Vögel. Wenn es ihnen zu warm wird, kann man zudem beobachten, dass sie ihre Flügel abspreizen.

 

Die "Weißstorch-Methode"

Weißstörche, die ihre Nester meist exponiert auf Hausdächern oder Masten anlegen, müssen während der Brut und Jungenaufzucht in der Sonne ausharren. Zur Abkühlung bespritzen sie ihre langen nackten Beine mit ihrem weißen Kot. Dieser enthält dann besonders viel Wasser um für Verdunstungskühlung zu sorgen.

 

"Siesta" im Tierreich
Wenn möglich, verlegen Tiere ihren Aktivitätszeitraum auch schon mal in die kühleren Morgen-und Abendstunden. Einige Insekten, Schnecken, Amphibien, Reptilien, Vögel und sogar Fische können einen Sommerschlaf, ähnlich dem Winterschlaf, halten, um heiße Perioden und Nahrungsmangel im Sommer zu überdauern. Gehäuseschnecken, zum Beispiel, ziehen sich in ihr „Haus“ zurück und verschließen den Eingang mit einer kalkhaltigen Schicht, die sie vor Austrocknung schützt.

 

Von der Natur lernen

Sollte der heiße Sommer noch einmal zurückkehren, können wir uns einiges von der Natur abschauen. Von der „Weißstorch-Methode“ rate ich ab, aber direkte Sonneneinstrahlung zu meiden und, wenn möglich, kühlere Orte aufzusuchen oder auch einmal eine Siesta zu halten ist sicherlich empfehlenswert.

Kommen Sie gut durch den Sommer.

Ihre Britta Kunz

 

Juli 2023 - Die Brennnessel 

Als ich vor einigen Tagen dienstlich draußen abseits der Wege unterwegs war, spürte ich plötzlich ein heftiges Brennen am Bein. Ich war unbemerkt zwischen Brennnesseln geraten.

Genauer gesagt, zwischen die ‚Große Brennnessel‘, denn es gibt noch andere Brennnessel-Arten. Die Große Brennnessel ist die Art, mit der wohl jede und jeder schon einmal unangenehme Erfahrungen gemacht haben dürfte. Zwar hatte ich wohlweißlich eine lange Hose an, wegen der angekündigten hohen Temperaturen an diesem Tag war die Hose aber zu dünn, um die namensgebenden Brennhaare der Pflanze abzuwehren.

 

Brennhaare mit Sollbruchstelle

Die weißlich erscheinenden Brennhaare sind mit einer juckenden Flüssigkeit gefüllt. Die Spitze der Haare bricht ab, sobald man sie streift. Wie eine winzige Injektionsnadel durchdringt sie dann mit Leichtigkeit Stoff und Haut. Und während ich, ich gestehe es ein, leise vor mich hin fluchte, dachte ich im selben Moment, wie ungerecht es ist, dass die Brennnessel bei vielen von uns nicht gut gelitten und als lästiges „Unkraut“ verschrien ist.

 

Zeigerpflanze und echtes „Multitalent“

Die Brennnessel kann an vielen verschiedenen Standorten wachsen, Hauptsache, es ist nicht zu trocken und es gibt im Boden genügend Nährstoffe. Sie ist sogar eine sogenannte ‚Zeigerpflanze‘ die auf einen hohen Stickstoffgehalt im Boden hinweist. Deshalb wächst sie auch besonders üppig an Stellen, an denen Hunde ausgeführt werden und „ihr Geschäft“ verrichten.

 

Hervorragendes Düngemittel

Da die Brennnessel den Stickstoff aus dem Boden aufnimmt, ist sie selbst ein hervorragendes Düngemittel. Die Herstellung einer Brennnesseljauche ist allerdings nichts für empfindliche Nasen. Man füllt ein ausreichend großes Gefäß mit einem Kilogramm kleingeschnitten Brennnesseln und gießt mit 10 Liter Wasser auf. Das Gefäß darf nicht verschlossen werden, es muss Luft an die Jauche gelangen. Einmal täglich muss kräftig umgerührt werden. Wenn sich nach einigen Tagen kein Schaum mehr bildet, ist die Jauche fertig. Dann kann sie, durch ein feines Sieb abgegossen und dann 1:10 mit Wasser verdünnt, als natürlicher Dünger verwendet werden. Sie können die fertige Jauche auch als Spritzmittel gegen Blattläuse einsetzen.

 

Lieferrantin des Nesselstoffs
Und falls Ihnen der Begriff ‚Nesselstoff‘ oder ‚Nesseltuch‘ noch etwas sagt, dieser wird aus Brennnesselfasern hergestellt. In Deutschland wird Nesseltuch heute nur noch in geringen Mengen produziert, aber in einigen anderen Ländern, darunter China, ist es bis heute verbreitet. Ich finde es einigermaßen schwer vorstellbar, dass ein Stoff aus Brennnesseln angenehm auf der Haut zu tragen sein soll. Aber natürlich werden die Brennhaare während der Verarbeitung unschädlich gemacht.

 

Futterpflanze und Wildgemüse

Die Brennhaare dienen den Pflanzen eigentlich als Fraßschutz. Das scheint aber nur mäßig zu funktionieren, denn Brennnesseln sind durchaus bei vielen Tier-Arten als Nahrung beliebt. Mehrere Schmetterlings-Raupen sind auf die Große Brennnessel als Nahrungspflanze sogar angewiesen. Dazu gehören Tagpfauenauge, Landkärtchen und Kleiner Fuchs. Ohne Brennnesseln gibt es diese Schmetterlinge nicht.

Fast in Vergessenheit geraten ist, dass Brennnesseln früher, bevor Spinat bei uns eingeführt wurde, ein viel genutztes Wildgemüse waren. Die jungen Blätter an der Spitze der Pflanze schmecken ein wenig herber als Spinat und sind bis zum Frühsommer am zartesten.

Mit einem kleinen Trick  können Sie die zarten Triebspitzen ohne Handschuhe pflücken und ohne sich die Finger „zu verbrennen“: streifen sie die Blätter von unten nach oben, also quasi „mit dem Strich“ ab, wenn sie die Triebspitze anfassen. Dann brechen die Haare nicht. Einfacher ist es natürlich, dicke Gartenhandschuhe anzuziehen. Blanchiert können Sie die Blätter wie Spinat verwenden oder im Kräuterquark beimischen. Sie vertragen würzige Zutaten wie Zwiebeln, Knoblauch, aber auch Muskat und Zitrone. Die Samen der Brennnessel sind ebenfalls essbar und schmecken gut in Müsli und Suppen oder geröstet in Butter.

 

In jedem Fall sollte eine Ecke, in der Brennnesseln wachsen dürfen, in keinem Garten fehlen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Juli.

Ihre Britta Kunz

 

Juni 2023- Tagfalter melden

Mit dem Sonnenschein und den warmen Tagen kommen auch endlich wieder unsere Schmetterlinge hervor. Schmetterlinge sind, nach den Käfern, die Insekten-Ordnung mit den meisten bekannten Arten. Weltweit sind bislang rund 180.000 Arten wissenschaftlich erfasst.

Genau genommen handelt es sich aber bei denen, die die meisten von uns als „Schmetterlinge“ bezeichnen, nur um die Arten, die tagsüber aktiv sind. Sie werden daher auch als Tagfalter bezeichnet. Wer kennt nicht, zumindest dem Namen nach, Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Kohlweißling.

Im Gegensatz zu den oft auffallend großen und bunten Tagfaltern, sind uns die Nachtfalter weniger vertraut. Sie sind oft vergleichsweise unscheinbar und werden von uns meist nur bewusst wahrgenommen, wenn sie sich nachts, vom Licht angezogen, durch das geöffnete Fenster in unsere Wohnung verirren oder um eine Lampe auf Balkon oder Terrasse schwirren. Auch wenn diese, allgemein weniger bekannte, Schmetterlingsgruppe überaus faszinierend und sehr artenreich ist, möchte ich mich heute aus aktuellem Anlass auf die Tagfalter beschränken. Bis zum 15. Juli können Sie nämlich mithelfen, zu dokumentieren, wie es um unsere Tagfalter bestellt ist.

 

28 Arten in NRW bereits ausgestorben

Wie viele andere Insekten auch, sind Schmetterlinge vom einem dramatischen Rückgang betroffen.  Von den 123 in NRW heimischen Tagfalter-Arten gilt nur ein Drittel als nicht akut gefährdet. Achtundzwanzig Arten sind bereits ausgestorben.

In der freien Landschaft gibt es kaum noch blühende Wegraine und ausgedehnte, artenreiche Hecken. Kurzfristig angelegte Blühstreifen können den Verlust an dauerhaftem Lebensraum nicht auffangen.

Und auch in unseren Kommunen und Städten gibt es noch zu wenig Lebensraum für die bunten Flieger. Zwar findet mancherorts ein Umdenken statt, aber viele Grünflächen werden immer noch zu häufig gemäht.  Wo alles „ordentlich gepflegt“ aussehen muss, ist kein oder wenig Platz für die bunte Insektenwelt.

Und nicht alles was blüht oder grünt ist für Insekten nutzbar. Forsythien und Thujahecken bieten Insekten keine bis wenig Nahrung. Insofern gibt es noch viel Potential in Gärten, Parks und auf Friedhöfen, auf Balkonen und entlang von Wegen und Straßen. Weniger (mähen) ist hier oft mehr (Vielfalt).

 

DUH ruft auf, Tagfalter zu melden

Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, ruft die Deutsche Umwelthilfe dazu auf, gesichtete Tagfalter zu melden. Egal wo man einen Tagfalter sieht, ob auf einem Spaziergang, auf dem Weg zur Arbeit, in einem Park auf dem eigenen Balkon.

Auf der Internetseite www.duh.de/schmetterlings-aktion-2022 gibt es eine kleine Übersicht über Tagfalter-Arten, die man ohne große Vorkenntnis gut identifizieren kann. Die eigene Sichtung kann man dann ganz einfach mit einem Haken in der online-Vorlage markieren und absenden. Wer möchte, kann seinen Fund auch mit einem „Beweis-Foto“ unterlegen und dieses mit abschicken. Alle Meldungen gehen in die Datenbank „Schmetterlinge Deutschlands“ ein.

 

Mit solchen, sogenannten ‘Citizen Science Projekten‘, bei denen sich im Grunde jede und jeder beteiligen kann, können in kurzer Zeit große Datenmengen zusammenkommen. Die Daten werden im Anschluss öffentlich zur Verfügung gestellt.

Ziel dieses Projektes ist es, den Schutz der Tagfalter und damit auch anderer Insekten, stärker in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik zu rücken.

 

ObsIdentify hilft bei der Art-Bestimmung

Und sollten Sie trotz der online-Vorlage unsicher sein, welchen Tagfalter Sie gerade sehen, möchte ich noch einmal auf die Bestimmungs-App für das Smartphone ‚ObsIdentify‘ von Observation.org hinweisen. Sie hilft beim Identifizieren von Tieren und Pflanzen und die Meldungen per Foto gehen, nachdem sie von einer fachkundigen Person überprüft worden sind, ebenfalls in einen öffentlichen Datenbestand ein. Nur wenn man weiß, wo eine Art vorkommt, kann man sie auch effektiv schützen.

Vielen Dank fürs mitmachen!

Ihre Britta Kunz

 

Mai 2023 - Wohl bekomm's!

Der Frühling ist für mich die Zeit der Wildkräuterküche. Und obwohl frühlingshafte Temperaturen dieses Jahr ziemlich lange auf sich warten ließen, sind doch nicht alle Pflanzen aufgrund des kalten Wetters „in Verzug“ geraten.

Als ich vor einigen Tagen, noch im April, ‚Waldmeister‘, auch bekannt als ‚Maikraut‘, im Garten zur Herstellung einer Maibowle pflücken wollte, musste ich feststellen, dass er bereits blühte. Er ist dann leider nicht mehr ganz so aromatisch.

Vorsichtshalber pflückte ich daher ein etwas größeres Sträußchen, das ich nach dem Waschen mit etwas Zucker bestreute und in eine Karaffe mit Weißwein hing.

Die Schnittflächen der Stängel sollten den Wein dabei nicht berühren und länger als fünf bis zehn Minuten sollten die Pflanzen den Wein nicht aromatisieren. Denn das darin enthaltene Cumarin, das den angenehmen Duft- und Geschmack verströmt, kann bei einem Zuviel Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit verursachen.

 

Verwechslungsgefahr mit anderen Labkräutern

Für Waldmeister-Pflückende besteht zudem Verwechslungsgefahr, denn der Waldmeister hat sehr ähnlich aussehende Verwandte. Alle haben am Stängel mehrere übereinanderstehende Blattquirle und kleine weiße Blüten.

Eine Geruchsprobe am frischen Kraut ist nicht immer hilfreich, da Waldmeister seinen typischen Duft erst entfaltet, wenn er nach dem Pflücken etwas welk geworden ist. Daher sollte er vor der Verwendung einige Stunden liegen gelassen werden. Zur Sicherheit dann noch einmal daran schnuppern. Riecht es dann noch immer nicht nach Waldmeister, haben Sie vermutlich eines der anderen Labkräuter, zu denen auch der Waldmeister gehört, erwischt.

Bei Kindern beliebt ist das Kletten-Labkraut, das feine Härchen aufweist, sodass es sehr dekorativ an der Kleidung hängen bleibt, wenn man sich damit bewirft. Blanchiert kann man es als Wildgemüse genießen.

Der Name Labkraut kommt daher, dass das Echte Labkraut, Galium verum, zum Ausfällen von Milcheiweis zur Käseherstellung genutzt werden kann und eine vegane Alternative zum tierischen Lab darstellt.

Waldmeister heißt wissenschaftlich übrigens Galium odoratum, also wohlriechend, duftend. Offensichtlich war der Duft auch dem Namensgeber der Pflanze aufgefallen. Waldmeister ist in unserer Gegend jedoch nicht so leicht zu finden. Wer einen Garten hat, kann ihn aber gut an einem schattigen Standort mit humusreichem Boden ziehen.

 

Knoblauchersatz aus dem Wildkräutergarten

Außer dem Waldmeister treibt auch der Bärlauch schon erste Blüten. Die Blüten kann man als wohlschmeckende Dekoration in Salaten gut nutzen. Beliebt ist Bärlauch in der Küche in allen Speisen, die man mit Knoblauch würzt.

Der Vorteil von Bärlauch ist jedoch, dass der Knoblauchgeschmack nach dem Essen nicht so lange vorhält und keine ausdauernde „Knoblauchfahne“ entsteht.

Verwechslungsgefahr besteht vor der Blüte mit den ähnlich aussehenden Blättern von Maiglöckchen. Hier gilt jedoch: eine Geruchsprobe hilft. Die Blätter leicht zwischen den Fingern zerreiben oder mit dem Fingernagel anritzen. Riecht es nicht nach Knoblauch ist es kein Bärlauch.

Eine noch etwas mildere Knoblauch-Alternative in der Küche ist die Knoblauchsrauke. Die Pflanze ist zweijährig und man kann sie auch problemlos auf dem Balkon im Blumentopf ziehen. Zerkleinerte Blätter und die Blüten schmecken gut in Kräuterbutter, Quark, Salat oder Eierspeisen.


Wildkräuter mit Bedacht sammeln

Wer sich mit Wildkräutern und deren Verwendung in der Küche befasst, wird erstaunt sein, was alles nutzbar ist und lecker schmeckt. Leider ist es nicht so einfach, gute Sammelorte zu finden. Weg- und Feldränder sind, wegen der Hinterlassenschaften von Hunden und der Dünung bzw. dem Pestizideinsatz der Landwirtschaft, oft ungeeignet. In Naturschutzgebieten ist das Pflücken tabu. Am besten sammelt man in einem naturbelassenen Garten, vielleicht darf man sich auf Anfrage bei Nachbarn oder Freunden bedienen.

 

Egal wo, bitte räumen Sie einen Standort nie leer, sondern lassen Sie das Meiste stehen. Viele Insekten-Arten sind auf Wildkräuter angewiesen. Und die Pflanzen, die Sie stehen lassen, garantieren Ihnen eine Ernte auch im nächsten Jahr. So vermehrt sich auch der Waldmeister in meinem Garten von Jahr zu Jahr.

 

Die Waldmeisterbowle habe ich übrigens mit etwas Apfelsaft, Sekt und einer Scheibe Zitrone verfeinert. Und da ich sie nur in Maßen genieße, habe ich noch etwas übrig und werde für uns alle jetzt mit einem kleinen Schluck auf einen, hoffentlich richtig schönen, Wonnemonat Mai anstoßen.

Ihre Britta Kunz

 

April 2023 - Kleine Klimaschützer

Solange der Wald noch weitgehend blattlos ist, fallen die verschiedenen Grüntöne der Moose an Baumstämmen, Wurzeln und Steinen am ehesten ins Auge. Da Moose nicht, wie Blütenpflanzen, über Stützgewebe verfügen, werden sie meist nur wenige Zentimeter hoch. Und werden daher sonst oft übersehen. Zu Unrecht, denn die kleinen Pflänzchen sind überaus interessant.

Moose zählen zu den ältesten Landpflanzen. Fossilfunde deuten darauf hin, dass es sie bereits vor über 450 Millionen Jahren gab. Damals teilten sie sich in drei Gruppen auf. Lebermoose haben ihren Namen erhalten, weil ihre Blättchen, mit etwas Fantasie, wie eine Leber aussehen. Hornmoose haben einen ausgeprägten Stängel, der an ein Horn erinnert. Die größte Gruppe der Moose, die Laubmoose, haben sehr feine und dünne Blättchen, die an Laubblätter erinnern.

Insgesamt gibt es heute etwa sechzehntausend Moos-Arten weltweit, davon 1200 in Deutschland. Über ein Drittel der in Deutschland beheimateten Moos-Arten sind jedoch vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.

Und nicht alles, was wir als ‚Moos‘ bezeichnen, ist auch tatsächlich ein Moos. Das bekannte ‚Irische Moos‘ etwa, ist eine Rotalge. Für solche irreführenden Namensgebungen aus früherer Zeit, als man es noch nicht besser wusste, gibt es viele Beispiele. Denken Sie nur an Wal“fische“, die keine Fische, sondern Säugetiere sind. Oder an Fleder“mäuse“.  

 

Wasserspeichernde Überlebenskünstler
Aber zurück zu den Moosen. Am ehesten findet man sie dort, wo es feucht ist. Viele Moose können aber auch trockene Lebensräume besiedeln und in einer Trockenstarre überdauern, bis wieder Wasser zur Verfügung steht. Dann saugen sie sich regelrecht voll. Moose sind hervorragende Wasserspeicher, die ein Vielfaches ihres Trockengewichts an Wasser aufnehmen können.

Eine echte Wurzel besitzen Moose jedoch nicht, nur einen kleinen „Fuß“, der sie im Boden zu verankert. Das Wasser wird daher über die gesamte Pflanzenoberfläche aufgenommen. Moose bilden auch keine Blüten und Samen aus. Ähnlich wie Farne, vermehren sie sich in einem komplexen Wechsel vegetativ und über winzige Sporen. 
Da die meisten Moose ‚austrocknungsresistent‘ sind und weder viele Nährstoffe noch viel Licht benötigen, kann man Moose in allen Klimazonen auf unserem Planeten, von den Tropen bis zur Arktis und auch an ungewöhnlichen Wuchsorten, wie Dächern und Pflasterritzen, finden.

 

Bioindikatoren, Luftfilterer und Kohlenstoffspeicher

Manche Arten sind jedoch sehr empfindlich gegenüber bestimmten Luftschadstoffen. Aufgrund ihres Vorkommens oder Nicht-Vorkommens kann man, vereinfacht gesagt, auf Schadstoffverhältnisse schließen.

Manche Arten filtern aber auch Schadstoffe aus der Luft. Alle Arten binden Kohlenstoff aus der Luft und schützen damit das Klima.

 

Torfmoose sind hervorragende Klimaschützer

Die bekanntesten „Klimaschützer“ unter den Moosen sind sicherlich die Torfmoose, die das Grundgerüst der Moore bilden. Nur die jeweils oberste Torfmoos-Schicht wächst, die darunter liegenden Schichten sterben ab und werden unter Sauerstoffarmut langfristig zu Torf konserviert.

Nach neueren Studien bedecken Moore nur noch etwa ein Prozent der Landoberfläche, speichern aber mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen. Zumindest solange die Moore nicht zur Torfgewinnung abgebaut werden, um zum Beispiel leider immer noch, die wasserspeichernden Eigenschaften von Blumenerde zu verbessern.

 

Artbestimmung per App - mitmachen beim Citizen Science Projekt!
Wer sich in die Arten-Vielfalt der Moose vertiefen möchte, braucht Ausdauer. Viele Moos-Arten lassen sich nur mit speziellen Kenntnissen und unter dem Mikroskop bestimmen. Bei einigen Arten hilft allerdings auch die kostenlose App ‚Obsidentify‘ von Observation.org, für die ich hier noch einmal werben möchte. Die mit dem Smartphone aufgenommenen Fotos werden von der App bestimmt und können ganz einfach an Observation.org weitergeleitet werden. Bevor die Meldungen dann in den bundesweiten Datenbestand an Tier- und Pflanzenarten eingehen, werden sie von Fachleuten geprüft.

Mit den Meldungen kann jede und jeder das Wissen über Vorkommen von Arten vergrößern und so letztlich zum Schutz der Natur beitragen.Ich würde mich sehr über Ihre Teilnahme freuen.

Ihre Britta Kunz

März 2023 - Klirrender Gesang aus der Hecke

Zu den ersten Vogelstimmen, die sich bereits ab Ende Februar, Anfang März unter das „Läuten“ der Kohlmeisen und das „Flöten“ der Amseln mischen, gehört der Gesang der Heckenbraunelle.

Weniger laut, als die beiden zuvor Genannten, und weniger auffällig im Erscheinungsbild wird sie häufig überhört und übersehen.

Dabei ist sie in vielen Gärten, Friedhöfen und Parks zuhause, sofern genug Unterwuchs und Nahrung vorhanden ist.Ihr Gesang ist fein und besteht aus schnell aneinander gereihten Elementen in etwa gleicher Tonhöhe. Manche behaupten, er klinge ein bisschen, als würde man einen Schlüsselbund klirren lassen.

Und wer den nur rund 14 Zentimeter kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Vogel einmal genau anschaut, erkennt eine sehr fein gestrichelte, braun-schwarze Gefiederzeichnung, von der nur Hals und Brust grau abgesetzt sind.

Um Heckenbraunellen zu beobachten, muss man sich allerdings sehr ruhig verhalten, meist sind sie recht scheu und verschwinden schnell wieder im Dickicht. Im Winter bekommt man sie aber gut an Futterhäuschen zu sehen.

 

Hier bleiben oder in den Süden ziehen?

Denn nicht alle Heckenbraunellen ziehen im Winter Richtung Süden bis ins Mittelmeergebiet. Einige bleiben im Winter hier und zusätzlich kommen dann noch Heckenbraunellen aus dem Norden zu uns. Beide Strategien, der Zug in wärmere Gefilde und das Überwintern im Brutgebiet, bergen Vorteile und Risiken.

Wer im Winter hier bleibt, erspart sich zwar den strapaziösen und kräftezehrenden Zug, kann aber in strengen Wintern verhungern oder erfrieren. Wer aber den Winter hier übersteht, kann zeitig im Frühjahr die besten Reviere besetzen, bevor die Zugvögel heimkehren.

Ein gutes Revier mit vielen Versteckmöglichkeiten und reichlich Nahrung ist wichtig für den Fortpflanzungserfolg.

 

Mit der "Treue" nehmen sie es nicht so genau

Beim Thema Fortpflanzung der Heckenbraunelle wird es richtig spannend. Heckenbraunellen haben nämlich ein sehr vielfältiges und flexibles Paarungsverhalten, das nicht gerade von Treue geprägt ist. Von der Einehe bis zur Polygamie ist alles möglich.In jedem Fall herrscht Gleichberechtigung in „Liebesdingen“.

Heckenbraunellen-Weibchen besetzen Reviere, die sie gegen andere Weibchen, aber nicht gegen Männchen verteidigen. So kann es vorkommen, dass sich ein Weibchen-Revier mit zwei Männchen-Revieren überlappt und sich das Weibchen mit beiden Männchen verpaart. Die Jungen im Nest stammen dann von verschiedenen Vätern.

Andererseits kann sich auch ein Männchen mit mehreren Weibchen verpaaren. Oder ein dominantes Paar besetzt ein Revier aber die Männchen, die sich ebenfalls, meist heimlich, mit dem Weibchen verpaart haben, helfen bei der Brutpflege.

Manchmal scheint es auch sehr „freizügig“ kreuz und quer zu gehen und mehrere Männchen und Weibchen verpaaren sich untereinander und bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft.

Letztlich hängt es wohl von der Größe und der Qualität der Reviere und vom Geschlechterverhältnis ab, welche Paarungsform gewählt wird.

Weibchen haben allerdings den größten Bruterfolg, wenn sie sich mit mehr als einem Männchen verpaaren, diese Männchen sich aber nicht mit anderen Weibchen verpaart haben. Denn dann helfen die Männchen ausschließlich dem einen Weibchen bei der Aufzucht der Jungen. Männchen hingegen haben den größten Bruterfolg, wenn sie sich mit mehreren Weibchen verpaaren, auch wenn jedes Weibchen einen etwas geringeren Bruterfolg hat.

Auch bei der Heckenbraunelle gehen die Interessen der Geschlechter also manchmal auseinander.

 

Heckenbraunellen fördern

Wer nichts gegen die „Vielehe“ im Tierreich hat und Heckenbraunellen in seinem Garten fördern will, der sollte einen Bereich mit dichtem Unterwuchs zulassen. Denn das Nest wird meist nicht allzu hoch über dem Boden, in dichten Sträuchern, Hecken oder in niedrigen Nadelbäumen und überwiegend aus Moos gebaut. Die kleinen, blaugrünen Eier sind darin gut getarnt. Auch eine Ecke mit Totholz kann als Versteck und Nistplatz dienen.

Unterwuchs und Totholz fördert außerdem Insekten und andere Kleintiere, die den Vögeln als Nahrung dienen.

Da Heckenbraunellen auch pflanzliche Kost zu sich nehmen, sollten Sie die Früchte und Samen zum Beispiel von Brennnessel, Ampfer, Miere und Vogelknöterich über den Winter an den Pflanzen stehen lassen.

 

Den Heckenbraunellen lauschen

Und wenn Sie hören wollen, ob tatsächlich eine Heckenbraunelle in Ihrer Nähe wohnt, empfehle ich, sich den Gesang zunächst im Internet anzuhören, zum Beispiel auf der Seite des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (Stichwort LBV Heckenbraunelle).

 

Viel Spaß beim „Lauschen“ wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

Februar 2023 - Heimische Gehölze für den Garten

Es muss nicht immer gleich eine Hecke sein. Auch kleine Buschgruppen und einzelne Bäume und Sträucher zu pflanzen, hat einen hohen ökologischen Wert – sofern man gärtnerisch unveränderte, heimische Wildpflanzen-Arten einsetzt.

Wobei „heimisch“ nicht Mitteleuropa oder Deutschland meint, sondern besser: gebietsheimisch. Die Pflanzen stammen dann aus der Region. Sie schonen nicht nur den Geldbeutel, weil sie meist günstiger als Exoten sind, sie sind in der Regel auch besser an die hiesigen Klimaverhältnisse angepasst.

 

Heimische Gehölzarten bieten mehr als Exoten

Jeder neu gepflanzte heimische Strauch oder Baum ist ein echter Zugewinn für unsere Wildtiere.

Zwar bieten auch Zier- und fremdländische Gehölze unseren heimischen Insekten, Vögeln und Kleinsäugern Schutz, als Nahrungsquelle sind die meisten aber ziemlich nutzlos.

Wenn Sie einen Weißdorn im Garten pflanzen, sorgen Sie mit dessen Früchten bei bis zu 32 Vogel-Arten für einen „gedeckten Tisch“. Die Früchte des nahe verwandten Scharlachdorns, der aus Nordamerika stammt, fressen dagegen nur zwei Vogel-Arten.

 

Und um den nicht-heimischen Sommerflieder werden Sie zwar viele Schmetterlinge  beobachten, aber Schmetterlings-Raupen werden Sie nicht daran entdecken. Ohne Nahrungspflanzen für die Raupen gibt es jedoch im nächsten Jahr keine neue Generation Schmetterlinge. Auch vielen Vögeln fehlt dann eine Nahrungsgrundlage, vor allem für die Jungenaufzucht.

 

Besser für unsere Tiere geeignet sind zum Beispiel Roter Hartriegel, Gemeiner oder Wolliger Schneeball, Pfaffenhütchen, Gemeine Berberitze oder Kornelkirsche. Von Weißdorn, Schlehe, Wildrose und Holunder profitieren auch Nachtschmetterlinge und andere Insekten, die ihrerseits Nahrung für Fledermäuse sind. Und von einigen Arten, wie Holunder und Kornelkirsche, können Sie sogar selbst naschen und aus den Früchten leckere Gelees und Liköre herstellen.

 

Standortfaktoren beachten

Welche heimischen Bäume und Sträucher speziell in Ihrem Garten gut gedeihen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen natürlich vom Platz, den Sie zur Verfügung haben.

Einige Arten, wie Schwarzer Holunder, Hainbuche, Gewöhnlich Hasel oder Gewöhnlicher Liguster vertragen Rückschnitte gut, wenn Sie Ihnen zu groß werden.

Zum anderen sind die Qualität des Bodens und die Sonneneinstrahlung zu berücksichtigen. Auf einem feuchten, vielleicht sogar sauren Boden gedeihen Arten, wie etwa der Faulbaum. An einem trockenen, sonnigen Standort kommt etwa die Schlehe gut zurecht.

Schauen Sie sich vor der Auswahl um, was in der Umgebung an einem ähnlichen Standort wild wächst. Oder nutzen Sie die schöne tabellarische Zusammenstellung heimischer Gehölze des NABU im Internet, mit Angaben zu Wuchshöhe, Standortansprüchen und den Nutzen für die Tierwelt.

 

Gehölze können jetzt noch gepflanzt werden
Zwar wird der Herbst zum Pflanzen von Gehölzen bevorzugt, da die Wurzeln dann mehr Zeit zum Anwachsen haben, bevor sie die ersten Blätter mit Wasser versorgen müssen. Aber auch im Februar und März, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, kann noch gepflanzt werden. Sie können Gehölze als wurzelnackte Ware, Ballenware oder Containerware kaufen.

Bei wurzelnackter Ware müssen die Wurzeln vor dem Einsetzen etwas eingekürzt und faule Teile abgeschnitten werden. Danach werden auch die Triebe um etwa ein bis zwei Drittel gekürzt. Das Pflanzloch sollte etwa einen Spatenbreit tiefer und breiter sein, als die Wurzeln oder der Ballen. Nach dem Einsetzen der Pflanze wird es mit Erde locker aufgefüllt, diese leicht angedrückt und dann gewässert.

Die Wildpflanzen brauchen keinen Dünger, oft schadet er den Pflanzen sogar. Eine Mulch-Schicht, zum Beispiel aus Falllaub, schützt vor Austrocknung, sorgt für natürliche Nährstoffzufuhr und bietet Kleintieren Schutz.

 

Und schon haben Sie einen Beitrag für den Erhalt der heimischen Arten-Vielfalt geleistet.

Mit bestem Dank, Ihre Britta Kunz

 

Januar 2023 - Der "Zorro" des Tierreichs ist 'Wildtier des Jahres 2023

Wer einmal das Glück hat, einen Gartenschläfer zu Gesicht zu bekommen, wird vermutlich unweigerlich an ‚Zorro‘ denken. Der nur um die fünfzehn Zentimeter kleine Bilch, der mit der Haselmaus und dem bekannteren Siebenschläfer verwandt ist, trägt eine ‚Maske‘ aus schwarzem Fell, die sich von den Augen bis zu den großen Ohren zieht und an die Augenbinde des filmischen Banditen erinnert.

Ansonsten ist der Gartenschläfer, der jüngst von der Deutschen Wildtierstiftung zum ‚Wildtier des Jahres 2023‘ gewählt worden ist, eher unscheinbar weißlich-grau bis braun gefärbt. Ursprünglich war er in felsenreichen und gut strukturierten Wäldern der Mittelgebirge zuhause, wo er genügend Versteckmöglichkeiten und ausreichend Nahrung fand. Vermutlich auch, weil solche Wälder durch eine intensive Forstwirtschaft lange Zeit selten waren, ist die Zahl der Gartenschläfer in den letzten dreißig Jahren in ganz Europa um etwa fünfzig Prozent zurückgegangen.

 

Gartenschläfer - der Name ist "Progamm"

An manchen Orten haben Gartenschläfer glücklicherweise in der Nähe der Menschen eine „neue Heimat“ gefunden. Sein Name ist also „Programm“, da er in Gärten und Parks, aber auch in Weinbergen und Streuobstwiesen, vorkommt.

Das Leben im Siedlungsbereich birgt aber auch Gefahren. Offene Regentonnen, Netze um Obststräucher und herumliegender Draht, Giftköder gegen Ratten und Mäuse sowie Hauskatzen können den Tieren dort um Verhängnis werden.

 

Nachtaktiver Kletterer mit "Rettungsanker"...
Gartenschläfer zu beobachten, ist allerdings überall schwierig. Nicht nur, weil die kleinen Kerle auch in NRW selten geworden sind. Sondern auch, weil sie meist nur nachts aktiv sind.

Die Tage verbringen Gartenschläfer gut versteckt in Hecken, Baumhöhlen, Spalten an Gemäuern oder auch mal in dem einen oder anderen Vogel-Nistkasten.

Ihr behaarter Schwanz, der fast genauso lang ist wie der Körper, hilft ihnen beim Klettern zu balancieren und sich festzuhalten.
Der buschige Schwanz kann Gartenschläfer sogar davor retten, gefressen zu werden. Das Gewebe des Schwanzes hat nämlich eine Sollbruchstelle, an der es leicht abreißt. Räuber, wie Eulen und Marder, die einen Gartenschläfer am Schwanz packen, sind vermutlich ziemlich verdutzt, wenn sie, statt „fetter Beute“, nur ein kleines Stück des Tieres erwischen. Der Gartenschläfer nagt dann die freiliegenden Wirbel seines Schwanzes ab, das Ganze verheilt und zurück bleibt ein stummelschwänziger, aber lebender Bilch.

 

...und manchmal gesprächiger Hausgast
Manchmal dringen Gartenschläfer auch in bewohnte Gebäude vor. Dank ihrer schwieligen Fußsohlen und kräftiger Beine können sie sogar an Hauswänden hochklettern. Hat sich ein Gartenschläfer, zum Beispiel auf dem Dachboden eines Hauses, „häuslich“ eingerichtet, kann es schon mal hoch hergehen. Die Tiere verfügen über viele verschiedene knarrende, keckernde und pfeifende Laute und sind, vor allem in der Paarungszeit durchaus „gesprächig“.

Ab Juni muss sich das Weibchen dann um vier bis sechs Junge kümmern, die sich für etwa sechs Wochen in einem kugelförmigen, gut gepolsterten Nest eng aneinander kuscheln.

 

Derzeit im Winterschlaf

Jetzt, im Januar, dürfte es aber still in den Quartieren sein.

Da Bilche keinen Blinddarm besitzen, können sie faserreiche Pflanzenkost, wie Blätter und Gräser, schlecht verdauen. Sie sind auf leichtverdauliche Nahrung wie Nektar, Früchte, Samen sowie Insekten und andere kleine Tiere angewiesen. Diese Nahrung ist im Winter rar.

Um diese Zeit zu überbrücken und Energie zu sparen, halten Gartenschläfer bei uns rund sechs Monate eine Art Winterschlaf. Dafür fahren sie ihren Stoffwechsel herunter und senken ihre Körpertemperatur auf erstaunliche -1 Grad Celsius ab.

 

Meldungen willkommen!

Insgesamt weiß man aber noch recht wenig über den kleinen „Zorro des Tierreichs“, vor allem, wo er noch überall vorkommt. Sollten Sie einen Gartenschläfer bei sich vermuten, freuen wir uns über eine Meldung.

Helfen können Sie dem kleinen Bilch und seinen Verwandten übrigens mit einem möglichst naturnahen Garten ohne Einsatz von Giften und indem Sie die oben genannten Gefahren, wie offene Regentonnen und Obstnetze, beseitigen.

Auch entsprechende Nistkästen, die man kaufen oder leicht selbst bauen kann, werden gerne angenommen.

Dann wird es vielleicht auch für die Bilche ein gutes Jahr.


Ich wünsche Ihnen für 2023 Gesundheit, Zufriedenheit und Zuversicht. Ihre Britta Kunz

 

Dezember 2022 - Ilex: stechender Weihnachtsschmuck unter Naturschutz

Wenn der Herbstwind alle Blätter von den Laubbäumen geweht hat, fällt eine Pflanze im Unterwuchs unserer Wälder besonders auf: der Ilex, auch Stechpalme genannt. Als eines der wenigen immergrünen, heimischen Laubgehölze in unseren Breiten, tritt er mit seinen dunkelgrünen Blättern und den roten Früchten jetzt besonders deutlich hervor.

Allzu hoch wird er nicht, selten über acht Meter, aber oft bildet er dichte Bestände. Das gelingt ihm durch unterirdische Sprosse, aus denen in kurzen Abständen neue Sträucher hervorwachsen. Auch Ilex-Zweige, die den Boden berühren, können Wurzeln bilden.

Man kann sich daher kaum vorstellen, dass die Pflanze einmal fast aus unserer Gegend verschwunden war.

 

Weihnachtsschmuck seit dem Mittelalter

Bereits im Mittelalter, also lange bevor Fichten und Tannen als Weihnachtsbäume in Mode kamen, stellte man sich zur Weihnachtszeit Ilex-Zweige ins Haus. Im englischsprachigen Raum hat Ilex bis heute als Weihnachtsschmuck Tradition.

Und die Farben des Ilex, Grün und Rot, sind auch bei uns noch immer die traditionellen Weihnachtsfarben.

Diese früher so stark ausgeprägte Vorliebe für Ilex als Weihnachtsschmuck führte jedoch zu regelrechten Plünderungen der Pflanze. Vor allem auch im Bergischen Land. Die Zweige waren Exportschlager, die per Bahn in großen Mengen auch in andere Regionen transportiert wurden. Und da die Zweige zur Zeit des Fruchtens geschnitten wurden, konnten sich die Pflanzen nicht mehr über Samen vermehren und ausbreiten.

Wer sich Ilex-Sträucher einmal genau anschaut, wird bemerken, dass nur einige der Sträucher Früchte tragen. Beim Ilex gibt es nämlich männliche und weibliche Individuen. Nur die weiblichen können Früchte bilden. Der Ilex ist ‚zweihäusig‘, wie man in der Botanik dazu sagt.

 

Die Stacheligkeit verliert sich mit der Wuchshöhe
Das Schneiden der Zweige muss eine ziemlich unangenehme Sache gewesen sein. Der andere Name des Ilex, ‚Stechpalme‘, kommt nicht von ungefähr. Die Blätter sind fest und die Blattränder sind zu spitzen Stacheln ausgewachsen.

Allerdings besitzen nur die unteren Blätter Stacheln. Vermutlich, weil es bei uns keine Giraffen gibt. Die Stacheln sind nämlich ein Fraßschutz gegen Reh und Co. Weiter oben am Strauch, wo die Tiere nicht hinkommen, haben die Blätter keine Stacheln mehr.

Wer sich einmal durch einen Ilex-Bestand schlagen musste, kann sich vorstellen, wie gut die Fraßabwehr funktioniert, denn die Stacheln durchdringen mit Leichtigkeit auch dickere Hosen.

 

Weiterer Abwehrmechanismus: Giftigkeit

Zusätzlich setzt die Pflanze noch auf ein anderes Mittel, um nicht gefressen zu werden: sie ist für die meisten Säugetiere giftig. Der Verzehr, zum Beispiel der Früchte, kann unter anderem zu Übelkeit und Lähmungserscheinungen bis hin zum Herzstillstand führen.

Vögel dagegen können die Früchte problemlos fressen, tun dies aber erst, nachdem die Früchte einige Fröste abbekommen haben. Dann aber tragen Vögel zur Ausbreitung der Pflanze bei, indem sie die Samen der Früchte unverdaut wieder ausscheiden.

 

Was uns die Pflanze über das Klima sagt
Ilex ist übrigens auch ein Klima-Anzeiger. Er ist erst nach der letzten Eiszeit wieder aus südlicheren Gefilden zu uns eingewandert. Er wächst nur dort, wo es im Januar im Mittel meist nicht kälter als Null Grad wird.

Allerdings darf es auch nicht zu trocken sein. Beides trifft für unsere Region (noch) zu, sind wir hier doch vom relativ milden und feuchten atlantischen Klima beeinflusst.

Das Waldklima kommt dem Ilex zusätzlich entgegen, vor allem wohl wegen der Feuchtigkeit. Meist wächst er auf den feuchteren Westhängen.

Wo es zu kalt ist, aber auch auf den wärmeren Südhängen. Wie er mit der zunehmenden Trockenheit in unseren Breiten zurechtkommen wird, bleibt abzuwarten.

 

Historsiche Ortsmanen zeugen von früheren Vorkommen

Dass Ilex schon lange bei uns vorkommt, darauf weisen Orts- und Flurnamen hin. Die Pflanze wird nämlich nicht nur Ilex und Stechpalme, sondern auch Hülse genannt. So gibt es zum Beispiel in Ennepetal die Hülsenbecke und in Witten-Annen denn Hüllberg.

Vielleicht schauen Sie sich dort oder an anderen „Hülsenorten“ einmal um, ob Sie noch Stechpalmen entdecken.

Allerdings dürfen Sie sich keine Zweige für den Weihnachtsschmuck abschneiden, denn Ilex steht mittlerweile bei uns unter Naturschutz.

Entspannte und erholsame Feiertage wünscht Ihnen

Ihre Britta Kunz

November 2022 - "Der "Deichgraf nagt an der Kreisgrenze"
Vor wenigen Tagen durfte ich mir eine Biber-Burg ansehen. Natürlich gab es keine „Burg-Führung“ durch die Räumlichkeiten des großen Nagers, nur von außen konnte ich das stattliche Bauwerk bewundern. Eine beachtliche Menge an zum Teil armdicken Ästen war vor dem Ufer aufgetürmt und geschickt ineinander gesteckt.

Normalerweise graben Biber ihre Baue in Böschungen. Wo das Ufer aber zu flach oder steinig ist, wird stattdessen eine geschützte Wohnstätte aus Pflanzenmaterial, die „Burg“ aufgetürmt. Die Wohnkammer der Baue und Burgen liegt stets trocken oberhalb des Wasserspiegels. Der Eingang aber liegt, zum Schutz vor ungebetenen Gästen, immer unter der Wasseroberfläche. Sind die Gewässer dafür zu flach, hilft der Biber mit einem Damm nach, der den Wasserspiegel steigen lässt.

 

Der Biber in NRW - gejagdt und ausgerottet
Dass wir heute wieder Biber in Nordrhein-Westfalen haben, ist zwei Projekten zur Wiederansiedelung zu verdanken. Vor gut 150 Jahren waren die Tiere nämlich ausgerottet. Sie wurden wegen ihres dichten Fells und ihres moschusähnlichen Duftsekretes gejagt.

Zudem waren Biber eine beliebte Fastenspeise. Da sie im Wasser leben und einen schuppigen Schwanz haben, erklärte die katholische Kirche sie zu Fischen. Zu allem Übel fällt die die Fastenzeit auch noch mit der Trächtigkeit der Biberweibchen zusammen.

 

Geschichte einer Wiedergutmachung

Vor vierzig Jahren begann dann die Wiedergutmachung. Die Landesforstverwaltung im Kreis Düren setzte in der Eifel drei Biberpaare aus Polen frei.

Zwanzig Jahre später wurden weitere 23 Tiere am Niederrhein freigelassen.

Seitdem breitet sich der Biber stetig weiter aus. In Westfalen kann man sie, zum Beispiel, entlang der Lippe antreffen.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis ist der Biber noch nicht richtig angekommen, aber er „nagt“ sozusagen bereits an der Kreisgrenze. Die Biber-Burg, die ich bestaunen durfte, befindet sich in der Wupper bei Beyenburg.

 

Auf dem Speiseplan steht reine Pflanzenkost
Biber sind reine Vegetarier. Von Frühling bis Sommer ernähren sich die bis zu 1,30 Meter großen und bis zu 30 Kilogramm schweren Nager von Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen.

Für den Winter legen Biber Vorräte aus Ästen von Sträuchern und eigens dafür gefällten Bäumen an. Die Äste werden unter Wasser gezogen und bleiben so frisch. Baumstämme werden in der, wohl jedem bekannten, Biber-Manier rundum benagt, bis sie umkippen.

 

Biber sind Landschaftgestalter und Förderer der Artenvielfalt
Durch das Fällen von Bäumen und das Aufstauen von Gewässern greifen Biber, wie keine andere in Europa vorkommende Art (mit Ausnahme von uns Menschen) in das Ökosystem ein, in dem sie leben. Sie sind sogenannte Ökosystemingenieure. Gehölze werden zurückgedrängt, die Landschaft wird offener, Teiche und Feuchtwiesen entstehen, so, wie es vor über hundert Jahren in vielen Teilen des Landes bereits einmal war.

Davon profitieren auch verschiedene Libellen-,  Amphibien- und Fisch-Arten, aber auch Vögel wie Schwarzstorch und Eisvogel.

 

Biber stärken unsere Gewässer gegenüber den Effekten des Klimawandels
Biber verbessern auch die Eigendynamik „ihrer“ Gewässer. Hochwasserspitzen werden durch das Aufstauen gekappt, Sediment wird zurückgehalten. Andererseits werden die Abflüsse bei Niedrigwasser und die Grundwasserneubildung gefördert und hohe Wassertemperaturen im Sommer im Gewässerabschnitt unterhalb der Dämme gemildert.

 

Konfliktpotential...

Natürlich gibt es, wo Mensch und Biber sich baulich zu nahe kommen, auch Konflikte und Kosten. Sei es, dass ein Biber-Damm einen Vorfluter verstopft, sei es eine unterhöhlte Straßenböschung, ein überschwemmter Acker oder ein angenagter Apfelbaum. Der Biber zeigt uns damit aber auch, wo Menschen, im wörtlichen Sinne, zu nah ans Wasser gebaut haben. Denn sein Aktionsradius an Land beschränkt sich in der Regel auf zwanzig bis dreißig Meter beidseits "seines" Gewässers.

 

...und kostenlose Renaturierung

Wenn man Glück hat, kann einem jedoch schon ein einziger Biber jede Menge Kosten ersparen. Unsere Gewässer müssen nämlich gemäß einer europaweiten Richtlinie in einen guten ökologischen Zustand zurückversetzt werden. Ein Kollege hielt einmal einen Vortrag über eine solche Renaturierungsmaßnahme, die eine siebenstellig Summe kosten sollte. Bevor mit der Maßnahme begonnen werden konnte, siedelte sich ein Biber an und gestaltete alles genau so um, wie geplant. Nur kostenlos.

 

Wir bekommen von der Natur viel mehr zurück, als wir in sie investieren. Bleiben Sie zuversichtlich.

Ihre Britta Kunz

 

Oktober 2022 - Wie gehen Tiere mit Unwetter um?

Kennen Sie den Ausspruch: „die Ruhe vor dem Sturm“? Wenn man vor einem Gewitter oder Sturm in der Natur unterwegs ist, trifft das wortwörtlich zu. Es wird ganz still.

Kein Vogelgezwitscher ist mehr zu hören. Viele Tiere haben eine sehr feine Wahrnehmung für bevorstehende Wetterumschwünge. Besonders für kleine Tiere kann es überlebenswichtig sein, sich schon vor einem Unwetter an einem sicheren Ort zu verstecken.

 

Eichhörnchen und Siebenschläfer verbringen „stürmische Zeiten“ gerne in Baumhöhlen.

Füchse, Dachse, einige Mausarten und andere Tiere, die Bodenhöhlen bewohnen, verstecken sich in ihren Bauen.

Igel suchen Schutz unter Sträuchern, Totholz oder Reisighaufen.

Rehe zieht es in schützende Waldbereiche oder Gebüschsäume. Daher sieht man sie nach einem Regen, wenn sie wieder aus der Deckung herauskommen, häufig am Waldrand grasen.

Wildschweine sind etwas härter im Nehmen und trotzen Regen und Wind länger als viele andere Wildtiere. Vielleicht kommt daher auch der Ausdruck „Sauwetter“.

Vögel ziehen sich in möglichst dichtes und windgeschütztes Geäst zurück. Höhlenbrüter wie Kohlmeisen haben es vergleichsweise einfach, sie kennen meist ihre Bruthöhlen oder Nistkästen und können diese als Zufluchtsort nutzen. Manche Vögel, wie Hausspatzen oder Dohlen, suchen bei Unwetter auch mal an Gebäuden Unterschlupf. Man sieht sie dann in Efeu an einer Hauswand einfliegen oder dichtgedrängt in Gebäudenischen sitzen.

 

"Abdrift"

Während des Vogelzugs kann Unwetter für Vögel zum Problem werden, vor allem bei starkem Gegenwind. Dann muss der Vogelzug eventuell unterbrochen werden. Manchmal kommen Vögel durch starke Winde auch weit vom eigentlichen Zugweg ab. Solche „Irrgäste“ sorgen für einige Aufregung unter den Vogelbeobachtern, weil dann plötzlich eine Vogel-Art in einem Gebiet gesichtet wird, in dem sie sonst nicht vorkommt.

 

Fledermäuse beleiben "zuhause" ....und müssen hungern
Unsere Fledermäuse übertagen in geschützten Quartieren, nachts gehen sie von Frühjahr bis Spätherbst auf Insektenfang. Wenn es dann aber nachts stürmt und regnet, verlassen vor allem kleine Fledermaus-Arten ihre Quartiere nicht.  Zielgerichtetes Fliegen und die Nahrungssuche ist für diese, oft nur wenige Gramm „schweren“, Leichtgewichte, bei Starkwind kaum oder nur schwer möglich. Und viele Kleinsttiere, die auf dem „Fledermaus-Speiseplan“ stehen, verstecken sich dann ohnehin. Mehrere Nächte im Frühjahr und Sommer ohne Futter können aber, insbesondere für säugende Fledermaus-Weibchen und ihre Jungtiere, zum Problem werden. Sie benötigen besonders viel Nahrungsenergie. Und im Herbst müssen sich die hier überwinternden Fledermäuse ausreichende Reserven für den Winterschlaf anfuttern können.

 

Apropos „Fledermaus-Futter"

Insekten und Spinnen kann ein starker Wind wegwehen, Regen kann sie fortspülen. Es ist leicht vorstellbar, dass ein dicker Regentropfen, der ungebremst auf ein kleines Insekt trifft, diesem einigen Schaden zufügen kann. Bei Regen findet man diese Tiere daher oft auf den Blattunterseiten, die Blätter sozusagen als Regen- und Schutzschirme nutzend.

Sie suchen aber auch Schutz unter hervorstehender Rinde, in Spalten am Boden, in Felsen oder Hauswänden.

 

"Pummelige" Flugakrobaten trotzen dem Wind

Eine Ausnahme bilden die etwas wetterfesteren Hummeln. Auch stärkerer Wind wirft Hummeln nicht so schnell aus der Flugbahn. Starre Flügel erzeugen Auftrieb, indem die Luft schneller über die gewölbte Oberseite strömt als darunter hindurch. Sie sind relativ windanfällig. Nicht so Hummelflügel. Sie erzeugen durch ihr Schlagen kleine Wirbel, die für Auftrieb sorgen und durch Wind weitgehend unbeeinflusst bleiben. Kein Wunder also, dass die Technikwissenschaften den Hummelflug erforschen. Man hofft, durch die Erkenntnisse stabilere Fluggeräte entwickeln zu können.  

 

Vom Winde verweht...
Werden Tiere doch vom Wind verweht, muss das nicht immer von Nachteil sein. Vorausgesetzt natürlich, sie überleben die turbulente Reise. Durch das Verdriften können neue Lebensräume erschlossen werden, die diese Tiere sonst nicht oder nicht so schnell „erobert“ hätten.

Viele Pflanzenarten sind sogar auf die Ausbreitung ihrer Nachkommen an andere Standorte durch den Wind spezialisiert, denken sie nur an die geflügelten Samen des Ahorns oder an die „Pusteblume“, den Löwenzahn.

 

Vielleicht haben Sie ja Spaß daran, sich die Herbstwinde um die Nase wehen zu lassen. Ansonsten aber wünsche ich Ihnen nicht allzu stürmische Zeiten!

Ihre Britta Kunz

 

September 2022 - "Herbstzeit-Lose" : Giftge Schönheit mit Verwechslungsgefahr

Wer jetzt im September spazieren geht, mag an mancher Stelle den eigenen Augen nicht trauen. Dann nämlich, wenn auf einer Wiese scheinbar ein Meer aus „Krokussen“ blüht. Jetzt, im Herbst!

Foto: Blätter und Fruchtstand einer Herbstzeitlosen (im Frühjahr!)

Was seine rosa Blüten in den Himmel streckt und auch auf den zweiten Blick noch sehr wie Krokusse aussieht, sind aber in Wirklichkeit die Herbstzeitlosen. Wie der Name dieser Pflanzen treffend beschreibt, blühen sie im Herbst, manchmal sogar bis in den November hinein. Herbstzeit-Lose wäre eigentlich die bessere Schreibweise, denn ‚lose‘ leitet sich vom Althochdeutschen ab und bedeutet so viel wie ‚vorhersagen‘. Die Pflanzen künden daher mit ihrer Blütezeit wie ‚vorhersagen‘. Die Pflanzen künden daher mit ihrer Blütezeit wortwörtlich den nahen Herbst an.

 

Blüte im Herbst - Blätter und Früchte im Frühjahr
Betrachtet man die Pflanzen genauer, erkennt man einen wesentlichen Unterschied zu Krokussen: Herbstzeitlose haben während der Blütezeit keine grünen Blätter. Jetzt, im Spätsommer, wachsen nur die rosa oder hellvioletten Blüten aus einer im Boden verborgenen Knolle heraus.

Das besondere dieser Blüten ist nicht nur der späte Zeitpunkt, an dem sie auftreten, sondern auch, dass darin nur die Staubblätter mit dem Pollen zu sehen sind. Der Fruchtknoten, der später die Samen ausbildet und für die Vermehrung der Pflanze sorgt, bleibt noch in der Knolle unter der Erde verborgen. Erst im nächsten Frühjahr treibt er, zusammen mit den Blättern, aus.

 

Giftige Schönheit

Und auch dann trügt der Schein, denn die grünen Blätter der Herbstzeitlose ähneln denen des Bärlauchs. Wenn Sie Bärlauch sammeln, können Sie sich aber zum Glück auf Ihre Nase verlassen. Bärlauch-Blätter riechen nach Knoblauch, Herbstzeitlosen-Blätter nicht.

Das ist wichtig zu wissen, denn Herbstzeitlosen enthalten in allen Pflanzenteilen das Gift Colchicin. Es ist schon in geringen Dosen für Säugetiere, also auch für uns Menschen, und für Vögel tödlich.

Der Name des Giftes leitet sich von der antiken Landschaft Kolchis am Schwarzen Meer ab. Dort soll nach der griechischen Mythologie die Zauberin und Giftmischerin Medea gelebt haben.

 

Colchicin - Verwendung in der Medizin und Pflanzenzucht

Verteufeln sollte man das Gift aber nicht. Es wird auch heute noch, natürlich in sehr geringer Dosierung, in der Medizin zur Behandlung von akuten Gichtanfällen eingesetzt oder wenn andere Gichtmedikamente nicht vertragen werden.

In der Pflanzenzucht lassen sich mithilfe von Colchicin Pflanzen züchten, die größer und kräftiger sind. Colchicin führt dazu, dass das Erbgut bei der Zellteilung nicht gleichmäßig auf beide Zellen verteilt wird. Dadurch entstehen größere Zellen, die mehr Erbgut enthalten als andere. Was für tierische Zellen den Tod bedeutet, führt bei Pflanzen mitunter zu einer stärkeren Ausprägung von Merkmalen.

 

Probleme für Beweidung und Mahd
Landwirte sehen Herbstzeitlose allerdings verständlicherweise nicht so gerne auf ihren Wiesen und Weiden stehen. Da das Colchicin auch in getrockneten Pflanzen giftig bleibt, ist die landwirtschaftliche Nutzung von Herbstzeitlosen-Wiesen oder -Weiden nur sehr eingeschränkt, wenn überhaupt, möglich. Nur in der kurzen Zeit, wenn zwischen Blüte und Blattaustrieb alle Pflanzenteile unter der Erde zurückgezogen sind, kann beweidet oder für Heu gemäht werden. Da sich das für Landwirte meist nicht lohnt, werden solche Flächen oft durch den ehrenamtlichen Naturschutz oder Biologische Stationen gemäht und gepflegt. Das Schnittgut wird dann natürlich nicht als Tierfutter verwendet, sondern gemulcht oder abgefahren.

 

Ohne regelmäßige Mahd würden die Flächen verbuschen und die Herbstzeitlose würde verschwinden. Das möchte man verhindern, denn in Nordrhein-Westfalen gelten Herbstzeitlose als gefährdet. Herbstzeitlosen-Wiesen oder -Weiden sind bei uns eher eine Seltenheit. In Deutschland kommt die Herbstzeitlose hauptsächlich im Süden vor und wird generell nach Norden hin immer seltener.

 

Wichtige ökologische Funtktionen
Übrigens ist der Nektar, den die Blüten der Herbstzeitlose jetzt produzieren, eine wichtige Futterquelle für viele Insekten, zum Beispiel für Nachtfalter wie die Gammeule. Nachtfalter sind wiederum wichtige Bestäuber verschiedener Pflanzen-Arten und ihrerseits Futter für andere nachtaktive Tiere, wie Fledermäuse. Die Samen der Herbstzeitlose tragen kleine ölige Anhänge, die gerne von Ameisen gefressen werden.

 

Trotz aller Herausforderungen, vor die diese Pflanze uns stellt, ist sie also nicht nur schön anzusehen. Sie hat viele wichtige Funktionen im feingesponnenen ökologischen Netz des Lebens, viel mehr, als hier kurz dargestellt.

Und da ihre Blüte den Herbst ankündigt, wünsche ich Ihnen einen schönen Herbstanfang.

Ihre Britta Kunz

 

August 2022 - Distelfinken

Wer einen Garten sein Eigen nennt und darin über den Sommer auch ein paar Disteln oder Karden wachsen lässt, der bekommt dieser Tage vielleicht Besuch von farbenprächtigen Stieglitzen.

Sie tauchen jetzt gerne dort auf, wo verblühte Wildkräuter geduldet werden. Wie bei vielen Finken, Foto: W. Püttmann                                                  zu denen Stieglitze gehören, stehen Samen von Wildpflanzen ganz oben auf ihrer Speisekarte. Vielleicht kennen Sie die etwa sperlingsgroßen Vögel auch unter dem Namen ‚Distelfinken‘, der auf ihre „kulinarische Vorliebe“ hinweist.

 

Wie der Distelfink zu seinem roten Gesicht kam

Mit ihrer leuchtend roten Gesichtsmaske sind die kleinen Vögel auffällig und gut zu erkennen. Männchen und Weibchen unterschieden sich nur geringfügig. Die Gefiederfarben sollen bei den Männchen manchmal etwas intensiver und stärker ausgeprägt sein, als bei den Weibchen, was den meisten von uns aber nur im direkten Vergleich auffallen dürfte.
Es gibt mehrere Sagen und kleine Geschichten, mit denen Menschen früher zu erklären versuchten, warum Stieglitze ein rotes Gesicht haben. So soll ein Stieglitz Jesus einen Dorn aus der Haut gezogen haben und durch den Kontakt mit dem heiligen Blut färbte sich sein Gesicht auf Dauer rot.
Das Rot entwickelt sich aber erst bei den erwachsenen Vögeln, Jungvögel sind noch unauffällig braun gefärbt. Bei erwachsenen Stieglitzen ist auch die gelbe Flügelbinde ein gutes Erkennungsmerkmal und sogar im Flug sichtbar. Der Flug ist ein stetiges Auf und Ab in kurzen Wellen, auch das ist auffällig und typisch für die Art.

 

Zwitschernd in Trupps unterwegs

Meist tun Stieglitze ihre Anwesenheit zudem durch ihren variablen zwitschernden und trillernden Gesang kund. Dieser ist zwar nicht sehr laut, aber doch als beständiges und eindringliches Hintergrundgeräusch gut wahrnehmbar.

Vor allem jetzt, da die Jungen ausgeflogen sind und  Stieglitze oft in kleinen Trupps überall dort umherstreifen, wo es ausreichend Nahrung gibt: in naturnahen Gärten, auf Brachflächen und noch nicht gemähten Wiesen und Waldrändern. Die Vögel suchen auch mal den einen oder anderen Blumenkasten auf, falls dieser Leckeres für sie bereithält.

 

Akrobatische Suche nach Pflanzensamen

Außer Samen von Disteln und Karden kann man sie, zum Beispiel, auch an den verschiedenen Ampfer-Arten, an Wegerich-Gewächsen, Mädesüß, Hirtentäschel, Beifuß, Kornblume und Knöterich-Arten bei der Nahrungssuche beobachten.

Um an die Pflanzensamen zu kommen, lassen sie sich auch schon mal sehr akrobatisch kopfüber hängen. Ihr heller, spitzer und kräftiger Schnabel ist ideal für das Pflücken und Knacken der Sämereien. Im Gegensatz zu den zumeist zuckerhaltigen Pflanzenfrüchten, enthalten viele Pflanzensamen Fett und vor allem Protein. Letzteres ist auch für das Wachstum der Jungvögel wichtig.Daher füttern Stieglitze sogar ihre Jungen mit ausgewählten Sämereien. Insekten werden nur ab und zu vertilgt.

 

Verblühte Wilkdkräuter bitte stehen lassen...

Bevor Sie also „unliebsame“ Wildkräuter ausreißen oder Verblühtes abschneiden, denken Sie bitte an die Stieglitze und lassen Sie etwas für die Vögel übrig. Verblühte Wildkräuter bis in den Herbst und Winter stehen zu lassen, ist umso wichtiger, da Stieglitze in der kalten Jahreszeit bei uns bleiben oder erst spät eine kurze Strecke nach Süden ziehen. Sicher findet sich ein Eckchen im Garten, wo Sie der Anblick nicht stört, auch wenn Sie ansonsten lieber einen „aufgeräumten“ Garten mögen.

 

....und ein bisschen Wasser katzensicher bereit stellen
Und jetzt, in der heißen Jahreszeit, freuen sich nicht nur Stieglitze zusätzlich über ein bisschen Wasser, denn natürliche Wasserstellen wie Pfützen und Gräben sind fast überall ausgetrocknet. Es muss keine spezielle Vogeltränke sein, ein Blumentopf-Untersetzer tut es auch.

Unabdingbar ist, dass die Wasserstelle täglich gesäubert wird, damit keine Krankheiten von einem Vogel auf andere übertragen werden. Das Wasser muss täglich gewechselt und der Napf vor dem erneuten Befüllen mit kochendem Wasser ausgespült werden.

Alternativ können Sie auch zwei Untersetzer im Wechsel verwenden. Den leeren Napf lässt man dann vor dem erneuten Befüllen 24 Stunden in der Sonne durchtrockenen.

Stellen Sie die Tränke so auf, dass Katzen sich nicht unbemerkt anschleichen können, also am besten in mehreren Metern Abstand von Hecken, Büschen und sonstigen Verstecken.

 

Und kommen auch Sie gut durch die heißen Sommertage.

Ihre Britta Kunz

 

Juli 2022 - Libellen

Sie tragen so verheißungsvolle und oft farbenprächtige Namen wie Blaugrüne Mosaikjungfer, Kleines Granatauge und Großer Blaupfeil. Man sieht sie im Sommer in tollkühnen Flügen vor allem um Stillgewässer umherschwirren. Manche Arten halten sich aber auch an Bächen und Flüssen auf. Sogar an Gartenteichen sind sie zu finden.

 

Libellen gehören zu den Insekten-Arten, die auf Gewässer angewiesen sind. Einen Großteil ihres Lebens verbringen sie als räuberische Larven im Wasser, machen Jagd auf andere Insekten, Kaulquappen und machen auch vor Artgenossen nicht Halt.

Bei machen Arten dauert es fünf Jahre, bis sich die Larve soweit entwickelt hat, dass sie an einem Pflanzenstängel aus dem Wasser an die Luft klettert und sich ein kleines Wunder vollzieht: 

Die Larvenhülle platzt auf und eine fertige Libelle, die so ganz anders aussieht als die Larvenhülle, in der sie steckte, schlüpft heraus. Die Flügel entfalten sich, die neue Körperhülle härtet aus und es beginnt ein nur wenige Wochen dauerndes Leben in den Lüften.


Flug-Akrobaten als Vorbild für Helikopter

Manche Arten können bis zu fünfzig Stundenkilometer schnell fliegen.

Sie können ihre beiden Flügelpaare unabhängig voneinander bewegen und nicht nur abrupt die Richtung wechseln, sondern auch in der Luft „stehen“ und sogar rückwärts fliegen.

Auch Loopings sind möglich.Ihr langer Hinterleib dient dabei der Stabilität.

Finden Sie, dass Libellen aussehen wie kleine Helikopter? Es  ist anders herum, bei der Konstruktion von Helikoptern hat man sich einiges von denn Libellen abgeschaut.

 

Jagen, fressen, kämpfen, sogar die Paarung der Libellen findet oft in der Luft statt. An Gewässern kann man das alles jetzt gut beobachten. Die Männchen etwa der Gebänderten Prachtlibelle, überwachen und verteidigen dort ihre Reviere. Rivalen werden umkreist und  mit einer „Flugshow“ zu beeindrucken versucht.

 

Akrobatische Paarung - das Paarungsrad

Vielleicht haben Sie schon einmal gesehen, dass eine Libelle mit ihren Zangen am Ende des Hinterleibes eine andere quasi „am Genick“ gepackt hat und die Tiere so zusammen herumfliegen. Das ist jedoch nicht Teil eines Revierkampfes, sondern der Beginn der akrobatischen Paarung. Im Flug oder im Sitzen biegt das Weibchen dann seinen Hinterleib so weit nach vorne, bis es das Begattungsorgan des Männchens erreicht hat. Dadurch entsteht ein geschlossener Kreis aus beiden Libellenkörpern, das sogenannte Paarungs-Rad.

 

Libellen können nicht stechen...

Sind die Eier befruchtet, legt sie das Weibchen an der Wasseroberfläche oder an Pflanzen ab. Das, was viele fälschlicherweise für einen Stachel halten, ist eine Legeröhre, die bei einigen Weibchen gut sichtbar ist und mit der die Eier abgelegt werden.

Sie brauchen also keine Angst zu haben, Libellen können nicht stechen. 

 

...aber sehr gut sehen! 

Was uns als zwei riesige Augen erscheint sind in Wirklichkeit sogenannte Komplexaugen, die sich aus je bis zu dreißigtausend winzigen Einzelaugen zusammensetzen. So ergibt sich ein sehr hohes Auflösungsvermögen, das es Libellen ermöglicht, auch schnelle Beutetiere gut zu erkennen und zu verfolgen.

Gefangen wird die Beute mit den Beinen, die zu einem Korb geformt werden und nach vorne schnellen.

 

Schau mir in die Augen...

An den Komplexaugen lassen sich übrigens auch die zwei Libellen-Untergruppen unterscheiden: Großlibellen und Kleinlibellen.
Anders als man aufgrund der Bezeichnung vermutet, ist die Größe der Libellen kein sicheres Unterteilungsmerkmal. Aber die Augen: Bei Großlibellen stoßen die Augen aneinander, bei Kleinlibellen berühren sie sich nicht.

 

Lebende Fossilien

Das  Aussehen und der Bauplan der Libellen haben sich seit über 150 Millionen Jahren kaum verändert. Sie sind „lebende Fossilien“. Vor etwa 300 Millionen Jahren flogen jedoch noch wesentlich größere Exemplare mit bis zu 75 Zentimetern Flügelspannweite durch die Luft. In einigen Naturkundemuseen kann man solche Riesenlibellen noch als Versteinerungen bewundern.

 

Auswirkungen des Klimawandels
Heutzutage wirkt sich der Klimawandel auf das Vorkommen und die Verbreitung der Libellen aus.

Wärmeliebende Arten, wie die Feuerlibelle, profitieren vom Klimawandel und breiten sich weiter aus. Anderen Arten, vor allem jene, die auf nährstoffarme Gewässer, zum Beispiel in Mooren, angewiesen sind, geht es dagegen nicht so gut.

Von den derzeit 73 in NRW vorkommenden Libellen-Arten gelten laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz schon fast die Hälfte als „gefährdet“, „stark gefährdet“ oder sogar „vom Aussterben bedroht“.

 

Manchen Libellen-Arten kann man auch mit kleinen Gartenteichen helfen. Sie dürfen allerdings im Winter nicht bis zum Grund durchfrieren und sollten frei von Goldfischen oder anderen Fischarten sein, die Larven fressen.

Vielleicht können Sie dann dort einmal das kleine Wunder direkt beobachten, wie aus einer grauen unscheinbaren Larve ein farbenprächtiger Luftakrobat wird.

 

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Juli.

Ihre Britta Kunz

 

Juni 2022 - Johannistag

Am 24. Juni ist Johannistag, der Geburtstag des Apostels Johannes des Täufers. Da er fast mit der Sommersonnenwende zusammenfällt, wird er in vielen Regionen der Welt als eine Art christliches Mittsommerfest gefeiert. Rund um den Johannistag ranken sich viele

weitere  Bräuche, Bauern- und Gartenregeln.

Foto: W. Püttmann

Früher, als man im Juni noch auf fast jeder Wiese und an jedem Wegesrand eine bunte

Blütenpracht finden konnte, pflückte man diese für Johannissträuße oder band sie zu Johanniskränzen oder Johanniskronen zusammen.

Welche Pflanzen in diesen Blumenschmuck gehörten, scheint nicht fest bestimmt zu sein. Gepflückt und gebunden wurde, wurde, was gerade blühte, zum Beispiel Kornblumen, Klatschmohn, Rittersporn und Rosen. Aber auch Eichenlaub und Farnkraut wurden genutzt.

Ganz sicher gehörte in viele Sträuße auch eine der vielen Johanniskraut-Arten.

Eine ganze Pflanzenfamilie, die Johanniskräuter, tragen den Namen des Apostels.

Bekannt dürfte vor allem das Echte Johanniskraut sein, da es auch als pflanzliches Antidepressivum eingesetzt wird.

Oft waren es sieben oder neun verschiedene Pflanzenarten, vermutlich, da diese Zahlen in der westlichen Mythologie als Glückszahl (die Sieben) beziehungsweise als Zahl der Vollkommenheit (die Neun) angesehen werden.

 

Heilkraft und Glück in der Liebe...

Man glaubte außerdem, dass die Pflanzen am Johannistag besonders starke Heilkraft besäßen. Das stimmt in gewisser Weise sogar, da viele Kräuter an warmen Sommertagen besonders viele ätherische Öle entwickeln.

Die duftenden Johannissträußchen wurden in die Wohnung gestellt oder in der Nacht auf den 24. Juni unter das Kopfkissen gelegt, um für Glück in der Liebe zu sorgen. Unter dem Esstisch verstreute Blüten, das so genannte „Johannisstreu“, sollten dasselbe bewirken.

 

...und Schutz vor Dämonen

Johanniskränze wurden über Tür und Fenster gehängt, um vor Geistern und Dämonen zu schützen, die in der Johannisnacht spukten. In manchen Gegenden war man etwas ängstlicher und lies die Kränze vorsichtshalber das ganze Jahr über hängen.

 

Beifuß schenkt keine Ausdauer!

Große, aus Zweigen, Blumen und Bändern geflochtene Kronen schmückten die Dorfplätze und sollten das Dorf vor Unheil bewahren. An manchen Orten wurde darunter gefeiert und getanzt, bis die Kränze verwelkt waren.

Der eine oder die andere hatte vielleicht auch einen aus Beifuß geflochtenen Gürtel beim Tanzen um. Dieser wurde später in das Johannisfeuer geworfen, was vor Anfeindungen schützen sollte. Auch der Beifuß steht mit Johanes dem Täufer in Verbindung, der bei seiner Wanderung durch die Wüste einen Kranz aus Beifuß bei sich getragen haben soll, um nicht zu ermüden. Dass Beifuß zu schnellem und ausdauerndem Laufen verhelfen soll, ist wahrscheinlich auf die Fehlübersetzung der althochdeutschen Bezeichnung für die Pflanze zurückzuführen. Der althochdeutsche Name bedeutet nämlich nicht ‚Fuß‘, sondern ‚stoßen, schlagen‘, vermutlich, weil Beifuß für die Abwehr von dunklen Mächten zerstoßen wurde.

 

Spargelsylvester, Ende der Rhababerzeit und Johannistrieb
Der Johannistag hat aber auch heute noch ganz praktische Auswirkungen auf unser Leben. Wer gerne Spargel isst, der muss sich jetzt beeilen, denn am Johannistag ist Schluss mit der Spargelernte, damit sich die Pflanzen bis zum nächsten Jahr regenerieren können.

Rhabarber sollte man nach dem Johannistag nicht mehr ernten, da er dann zu viel giftige Oxalsäure ansammelt.

Wer einen Walnussbaum im Garten hat, kann aber um den Johannistag herum die noch weichen, grünen Nüsse ernten und zur Herstellung von Walnusslikör verwenden.

An Obstbäumen können nach dem Johannistag die einjährigen Wasserreißer, dünne, senkrecht nach oben wachsenden Zweige, einfach herausgerissen werden. Abschneiden fördert dagegen die Ausbildung neuer Wasserreißer.

Gartenhecken können jetzt gut einen Pflegeschnitt gebrauchen. Die Hecken treiben danach noch einmal aus, allerdings ist dieser „Johannistrieb“ nicht mehr so üppig. Hecken und Sträucher aber bitte nur schneiden, wenn keine Vögel darin brüten. Radikal herunter schneiden ist ohnehin erst wieder ab dem 1. September erlaubt.

 

Und falls Sie ein Johannisträußchen pflücken, lassen Sie dort, wo Sie pflücken, bitte noch genug Blumen für die Insekten stehen.

Ich wünsche Ihnen einen duftenden Sommeranfang.

Ihre Britta Kunz

 

Mai 2022 - Weltbienentag

Am 20. Mai ist Welt-Bienen-Tag. Ein noch sehr junger Gedenktag, der erst 2018 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Damit soll alljährlich auf die Bedeutung der Bienen aufmerksam gemacht und zu deren Schutz aufgerufen werden.

Das Datum geht zurück auf den Geburtstag des slowenischen Imkermeister Anton Janša. Er untersuchte die Lebensweise der Honigbienen, entwickelte verbesserte Kästen für die Honigbienenhaltung und war unter Königin Maria Theresia Leiter der ‚Schule zur Förderung der Bienenzucht‘.

Foto: W. Püttmann                                                                                          Dass sein Geburtstag zum Welt-Bienen-Tag wurde, liegt vermutlich daran, dass er auch erforschte, wie die Anwesenheit von Honigbienen die Obstproduktion steigert. Damit legte er den Grundstein für die Erkenntnis, dass Bienen wichtig für die Ernährungssicherheit der Menschen und für die Biodiversität sind.

Ich habe hier ganz bewusst ‚Bienen‘ und nicht ‚Honigbienen‘ geschrieben. Die Aussage trifft nämlich ganz besonders auf die vielen Wildbienen-Arten zu.

 

Der Welt-Bienen-Tag ist auch den „wilden Bienen“ gewidmet.

Der Honigbiene geht es vergleichsweise gut. Sie ist ein Nutztier, das von Menschen gezüchtet, gehegt und gepflegt wird, vor allem um Honig zu gewinnen und Obstbäume zu bestäuben. Die Hobby-Imkerei hat in den letzten Jahren erfreulich viel Zulauf erfahren. Das wird mir auch aus den Imkervereinen des Ennepe-Ruhr-Kreises berichtet, die im Trägerverein der Biologischen Station Mitglied sind.

Ganz anders, steht es dagegen um die wilden Verwandten der Honigbiene.

Von den etwa 560 Wildbienen-Arten, die es in Deutschland gibt, ist über die Hälfte gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

 

Von Winzlingen und dicken Brummern

Manche Wildbienen sind winzig klein, mit bloßem Auge kaum als Bienchen auszumachen. Aber auch die „dicken“ Hummeln gehören dazu.

Unsere heimischen Wildbienen bilden, wenn überhaupt, viel kleinere Völker als die Honigbiene, bei Hummeln sind es zwischen 50 und 600 Tiere.

Viele Wildbienen-Arten leben aber solitär, das heißt, nach der Verpaarung legt das Weibchen Kammern mit Eiern und Proviant an und stirbt in der Regel, bevor der Nachwuchs geschlüpft ist.

 

Auf den richtigen Nistplatz kommt es an...

Als Nist-Ort können, je nach Wildbienen-Art, hohle Pflanzenstängel, Ritzen und Löcher in Holz, Stein oder Lehm und sogar leere Schneckenhäuser dienen. Aber warm und sonnig sollte es sein, damit die Brut nicht verpilzt und sich die Larven gut entwickeln können. Nisthilfen sollten daher immer nach Südosten oder Süden ausgerichtet sein.

Aber Achtung: beim Kauf und Bau von Nisthilfen kann man vieles falsch machen. So ist zum Beispiel Nadelholz nicht geeignet, weil sich die Holzfasen aufstellen und die Flügel der Tiere verletzten können. Auch die Schnittflächen von Bambusstängeln oder anderen hohlen Halmen müssen gut abgeschliffen und die Hohlräume frei von Faserresten sein. Baumscheiben, egal welcher Holzart, in die Löcher gebohrt werden, reißen meist auf und dann trocknet die Brut aus. Mehr Informationen zu Nisthilfen findet man zum Beispiel auf der Internetseite www.bienenretter.de.

 

...aber bitte auch an die Verpflegung denken!

Da Wildbienen nur wenige hundert Meter zur Nahrungssuche fliegen, muss in der Nähe einer Nisthilfe ausreichend Nahrung und Wasser zur Verfügung stehen.

Schon mit kleinen Blütenangeboten, etwa in Blumenkästen, kann man Wildbienen fördern. Gut eignen sich Kapuzinerkresse, Wicken, Lavendel, Vergissmeinnicht, Knäuelglockenblume. Auch Küchenkräuter wie Minze, Rosmarin, Thymian, Bohnenkraut und Schnittlauch sind gute Bienenpflanzen, wenn man sie zur Blüte kommen lässt.

 

Wildbienen sind hervorragende Bestäuber

Eine Untersuchung der Universität Würzburg in 19 Ländern zeigte, dass Nutzpflanzen, die auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen sind, mehr Früchte produzieren, wenn Honigbienen und wildlebende Insekten, und hier vor allem Wildbienen, zusammen bestäuben, als wenn nur Honigbienen vorhanden sind. Oder anders gesagt: 50 Honigbienen und 50 bestäubende Wildinsekten sind zusammen effektiver, als 100 Honigbienen alleine.

 

Wildbienen sind systemrelevant!

Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit 75 Prozent aller Nutzpflanzen und 90 Prozent der europäischen Wildblumen auf Bestäubung durch Insekten angewiesen sind. Jeder dritte Bissen, den wir essen, hängt von der Bestäubung durch Bienen ab. Damit trifft auf die Leistung dieser Tierchen ohne Frage ein Wort zu, dass wir in den letzten Jahren häufig gehört haben: systemrelevant.

Wir tun also gut daran, Wildbienen und andere Bestäuber zu fördern. Nicht nur am Welt-Bienen-Tag.

Ihre Britta Kunz

April 2022 - Melancholisch klingende Frühaufsteher

Als eine der ersten Vögel kündigen Rotkehlchen den herannahenden Morgen an.
Ihre kurzen Gesangsstrophen sind sehr variabel, es werden sogar kleine Sequenzen anderer Vogelgesänge nachgeahmt. Das macht es anfangs nicht leicht, den Gesang der Rotkehlchen von dem anderer Vögel zu unterscheiden. Wer ihn aber einmal so richtig im Ohr hatte, der wird ihn immer wieder erkennen, denn in jeder Strophe schwebt ein unverwechselbarer Hauch von Melancholie mit. Dabei verhalten sich die kleinen knopfäugigen Sänger alles andere als melancholisch.

 

Geringe Scheu gegenüber Menschen

Menschen gegenüber zeigen sie sich meist wenig scheu, folgen uns auf Spaziergängen in der Vegetation entlang des Weges. Im Garten kommen sie bis auf einen Meter heran und schauen uns bei der Arbeit zu. Hinter der scheinbaren Neugier steckt ein gesunder Appetit. Der Vogel hat gelernt, dass bei der Gartenarbeit Insekten und andere Kleintiere aufgescheucht und mit etwas Geschick zu seiner Mahlzeit werden können. Kommt man Rotkehlchen aber zu nahe, zeigen sie mit kurzen „zik“-Lauten an, dass sie sich gestört fühlen.

 

Manchmal sehen sie Rot
‚Rotkehlchen‘ ist eigentlich keine treffende Bezeichnung für den kleinen Vogel, denn das orangerote Gefieder bedeckt nicht nur die Kehle, sondern auch Gesicht und Brust. Und dient als Erkennungsmerkmal, nicht nur für uns Menschen. Die Männchen „sehen“ in der Balzzeit auch mal „Rot“ und greifen rote Gegenstände als vermeintlichen Nebenbuhler an. Vorsicht also, wenn Sie rote Gummistiefel auf der Terrasse stehen lassen, vielleicht bekommen diese es mit dem Schnabel eines Rotkehlchens zu tun. Es soll sogar einmal ein britischer Vogelkundler, der einen roten Bart hatte, attackiert worden sein.

 

Kleine Berühmtheit in der Zugvogelforschung
An Rothkehlchen wurde der Magnetkompass der Zugvögel entdeckt, ein hochsensibler „Sensor“, der Richtungsänderungen des Magnetfeldes der Erde und kleinste Änderungen in der Feldstärke wahrnimmt. Damit können Rotkehlchen und andere Zugvögel auch ohne Sicht auf Sonne, Mond und Sterne die richtige Zugrichtung einhalten.

Aber nicht alle Rotkehlchen ziehen im Herbst in den Süden, einige Männchen und Weibchen bleiben den Winter über bei uns. Wer zieht und wer nicht, ist zum Teil genetisch festgelegt, hängt aber auch von den Umweltbedingungen ab. Die Hiergebliebenen kann man im Winter sogar singen hören. Auch die Weibchen verteidigen ihr Winterrevier mit Gesang.

 

Frühe Saisonehe

Ab Januar suchen sie sich einen neuen Partner für die Saisonehe. Gebrütet wird jetzt, ab April, in Bodennähe zwischen niedrigen Ästen, im Gras oder in Erdlöchern und gerne dort, wo scheinbare Unordnung im Garten herrscht. Auch Holzstapel und Nischen im Mauerwerk werden angenommen.

Man kann für Rotkehlchen auch Halbhöhlen-Nistkästen anbieten, muss diese dann aber versteckt und niedriger anbringen, als übliche Nistkästen.

Der Nestbau aus Moos und Halmen ist bei ‚Rotkehlchens‘ dann Frauensache. Dabei lässt sich das Weibchen aber ungerne „in die Karten schauen“. Fühlt es sich beobachtet, trägt es das Nistmaterial erst einmal an einen anderen Platz, um es später, in einem unbeobachteten Moment, zum Nest zu bringen.

Unauffälligkeit ist wichtig, damit kein Kuckuck sein Ei ins Rotkehlchen-Nest legt. Während der Brut wird das Weibchen vom Männchen versorgt.

Nach dem Schlupf und bis zur Selbstständigkeit der Jungen füttern dann beide Eltern.

 

Insektennahrung ist wichtig

Rotkehlchen sind überwiegend Insektenfresser, vor allem im Herbst werden aber auch Früchte gefressen. Für die Aufzucht der Jungen brauchen sie, wie fast alle unsere heimischen Vögel, reichlich Protein, also viele Insekten und andere Kleintiere. Wer den kleinen melancholischen Sänger in seinem Garten beherbergen möchte, sollte außer etwas Unordnung für den Nestbau, heimische Sträucher und Stauden anbieten, die im Frühjahr und Sommer Insekten anlocken, und im Herbst Früchte tragen.

 

Rotkehlchen wissen, wie der Nachbar singt
Nochmal zurück zum Gesang: interessanterweise können Rotkehlchen ihre Revier-Nachbarn an der Stimme erkennen. Und wissen genau, wer wohin gehört. Spielt man ihnen den Gesang eines bekannten Nachbar-Rotkehlchens vor, reagieren sie recht gelassen und der Nachbar darf sogar aussingen, ohne dass ihm mit eigenem Gesang ins „Wort gefallen“ wird. Wehe aber, wenn der Gesang eines fremden Rotkehlchens ertönt. Oder wenn der Nachbar plötzlich von der anderen Seite des Reviers erklingt. Dann muss er mit heftigem Gegengesang rechnen.

Um Rotkehlchen singen zu hören, müssen Sie aber nicht unbedingt früh aufstehen. Sie singen auch noch später am Tag. In Städten manchmal sogar in der Nacht.

Genug Zeit also, um dem melancholischen Lied zu lauschen.

Ihre Britta Kunz  

 

März 2022 - Internationaler Tag des Artenschutzes

Auch wenn die letzten Wochen sehr stürmisch waren, der Frühling kündigt sich unaufhaltsam an. Die Natur erwacht aus dem "Winterschlaf" und braucht unsere Aufmerksamkeit.

Haben Sie sie auch gehört und gesehen? Kaum war die letzte Kolumne über den Kranichzug veröffentlicht, zogen die ersten der großen Vögel laut rufend über das Kreisgebiet.
Meisen, Amseln, Zaunkönige und Heckenbraunellen schicken ihren Gesang unverdrossen in die oft noch kalte Morgenluft. Krokusse und Schneeglöckchen stehen in voller Blüte und auch die ersten Weidenkätzchen zeigen sich schon. An manchen Orten kann man sogar schon das erste Blattgrün sehen.

Vielleicht ist Ihnen, wie mir, das „Frühlingserwachen “ ein kleiner Trost in diesen unruhigen und zunehmend bedrohlichen Tagen. Egal wie grau und dunkel oder kalt der Winter auch war, die Tage werden wieder länger, die Sonne wärmt wieder stärker, die Natur erwacht aus dem „Winterschlaf“ und der Kreislauf beginnt von neuem. Aber auch wenn das alles ganz selbstverständlich für uns ist, braucht die Natur doch unsere Aufmerksamkeit, unseren Schutz.

 

Meilenstein 1973 - Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens

Jedes Jahr am 3. März weist der Internationale Tag des Artenschutzes darauf hin. Er erinnert an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens im Jahr 1973. Vielleicht haben Sie schon einmal die Abkürzung ‚WA‘ für die deutsche Bezeichnung oder ‚CITES‘ (Englisch für ‚Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora‘) gehört. Das weltweite Abkommen soll den illegalen Handel mit Wildtieren und Pflanzen unterbinden und dafür sorgen, dass auch der legale Handel den Fortbestand der Arten nicht gefährdet. Je nach Gefährdungsgrad werden um die fünftausend Tierarten und etwa achtundzwanzig Tausend Pflanzenarten mit Handelsverboten, Exportquoten oder besonderen Genehmigungspflichten für den Handel belegt. Am bekanntesten dürfte das Verbot des Handels mit Elfenbein sein.

 

Auf die Bedeutung der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten für uns Menschen und auf die weltweite Bedrohung der Arten blicken.

Dass Tiere, Pflanzen, Pilze und auch einzellige Organismen unersetzbare Ökosystem-Dienstleistungen erbringen, ohne die wir Menschen nicht existieren und die wir auch mit allem Geld der Welt nicht ersetzen können, davon hatte ich bereits einmal in einer Kolumne geschrieben. Man denke nur an die Bestäubungsleitung von Insekten oder die Luftreinhaltung und Klimafunktion von Wäldern. Aber viele Lebensräume und Arten sind mehr denn je bedroht.

 

Rote Listen - weltweit aktuell 28% der untersuchten Arten bedroht

Die Bedrohung der Arten wird wissenschaftlich untersucht und in internationalen und nationalen sogenannten ‚Roten Listen‘ veröffentlicht. In der aktuellsten Internationalen Roten Liste sind mit 40.000 Tier- und Pflanzenarten mehr Arten als je zuvor als bedroht eingestuft. Vielleicht kommt Ihnen das angesichts der weltweit etwa 1,8 Millionen bekannten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten nicht besonders viel vor. Allerdings sind natürlich nicht alle 1,8 Millionen Arten untersucht worden, das ist gar nicht zu leisten. Immerhin aber wurden bislang weltweit 142.577 Arten sorgfältig analysiert. Von diesen gelten die oben genannten 40.000, also achtundzwanzig Prozent, als gefährdet. Man kann davon ausgehen, dass es um die bislang noch nicht untersuchten Arten auch nicht besser bestellt ist.

 

Situation in Deutschland

In Deutschland wurden bislang über 30.000 der 71.500 hier nachgewiesen Arten untersucht. Davon sind 33 % der Wirbeltiere, 34 % der wirbellosen Tiere, 31 % der Pflanzen und 20 % der Pilze in ihrem Fortbestand gefährdet.

 

Artenschutz vor der Haustür beginnen!

Dabei ist es für jeden von uns gar nicht so schwer, diesen deprimierenden Zahlen etwas entgegenzusetzen. Fangen wir doch vor der eigenen Haustüre an:

Fledermaus-Kästen und Vogel-Nistkästen aufhängen. Vogel-Nistkästen am besten nicht nur für Kohlmeisen und Blaumeisen, sondern auch für andere Vogelarten, etwa für Halbhöhlenbrüter wie den Hausrotschwanz, oder für Haussperlinge oder Mehlschwalben.

Insektennisthilfen fördern nicht nur die Insekten-Vielfalt, sondern liefern Vögeln auch gleich proteinreiches Futter für die Jungenaufzucht.

Haselmäuse und Gartenschläfer freuen sich über ein Angebot an Kleinsäugerkästen.  Bauanleitungen für Kästen und Nisthilfen findet man problemlos im Internet, ich empfehle die Seiten des BUND und des NABU.

Balkonkästen und den Garten mit einheimischen Blühpflanzen bestücken, Sträucher pflanzen, die Tieren Nahrung bieten.

Die Wiese oder zumindest einen Streifen davon erst spät mähen oder einen Blühstreifen anlegen.

Saft von heimischen Streuobstwiesen kaufen.

Beim Spaziergang im Wald auf den Wegen bleiben.

Sicher fällt Ihnen selbst noch viel mehr ein, wie auch Sie einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt tun und sich dann daran erfreuen können.

 

Trotz aller bedrückenden Weltereignisse wünsche ich Ihnen einen bezaubernden Frühlingsanfang.

Ihre Britta Kunz



Februar 2022 - Die Rückkehr der Kraniche

Irgendwann im Laufe des Februars ist es wieder soweit: der Luftraum über dem Ennepe-Ruhr-Kreis ist erfüllt von den lautstarken und einzigartigen Rufen, die die Rückkehr der Kraniche aus ihren Überwinterungsgebieten verkünden.

Die Rufe waren es auch, die den Tieren ihren deutschen Namen gaben. Die althochdeutsche Bezeichnung der Vögel, „cranuh“, soll dem Klang der Rufe nachempfunden sein. Oft hört man die Rufe schon, bevor man die Kraniche sieht. Mit einer Körpergröße von über einem Meter und einer Flügelspannweite von mehr als zwei Metern sind Kraniche aber auch in größeren Flughöhen kaum zu übersehen.

 

Energiesparend unterwegs

Im Flug wird der lange Hals gerade nach vorne gestreckt, die Beine reichen über die Schwanzfedern hinaus.

In einem Kranich-Trupp fliegen die Vögel meist in Form eines ‚V‘ hintereinander aufgereiht. Das spart Energie. Fahrradfahrende wissen, wie angenehm es ist, im Windschatten Vorausfahrender zu radeln. Damit es für den Vogel an der Spitze nicht zu anstrengend wird, wechselt er sich mit anderen erfahrenen Altvögeln ab.

Immerhin fünf bis sieben Kilogramm Körpergewicht muss ein Kranich in der Luft halten und während des Zuges über einige tausend Kilometer bewegen. Meist in Etappen, manchmal wird aber auch in „einem Rutsch“ durchgeflogen.

Beim Fliegen orientieren sich die Tiere an Landmarken wie Berge, Flüsse und Städte. Verfliegen kann daher bei schlechtem Wetter mit geringer Sichtweite durchaus vorkommen.

 

Zugweg führt über das Kreisgebiet

Wenn aber alles gut geht, führt ihr Zug die Kraniche zweimal im Jahr über den Ennepe-Ruhr-Kreis: im Herbst ins wärmere Frankreich, Spanien oder Nordafrika, im zeitigen Frühjahr zurück zu den Haupt-Brutgebieten nach Norddeutschland, Skandinavien oder Ost-Europa. Kraniche, die in Russland und Asien brüten, sehen wir hier nicht, sie nehmen weiter östlich verlaufende Zugrouten. Im Februar ziehen zuerst die in Norddeutschland brütenden Kraniche über uns hinweg. Kraniche, die nach Skandinavien oder Ost-Europa fliegen, lassen sich mit der Rückkehr länger Zeit, da es dort länger kalt ist.

 

Wenige Bruten in NRW aber bedeutende Rastplätze

In Deutschland brüten immerhin um die 12.000 der 130.00 Brutpaare Europas. Kraniche sind Bodenbrüter, die ihre Nester auf feuchtem Untergrund zum Beispiel in Mooren oder verlandeten Seen auftürmen. Das erschwert Nesträubern den Zugang und schützt die Brut.

In NRW gibt es bislang nur eine Handvoll Brutpaare, aber wichtige Rastplätze für bis zu 250.00 Kraniche befinden sich in Land, darunter das nördlich von Soest gelegene Vogelschutzgebiet ‚Lippeaue mit Ahsewiesen‘.

 

Markante Köpfe und spektakluläre Balz

Wer die Vögel am Boden sieht, erkennt leicht die typische, rote federlose Kopfplatte und den schwarz-weißen Kopf-Hals-Bereich der ansonsten grauen Alttiere. Und die majestätisch wirkende „Schleppe“ aus verlängerten Flügelfedern, die bei der Balz aufgestellt wird.

Die Balz ist spektakulär. Die Tiere springen, laufen im Zickzack und im Kreis umher und werfen Steine und Pflanzenteile in die Luft. Kraniche können in freier Wildbahn bis zu 25 Jahre alt werden und sind sich meist bis zum Tode eines Partners treu. Junge Kraniche finden sich ab dem zweiten Lebensjahr zu Paaren zusammen, wenn sie noch im braunen Jugendkleid sind. Während der „Verlobungszeit“ üben sie schon mal den Nestbau. Ab dem dritten oder vierten Jahr wird dann mit der Brut begonnen.

 

Warum rufen Kraniche im Flug?
Ich werde immer wieder einmal gefragt, warum Kraniche im Flug so viel rufen, das koste doch auch Energie. Das stimmt. Die Kommunikation zwischen den Tieren scheint aber wichtig genug zu sein, um das in Kauf zu nehmen. Kraniche fliegen gemeinsam mit den Partnern und den Jungtieren in einem Trupp. Ich weiß natürlich nicht, was die Tiere alles zu „bereden“ haben. Aber sicherlich wird so mitgeteilt, ob noch alle da und wohlbehalten sind. Die Tiere können ja nicht sehen, wer hinter ihnen fliegt.

Da Kranich-Rufe über zwei Kilometer zu hören sind, können durch die Rufe auch verschiedene Trupps auf dem Zug zueinander finden. Begegnen sie sich, unterbrechen sie manchmal den gerichteten Flug und kreisen eine Zeit lang. In der Regel ziehen die Trupps dann gemeinsam weiter.

Kraniche lassen sich aber auch kreisend über Bereichen warmer, aufwärts strömender Luft in die Höhe tragen. Von dort können sie dann gleitend den Streckenflug fortsetzen.

 

Kalte Füße

Aber auch, wenn ein Rastplatz angeflogen wird, kreisen Kraniche manchmal durcheinander und es scheint, als wären sich die Tiere nicht einig, ob gerastet oder doch noch weiter geflogen werden soll. Ich erinnere mich an einen Trupp Kraniche, der sich eines Abends auf einem Acker in Breckerfeld niederlies. Im tiefsten Schnee. Nicht alle Kraniche schienen davon begeistert zu sein. Wenn Kraniche aus ihrem Überwinterungsgebiet losfliegen, wissen sie natürlich nicht, welche Bedingungen sie auf dem Zug und im Brutgebiet erwarten. Wird es während des Frühlingszuges ungemütlich, harren die Tiere meist tapfer an Ort und Stelle aus. Da Kraniche Allesfresser sind, finden sie wenigstens fast überall etwas zu fressen und müssen nicht hungern. Auch wenn sich die Tiere manchmal ein bisschen „vertun“, ist ihre Rückkehr für mich immer ein erster Frühlingsgruß.

Hoffen wir, dass die Kraniche diesmal keine kalten Füße bekommen.

Ihre Britta Kunz

 

Januar 2022 - Natur des Jahres

Immer zum Jahreswechsel wird die ‚Natur des Jahres‘ gewählt. Bekannte und weniger bekannte Arten und Lebensräume werden gekürt, um uns für deren Schönheit, Eigenheit und Bedeutung zu sensibilisieren.

 

Mit dabei sind nicht nur seltene und bedrohte Arten. Auch Arten, die noch häufig anzutreffen sind, schaffen es auf das Siegertreppchen.

Aber wundern Sie sich bei deren Aufzählung nicht. Es werden nicht nur eine Pflanze oder ein Tier des Jahres gewählt, sondern es gibt viele Unterkategorien: Baum, Blume, Moos, Alge und Wasserpflanze des Jahres und noch einige mehr.

Nicht immer ist die Abgrenzung ganz einleuchtend, denn außer der Blume des Jahres gibt es immer auch eine Orchidee des Jahres und Orchideen fallen für die meisten von uns sicherlich ebenfalls in die Kategorie ‚Blume‘. Auch die Unterscheidung zwischen Heil-, Gift- und Arzneipflanze ist oftmals eher eine Frage der Dosierung als des Wirkstoffs – was in geringen Mengen heilsam ist, kann in großen giftig sein.

 

Mit dem Vogel des Jahres fing alles an

Die vielen Kategorien der Natur des Jahres sind auf die Organisationen zurückzuführen, die die einzelnen Organismen auswählen. Begonnen hat alles 1971 mit dem Vogel des Jahres, der damals wie heute vom NABU gewählt wurde, nur dass der NABU damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV) hieß. Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Organisationen der Idee angeschlossen und eigene Kategorien eingeführt.

 

Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022

Der erste Vogel des Jahres war übrigens der Wanderfalke, in diesem Jahr ist es der Wiedehopf. Ersteren kann man auch bei uns beobachten, mit dem Wiedehopf haben wir dagegen kein Glück. Bei uns ist es dem großen Vogel mit dem langen, gebogenen Schnabel und der auffälligen Federhaube zu kalt, er kommt nur in einigen wärmeren Gegenden Deutschlands vor.

 

Baum des Jahres - die Rotbuche

Den Baum des Jahres, die Rot-Buche, kennt dagegen wohl jede und jeder im Ennepe-Ruhr-Kreis. Kein Wunder, leben wir doch inmitten ihres Hauptverbreitungsgebietes. Der deutsche Name ist allerdings irreführend, denn die Rot-Buche ist nicht rot. Der Stamm ist glatt und silbergrau, die Blätter sind grün. Die Rot-Buche ist nach der letzten Eiszeit nach Mitteleuropa eingewandert und überall dort zur dominanten Laubbaum-Art geworden, wo es nicht zu nass oder zu trocken ist oder sie nicht durch Anpflanzungen anderer Baumarten, wie der Fichte, verdrängt wurde. In Mitteleuropa haben wir daher eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Buchenwälder, weshalb auch der Gevelsberger Stadtwald mit seinen ausgedehnten Buchenbeständen zum NATURA 2000-Schutzgebiet von europaweiter Bedeutung eingestuft wurde.

 

Heilpflanze des Jahres mit "Nebenwirkungen"

Auch die Große Brennnessel kennt wohl jedes Kind, spätestens nach der ersten unangenehmen Berührung der Brennhaare, mit denen sich die Pflanze vor Fressfeinden schützt. Wegen ihrer guten Wirksamkeit bei Harnwegsinfekten und rheumatischen Erkrankungen wurde sie zur Heilpflanze des Jahres gewählt. Sie enthält aber auch viele Vitamine und Mineralien. Das wissen auch die Raupen von über dreißig Schmetterlingsarten zu schätzen, für die die Große Brennnessel eine wichtige Futterpflanze ist.

 

Der Pilz des Jahres ist ein Glückssymbol

Ebenso großer Bekanntheit dürfte sich der diesjährige Pilz des Jahres erfreuen, auch unter jenen, die keine Pilz-Experten sind. Der Fliegenpilz ist eine der häufigsten Pilzarten Deutschlands und mit seinem orangeroten Hut leicht zu erkennen. Über feine Pilzfäden im Waldboden ist er mit Laub- und Nadelbäumen verbunden und tauscht mit ihnen Nährstoffe und Wasser zum beiderseitigen Nutzen aus.
Ein Speisepilz ist er nicht, er ist mit den Knollenblätterpilzen verwandt und der Verzehr kann unter anderem zu starken Krämpfen führen.
Wieso er trotzdem als Glückssymbol gilt, ist nicht sicher geklärt. Pilzsuchern bringt er jedenfalls häufig Glück, da in seiner Nähe oft schmackhafte Pilze, wie Steinpilze, wachsen.

 

Das Insekt des Jahres - was das "lebende Fossil" mit einem Kamel gemeinsam hat

Mit eines der ungewöhnlichsten Tiere in der diesjährigen Auswahl ist sicherlich die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege. Der Name dieses nur wenige Millimeter kleinen Insektes ist „Programm“, der Hals ist schwarz und lang und etwas gebogen wie bei einem Kamel.
Sie ernähren sich unter anderem von Blatt- und Schildläusen und werden daher als Nützlinge angesehen.
Kamelhalsfliegen sind ‚lebende Fossilien‘, sie existierten schon zu Zeiten der Dinosaurier. Obwohl Kamelhalsfliegen potentiell in verschiedenen Wäldern und auch Gärten vorkommen können, gibt es insgesamt nur wenige Nachweise. Sie lassen sich aber gut über Fotos bestimmen.

 

Machen Sie mit beim BioBlitz!

Ideale Voraussetzung, um beim deutschlandweiten BioBlitz-Wettbewerb die Artenliste des Ennepe-Ruhr-Kreises zu vervollständigen. Beim BioBlitz geht es darum, innerhalb des Jahres in einem bestimmten Gebiet so viele Arten wie möglich zusammen zu tragen. Auch ohne Vorkenntnisse können Sie uns bei der Arten-Suche helfen. Mehr Infos gibt es auf der Internetseite der Biologischen Station (www.biologische-station.de) unter ‚Aktuelles‘.  Und wer mehr über die Natur des Jahres 2022 wissen möchte, findet eine gute Zusammenstellung zum Beispiel auf der Internetseite des NABU (www.nabu.de).

Ich wünsche Ihnen ein Jahr voller schöner Natur-Erlebnisse.

Ihre Britta Kunz

 

Dezember 2021 - Weihnachtsgewürze

Haben Sie schon Plätzchen gebacken oder den ersten Glühwein genossen? In der Adventszeit erfüllt der Duft von Nelken, Sternanis und Zimt die Luft. Die damit gewürzten Speisen und Getränke wärmen uns an kalten Wintertagen und versüßen uns das manchmal graue Wetter. Was so lecker riecht und schmeckt, sind hauptsächlich flüchtige ätherische Pflanzenöle. Aber natürlich produzieren die Pflanzen diese Stoffe nicht, damit sie gut für uns riechen und schmecken.

Die ätherischen Öle haben für die Pflanzen ganz andere Funktionen. Pflanzen haben, wie andere Lebewesen auch, einen Stoffwechsel. Wasser und Nährstoffe werden aufgenommen und in komplizierten chemischen Prozessen in die Materialien umgewandelt, aus denen Pflanzen mit all ihren Bestandteilen aufgebaut sind. Bei jedem Stoffwechsel fallen aber auch Stoffe an, die von dem Organismus nicht mehr weiterverwendet werden können. Sie werden dann ausgeschieden oder, da das für Pflanzen nicht so einfach ist, bei diesen oft in bestimmten Zellorganen „endgelagert“. Damit sind sie dem Stoffwechsel entzogen.

 

Für die Pflanze als Ganzes können diese Endprodukte jedoch durchaus von großem Nutzen sein. Da sie aber in der Regel nicht überlebenswichtig für die Pflanze sind, werden sie ‚sekundäre Pflanzenstoffe‘ genannt. Ätherische Pflanzenöle sind solche sekundären Stoffe. Sie können zum Beispiel in Blüten eingelagert werden, um mit ihrem Duft Bestäuber anzulocken. Man findet aber auch bitter oder scharf schmeckende und unangenehm riechende sekundäre Pflanzenstoffe. Diese sind in oft in Blättern oder Stämmen eingelagert um Fraßfeinde abzuschrecken. Wir Menschen lassen uns davon allerdings nicht so schnell beeindrucken.

 

Gewürznelken - kleine "Nägelein" mit schmerzlindernder Wirkung

So wird das bitter und scharf schmeckende Öl der Gewürznelken in Zahnpasten und Mundwasser verwendet. Es kann auch bei Zahnschmerzen Linderung verschaffen. Gewürznelken sind aus der Reihe der Weihnachtsgewürze kaum wegzudenken.

Mit den Nelken, wie man sie in der Blumenhandlung kaufen kann, sind sie allerdings nicht verwandt. Auch nicht mit unseren heimischen Arten, wie zum Beispiel der Kuckuckslichtnelke. Der Name ‚Gewürznelke‘ stammt vermutlich von einer Abwandlung des Wortes ‚Nagel‘ beziehungsweise Nägelein. Gewürznelken sind getrocknete Blütenknospen des Gewürznelken-Baumes und sehen tatsächlich aus wie ein kleiner Nagel. Die bis zu zwölf Meter hohen Bäume sind auf den Molukkeninseln Indonesiens beheimatet, werden heute aber auch anderswo in den Tropen angebaut. Dass von dem Bäumen nur die Blütenknospen gepflückt, getrocknet und als Gewürz verwendet werden hat einen einfachen Grund: darin befindet sich die höchste Konzentration des Nelkenöls.

 

Sternanis - die ungewöhnliche Frucht macht den Geschmack
Beim Sternanis ist die höchste Konzentration des geschmacksbestimmenden Anisöls dagegen in der noch unreifen Frucht enthalten. Diese wächst an bis zu zehn Meter hohen Bäumen in den tropischen Gegenden Chinas und Vietnams. Die Frucht besteht meist aus acht Fruchtblättern, die sich sternförmig um die Blütenachse anordnen. In jedem Fruchtblatt befindet sich ursprünglich sein Samen. Da dieser aber kaum zur Würze beiträgt, werden die getrockneten Früchte meist ohne die Samen verkauft. Als ganzer „Stern“ im Glühwein oder gemahlen in Printen und Pfeffernüssen sorgt die Frucht für den typischen Weihnachtsduft und Geschmack.


Zimt - nur in Maßen genießen

Auch Zimt ist aus der Vorweihnachtszeit nicht wegzudenken. Bei diesem Rindengewürz stecken die ätherischen Öle in Stamm und in Ästen der Zimt-Bäume. Man unterscheidet Ceylon-Zimt (auch Kaneel genannt) und China-Zimt (Kassia-Zimt). Um das Gewürz zu gewinnen, werden alle etwa zweijährigen Äste von den Zimt-Bäumen abgeschnitten und dann geschält. Durch diese Behandlung ähneln die Bäume im Aussehen unseren Kopfweiden.

Die Zimtstangen, die wir als Gewürz verwenden, bestehen aus mehreren, ineinander gerollten Rindenstückchen.

Aber Vorsicht! Neben dem leckeren Zimtöl enthält die Rinde auch Kumarin. Dieser sekundäre Pflanzenstoff hemmt die Blutgerinnung und sollte nicht in großen Dosen eingenommen werden. Im China-Zimtbaum ist wesentlich mehr Kumarin enthalten, als im Ceylon-Zimtbaum. Da China-Zimt aber billiger ist, wird er oft in industriellen Backwaren verwendet. Daher besser nicht zu viele gekaufte Zimtsterne auf einmal essen und für die eigene Herstellung lieber den etwas teureren Ceylon-Zimt verwenden.

Ich wünsche Ihnen eine „dufte“ Adventszeit.

Ihre Britta Kunz

 

November 2021 - Giving Tuesday am 30. November: der Natur etwas Gutes tun

Sie haben bestimmt schon einmal vom ‚Black Friday‘ und vielleicht auch schon einmal vom ‚Cyber Monday‘ gehört.

Aber kennen Sie auch den ‚Giving Tuesday‘?

Foto © W. Püttmann

Genau wie die beiden erstgenannten hat auch der ‚Giving Tuesday‘ seinen Ursprung in den USA. Die Idee dahinter ist allerdings eine ganz andere.

Während beim ‚Black Friday‘ und ‚Cyber Monday‘ die Menschen mit Schnäppchen-Angeboten zum Kaufen animiert werden sollen, geht es beim ‚Giving Tuesday nicht um Konsum. Im Gegenteil. Der Tag wurde 2012 zum ersten Mal ausgerufen, um Menschen aufzufordern, etwas Gutes zu tun.

Seitdem hat sich die Idee des ‚Giving Tuesday‘ um die ganze Welt verbreitet. Gutes tun, großzügig sein, etwas zurückgeben. Das muss noch nicht einmal etwas kosten. Bringen Sie jemanden zum Lächeln, gehen Sie jemandem zur Hand, helfen Sie einer Nachbarin oder einem Fremden, setzen Sie sich für etwas ein, das Ihnen wichtig ist.

 

Die Natur beschenken - einfacher, als Sie vielleicht denken!

Beim Naturschutzbund Deutschland kam die Idee auf, an diesem Tag die Natur vor der Haustüre zu beschenken. Ich finde den Gedanken unterstützenwert und möchte ihn daher aufgreifen.

Die Möglichkeiten, der Natur etwas Gutes zu tun, sind fast unendlich und machen oftmals sogar kaum Mühe.

Wer einen Garten hat, hat es einfach. Jetzt nicht so viel aufräumen, vertrocknete Pflanzenstängel nicht abschneiden, sondern als Winterquartier für Insekten stehen lassen. Das geht übrigens auch im Balkonkasten. Stauden und Sträucher mit Früchten beziehungsweise Samen sind im Herbst und Winter ebenfalls wichtige Nahrungsquellen für viele Tiere und sollten noch nicht komplett zurück geschnitten werden. Auch ein wenig Fallobst dürfen Sie liegen lassen, es ist willkommene Nahrung für Insekten und Vögel. Sie können auch einen Laub- oder Reisighaufen in einer Ecke anlegen, als Unterschlupf für viele Tiere, von Spinnen und Insekten über Amphibien bis zu Igeln. Amseln lieben es, in Blätterhaufen nach Nahrung zu suchen. Im Reisighaufen brütet im Frühjahr vielleicht sogar ein Zaunkönig.

 

Oder wollten Sie schon lange einmal einen neuen Vogel-Nistkasten, einen Fledermaus-Kasten oder eine Insekten-Nisthilfe bauen oder kaufen? Jetzt wäre dafür eine gute Gelegenheit. Und wenn Sie selbst keinen Garten haben, in dem Sie die Kästen aufhängen können, können Sie vielleicht jemand anderen damit am ‚Giving Tuesday‘ eine Freude machen.

 

Aber auch ohne Garten können Sie etwas Gutes für die Natur und damit letztlich auch für sich selbst tun. Vogelschlag an Fenstern ist eine sehr häufige Todesursache unserer Vögel, lässt sich aber leicht vermeiden. Wie man seine Fenster wirklich für Vögel sichtbar macht, erfahren Sie zum Beispiel auf den Internetseiten des BUND (Stichwort Vogelschlag an Glas). Dabei kann man sogar wunderbar kreativ werden.

 

Jeder Akt der Großzügigkeit zählt

Aber auch die ganz einfachen Dinge zählen. Vielleicht retten Sie, wie früher als Kind, wieder einmal einen Regenwurm vor dem Zertreten werden auf dem Fußweg. Überhaupt: einen Weg zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, statt mit dem Auto. Bewusster einkaufen, das eigene Müllaufkommen reduzieren, Strom sparen, und, und, und. Jede und jeder kann die Welt ein kleines bisschen besser machen.

 

Es bleibt noch Zeit genug, um sich etwas für diesen Tag zu überlegen. Sie werden merken: etwas Gutes zu tun, gibt einem selbst auch ein gutes Gefühl. Seien wir also ruhig öfter ein bisschen „selbstsüchtig“ und tun öfter etwas Gutes. Vielleicht nicht nur am 30. November, sondern an jedem Dienstag im Jahr. Oder vielleicht sogar an jedem Tag. Ich finde, das ist ein sehr schöner Vorsatz, der froh stimmt.

Ihre Britta Kunz

 

Oktober 2021 - Eifrige Vorratssammler

Der Herbst ist die Zeit der Reife, viele Sträucher und Bäume locken jetzt tierische Nahrungsgäste mit Früchten und Samen. Manche Tiere, wie das Eichhörnchen, sind in dieser Zeit eifrig dabei, Vorräte für den nahrungsarmen Winter anzulegen.

Sicher haben Sie schon mehr als einmal ein Eichhörnchen im Herbst dabei beobachten können, wie er mit einer Haselnuss im Maul hin und her flitzte und die Nuss dann mit den kleinen Pfötchen schnell verbuddelte. Zwar verbringen Eichhörnchen die meiste Zeit des Winters schlafend in einem gut ausgepolsterten, selbstgebauten Kobel, wie man ein Eichhörnchen-Nest nennt, aber sie fahren ihren Stoffwechsel und damit den Energieverbrauch, nicht ganz so weit herunter, wie es Winterschläfer tun. Eichhörnchen halten eine Winterruhe, aus der sie ab und zu aufwachen. Sind sie wach, meldet sich der Hunger. Höchste Zeit die im Herbst angelegten Vorräte auszugraben und etwas Energie zu „tanken“, bevor sie weiter schlafen.

 

Ein gutes Näschen und das Prinzip der Wahrscheinlichkeit

Ein Eichhörnchen kann in einem Herbst um die 10.000 Nüsse vergraben. Sie fragen sich jetzt sicherlich, wie es sich all die Verstecke merken kann. Kann es anscheinend gar nicht. Dass es viele seiner Vorräte wieder findet, liegt hauptsächlich an der Menge der vergrabenen Nüsse und an einem guten Näschen. Hat es Hunger, fängt es an, in seinem Revier an verschiedenen Stellen oberflächlich zu graben und herumzuschnüffeln. Eichhörnchen können gut riechen und erschnüffeln so, wo ihre Vorräte liegen. Je mehr Nüsse vergraben wurden, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass es beim Suchen zufällig auf eine trifft.

Nicht immer muss es eine selbst vergrabene Nuss sein, auch gegenseitiger „Diebstahl“ kommt unter Eichhörnchen vor.

 

Was übrig bleibt kann wachsen - Eichhörnchen als Samenausbreiter

Aber nicht alle Vorräte werden wieder gefunden. In besonders guten „Nuss-Jahren“, in denen viele Nüsse reifen, werden zudem viel mehr Vorräte angelegt, als überhaupt gefressen werden können. Aus den Nüssen, die unentdeckt im Boden bleiben, können dann neue Sträucher und Bäume wachsen. Dadurch tragen Eichhörnchen zur Ausbreitung ihrer Nahrungspflanzen bei. Manchmal wählen Eichhörnchen auch recht außergewöhnliche Verstecke, an denen die Chancen, dass sie ihre Vorräte wieder finden, von vorne herein gering sind. Als ich noch im ersten Stock eines Hauses mit Balkon auf der Hausrückseite wohnte, sah ich eines Morgens einen Schatten in einem weiten Bogen an meinem Fenster in Richtung Balkon vorbei „fliegen“. Die Flugbahn war ganz anders, als die eines Vogels, also ging ich zur Balkontüre und sah, wie ein Eichhörnchen eine Walnuss in einem meiner Blumenkästen vergrub. Es war über den an der Hauswand rankenden Wein geklettert und dann von dort mit einem beachtlichen Satz auf den Balkon gesprungen. Wie es überhaupt auf die Idee kam, dort oben etwas vergraben zu können, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls wuchs im folgenden Frühjahr ein kleiner Walnussbaum aus dem Blumenkasten.

 

Eichhörnchen richtig zufüttern
In Jahren, in denen wenige Nüsse verfügbar sind, kann es für Eichhörnchen allerdings schwierig sein, über den Winter zu kommen. Auch wenn der Boden gefroren ist, kommen Eichhörnchen nicht an ihre Vorräte. Manche Menschen stellen daher im Winter Eichhörnchen-Futterstationen auf. Es gibt sie im Handel fertig zu kaufen, man findet im Internet aber auch Anleitungen zum selber bauen. Die Futterstationen haben eine Frontscheibe aus Plexiglas, damit das Eichhörnchen die Nahrung sehen kann und einen überstehenden und leicht aufklappbaren Deckel. Zwischen Deckel und Plexiglas-Front muss ein Abstand von einigen Zentimetern sein, damit kein Eichhörnchen eingeklemmt wird, wenn es sich am Futter bedient. Wichtig ist, dass das Baumaterial nicht chemisch behandelt wurde, damit keine Giftstoffe in das Futter gelangen. Außerdem sollten die Seitenwände mit Luftlöchern versehen sein, damit der Inhalt nicht schimmelt. Bringen Sie die Futterstation einige Meter hoch in einem Baum an, sodass die Tiere bei der Nahrungsaufnahme sicher vor Katzen sind. Futter gibt es im Handel, aber Sie können es auch beim nächsten Herbstspaziergang sammeln. Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse, Walnüsse, Esskastanien, Fichten- und Kiefernzapfen sind geeignet. Aber alles muss gut trocken sein, bevor Sie die Futterstation damit befüllen. Und dann viel Spaß beim Beobachten der pelzigen Kletterkünstler.

Ihre Britta Kunz

 

September 2021 - Kaffeesatz - (fast) zu schade für die Biotonne

Gehören Sie vielleicht auch zu den Menschen, die bei der Kaffeezubereitung, fast schon altmodisch anmutend, noch auf eine Kaffeemaschine, eine französische Pressstempelkanne (French Press) oder gar noch auf das Aufbrühen von Hand schwören? Können Sie sich auch nicht mit Alukapsel-Kaffee anfreunden, der in der Herstellung hoch energieverbrauchend ist und zusätzlich täglich Unmengen an Müll produziert? Sind für Sie auch die Kaffeepads keine echte Alternative zur guten alten Kaffeezubereitung? Dann stehen Sie wie ich, nach jeder Kaffeezubereitung, vor dem „Problem“: wohin mit dem benutzten Kaffeepulver.

Na, in die Biotonne, sagen Sie jetzt. Oder auf den Kompost. Richtig, aber dafür eigentlich viel zu schade. Kaffeesatz ist nämlich fast ein Allzweckmittel in Garten, Haushalt und sogar für die Körperpflege.

 

Kaffeepulver als Dünger und "Schneckenschreck"

Kaffeepulver enthält viele wichtige Pflanzennährstoffe, wie Stickstoff und Phosphor, und eignet sich daher hervorragend als Dünger für Blumen und Gemüse. Sie können das Kaffeepulver einfach unter die Erde mischen. Ein weiterer Vorteil: damit halten Sie auch ungebetene tierische Gäste fern. Ameisen und Schnecken scheint der Geruch abzuwehren. Auch Nachbars Miezekatze kann durch den Kaffeegeruch die Nutzung Ihres Gemüse- oder Blumenbeetes als Katzentoilette verleidet werden.

 

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten auch im Haushalt und zur Körperpflege

Andererseits können Sie mit Kaffeepulver Gerüche neutralisieren. Haben Sie einen leckeren, aber doch sehr intensiv riechenden Käse gekauft und beim Öffnen des Kühlschranks schlägt Ihnen förmlich eine Duftwolke entgegen, können Sie mithilfe einer offenen Schale Kaffeepulver im Kühlschrank schnell Abhilfe schaffen. Zum Reinigen kann Kaffeesatz auch anstelle von Scheuermilch verwendet werden. Töpfe, Pfannen sogar Grillroste können so umweltfreundlich gereinigt werden. Aber Vorsicht bei Glaskeramik- und Ceranplatten, diese vertragen den Einsatz von Kaffeepulver als Reinigungsmittel nicht. Unsere Haut scheint dagegen weniger empfindlich zu sein. Es gibt verschiedene Rezepte, auch im Internet, zur Herstellung von Peelings mit Kaffeesatz, Zucker und Speiseöl. Aufgrund des Koffeins sollen die Peelings zusätzlich einen positiven Effekt auf Cellulite haben. Wer sich traut, kann noch feuchten Kaffeesatz als Haarspülung verwenden. Kurz einwirken lassen und dann natürlich gründlich ausspülen. Ansonsten muss der Kaffeesatz direkt nach der Entstehung immer erst gut durchgetrocknet werden. Dazu einfach in einer dünnen Schicht, zum Beispiel auf einem Backblech, ausbreiten. Einmal getrocknet, können Sie den Kaffeesatz in einer luftdichten Dose aufbewahren und nach Bedarf verwenden.

 

Aufwendige Produktion und weite Reise

Kaffee ist immer noch das beliebteste Getränk in Deutschland. Je nach Statistik trinken wir im Jahr erstaunliche 160 bis über 200 Liter pro Kopf. Was viele beim täglichen Kaffeetrinken vergessen: in jeder Tasse Kaffee steckt eine Menge Arbeit, denn die Kaffee-Herstellung ist aufwendig und komplex. Kaffeesträucher müssen gepflanzt und gepflegt, Kaffeekirschen geerntet, aufbereitet, getrocknet, geschält, verpackt, verschifft, geröstet, vielleicht gemahlen, wieder verpackt und weiter transportiert werden. Der Kaffee in unserer Tasse ist um die halbe Welt gereist, aus Südamerika, Afrika oder Asien. Mit dem Kauf entscheiden wir daher auch über die Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Anbauländern. Mittlerweile gibt es verschiedene Siegel, die faire Arbeitsbedingungen vor Ort ermöglichen. Auch in einigen Kommunen im Ennepe-Ruhr-Kreis werden fair gehandelte Partner-Kaffees vertrieben, darunter Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel, Hattingen und Wetter. Vielleicht achten Sie beim nächsten Kaffeekauf einmal darauf und entscheiden sich bewusst für fairen Genuss. Wohl bekomm’s.
Ihre Britta Kunz

 

August 2021 - Overload Day

Die Kolumne, die ich jeden Monat für Sie verfasse, schreibe ich meist in der zweiten Hälfte des Vormonats. Diesmal sitze ich am Computer, wenige Tage nach den sintflutartigen Regenfällen, die so viel Verwüstung in einige Regionen und so viel Leid über viele Menschen, auch im Ennepe-Ruhr-Kreis, gebracht haben und ich frage mich: worüber soll ich in solch einer Zeit bloß schreiben?

Ich führe eine Liste, in die ich mir, möglichst saisonal passend für die jeweiligen Monate, fortlaufend Themen notiere, auf die ich stoße und von denen ich hoffe, dass auch Sie sie interessant finden. Für den August steht in dieser Liste ein Eintrag einer Meldung aus dem Jahr 2015: „Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen, die die Erde in diesem Jahr (also in 2015) regenerieren kann, bereits am 13. August aufgebraucht“. Ich recherchiere und stelle mit Erschrecken fest, dass wir in 2021 noch weitaus deutlicher über unsere „natürlichen Verhältnisse“ gelebt haben. Der Tag, ab dem wir in diesem Jahr sozusagen einen Kredit bei der Natur aufnehmen mussten, war bereits am 5. Mai erreicht. Über drei Monate früher als noch vor sechs Jahren! Von Nachhaltigkeit also keine Spur!

 

Unbequeme Wahrheit

Zu all den schrecklichen Bildern und schweren Schicksalen der letzten Tage, gehört daher auch diese unbequeme Wahrheit: wir alle, Sie, ich, tragen jeden Tag viel zu viel dazu bei, dass fortlaufend „Raubbau“ an der Natur betrieben wird, weltweit. Wir alle verbrauchen jeden Tag viel zu viele Ressourcen, viel mehr, als uns eigentlich zustehen und sich erneuern können. Wir alle tun jeden Tag viel zu viel dazu, dass sich unser Klima verändert.

Ich glaube, ich brauche unsere täglichen kleinen und gar nicht so kleinen Umweltsünden hier nicht aufzulisten. Der Platz, der mir in hier zur Verfügung steht, reicht dafür ohnehin nicht aus. Außerdem wissen wir im Grunde doch ganz genau, was wir tun können, tun müssen. Dass es uns wider besseren Wissens so schwerfällt, entsprechend zu handeln, hängt vermutlich auch damit zusammen, dass Ursache und Wirkung so weit auseinanderliegen. Wenn ich eine heiße Herdplatte anfasse, verbrenne ich mir direkt die Finger und werde es in Zukunft auf jeden Fall vermeiden. Wenn ich mich aber umwelt- oder klimaschädlich verhalte, und zum Beispiel doch die fünf Cent billigeren und in Plastik eingepackten Möhren aus Spanien kaufe, anstatt die losen aus der Region, merke ich keinen direkten Zusammenhang mit später auftretenden Folgen. Das ist vielleicht eine Erklärung, aber keine Entschuldigung.

 

Katastrophen finden täglich statt

Denn Katastrophen größeren Ausmaßes, Überflutungen, Dürre, Brände, um nur einige zu nennen, finden mittlerweile leider jeden Tag irgendwo auf unserer Erde statt. Die meisten allerdings weit weg von uns. Wir wähnen uns in Sicherheit. Eine Flutkatastrophe in Asien betrifft uns nicht so sehr, obwohl wir, mit anderen Industrienationen, für vieles, was „weit weg“ passiert, mit verantwortlich sind.

Doch immer öfter werden die Auswirkungen auch unseres Verhaltens auch für uns direkt spürbar. Zwei extreme Trockenjahre in Folge, jetzt diese Überschwemmungen. Dazwischen Stürme, Orkane. Erinnern wir uns noch, wie viele sogenannte Jahrhundertfluten es in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland schon gab? Es werden noch einige auf uns zu kommen.

 

Wir sägen weiterhin an dem Ast, auf dem wir sitzen!

Denn wir verändern nicht nur das Klima, wir haben auch unsere Flüsse eingezwängt, Auwälder und -wiesen, die als natürliche Schwämme wirkten, beseitigt und im schlimmsten Fall sogar überbaut. In NRW werden im Mittel weiterhin jeden Tag Freiflächen in der Größe von vierzehn Fußballfeldern für Verkehr und Siedlungen versiegelt. Kurzum, wir haben viel für die aktuelle Situation getan und sägen weiterhin mit erstaunlicher Geschwindigkeit an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Aber in der Natur gibt es kein „immer mehr“, kein dauerhaftes exponentielles Wachstum, irgendwann wird immer ein Zustand erreicht, ab dem das Wachstum abflacht, zum Stillstand kommt oder gar zusammenbricht. Ich habe vor kurzem sinngemäß folgenden Satz gehört: „Die Natur (wie immer sie dann auch aussehen mag) wird den Klimawandel überleben und sich wieder erholen. Der Mensch nicht.“ Nachhaltigkeit ist daher in unserem ureigenen Interesse und in dem unserer Kinder und Enkelkinder.

 

Noch gibt es Hoffnung!

Die gute Nachricht: noch haben wir es in der Hand, etwas zum Guten zu bewirken. Und wenn Sie glauben, Sie alleine können nichts ausrichten, suchen Sie sich Gleichgesinnte. Oder denken Sie an Greta Thunberg. Oder, wenn Ihnen das besser gefällt, an den Dalai Lama: „Falls du glaubst, du bist zu klein, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“

Ihre Britta Kunz

 

Juli 2021 - Fledermäuse in der Wohnung - was tun?

Wenn man in lauen Sommernächten die Wohnungsfenster gekippt lässt, kann es passieren, dass unerwarteter, tierischer Besuch einfliegt. Damit meine ich keine Mücken, die einen um den Schlaf bringen. Sondern Fledermäuse.

Oft sind es unerfahrene Jungtiere, die einfliegen und durch den kleinen Spalt des nach Innen gekippten Fensters nicht so einfach wieder herausfinden. Manchmal sind es aber auch kleine Fledermausgruppen, die auf der Suche nach einem Zwischenquartier sind. Im Laufe des Sommers lösen sich nämlich die sogenannten Wochenstubenquartiere auf, in denen mehrere Weibchen gemeinsam übertagen und ihre Jungen groß ziehen. Die Tiere fliegen dann aus und suchen sich neue Quartiere, bis sie im Spätherbst in ein, in der Regel frostfreies, Quartier für den Winterschlaf umziehen.

 

"Zwergenbesuch"

Meist sind es Zwergfledermäuse, die uns unerwarteten Besuch in der Wohnung abstatten. Sie gehören zu unseren kleinsten Fledermäusen. Selbst ausgewachsen, sind es Winzlinge, kaum schwerer, als ein Stück Würfelzucker. Mit angelegten Armen sind sie nicht größer, als eine Streichholzschachtel. Wenn man bei Anbruch der Dunkelheit in den Himmel schaut, kann man sie fast überall in den Städten im Kreisgebiet umherfliegen sehen. Als ursprüngliche Felsbewohner fühlen sie sich in unseren Siedlungen durchaus wohl, denn für sie unterscheidet sich eine Hauswand nicht wesentlich von einer Felswand. Sie finden Quartiere in daumendicken Ritzen in Putz oder Mauern, unter vorstehenden Schindeln, Verblendungen oder Dachpfannen.

 

Fledermäuse im Zimmer sind kein Grund zur Panik
Wenn Sie sehen, dass solch ein „Nachtschwärmer“ am Abend oder in der Nacht einfliegt, öffnen Sie einfach das Fenster möglichst weit und machen das Licht aus. Dann findet das Tier von selbst wieder heraus.
Sollte die Fledermaus jedoch erst kurz vor Tagesanbruch einfliegen, ist sie vielleicht schon auf der Suche nach einem ruhigen Tagesschlafplatz. Wenn sie bei geöffnetem Fenster nicht ausfliegt, können Sie sie vorsichtig mit einem Tuch oder einem Handschuh aufnehmen und nach Draußen entlassen. Legen Sie das Tier auf ein Tuch an einen etwas erhöhten, katzensicheren Ort, sodass es von dort gut starten kann. Die Tiere können nicht gut vom Boden aus losfliegen, besser ist eine kleine „Startrampe“. 

 

Niemals ein Tier einfach ins Freie werfen!

Es könnte durch das Umherirren in der Wohnung so geschwächt sein, dass es nicht mehr richtig fliegen kann. In diesem Fall finden Sie hier alles Wesentliche zur „Ersten Hilfe“.


Sollten Sie jedoch erst am Tag bemerken, dass es sich eine Fledermaus, zum Beispiel, in Ihrer Gardine gemütlich gemacht hat, lassen Sie das Tier dort bitte einfach bis zum Abend schlafen. Öffnen Sie zu Beginn der Dämmerung dann das Fenster weit und lassen es auf, bis es dunkel ist. Bitte setzen Sie das Tier nicht tagsüber aus.
Sollte es Sie an seinem ausgesuchten Schlafplatz sehr stören, können Sie es mit einem Tuch vorsichtig aufnehmen und beides bis zum Abend in einen kleinen, mit Luftlöchern versehenen Karton legen und an einen angenehm warmen, ruhigen Ort stellen.

Achtung: Fledermäuse sind wahre Ausbruchskünstler, daher den Karton gut verschließen. Sie können dem Tier vorher etwas Wasser auf einem Teelöffel anbieten. Den Löffel vorsichtig von seitlich unten an das Maul heranführen, damit kein Wasser in die Nasenlöcher kommt. Falls das Tier durstig ist, wird es davon trinken.

 

Eine Fledermaus kommt nicht immer nur alleine!

Wenn Sie eine Fledermaus bei sich in der Wohnung entdeckt haben, suchen Sie den Raum bitte immer nach Artgenossen ab. Schauen Sie vor allem in leere Vasen und ähnlichem nach, da diese Todesfallen darstellen, aus denen die Tiere nicht selbstständig entkommen können.

 

Nach erfolgreicher Befreiung: Fenster zu !

Nachdem alle Tiere ins Freie entlassen wurden, sollte in den folgenden Nächten vorsichtshalber das Fenster geschlossen bleiben. Fledermäuse sind sehr ortstreu und könnten, wenn sie Gefallen an Ihrer Wohnung gefunden haben, durchaus einen neuen Versuch starten, sich dort einzuquartieren.  Sollten Sie wiederholt als „Gastgeber wider Willen“ ausgewählt werden, kann ich Fliegengitter vor den Fenstern sehr empfehlen. Sie halten nicht nur die lästigen Fliegen und Mücken ab.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ungestörte Sommernächte! Ihre Britta Kunz

 

Juni 2021 - Der Siebenschläfer und das Wetter

Eine alte Bauernregel besagt „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass“. Was, so mag man sich fragen, hat der Siebenschläfer, dieses kleine, niedliche Tierchen, denn mit dem Wetter zu tun?

Nein, es ist keine heimische Version des nordamerikanischen Murmeltiertags, an dem Murmeltiere den weiteren Verlauf des Winters „vorhersagen“ und der bei uns durch den Film ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ bekannt geworden ist. Die Trefferquote der Murmeltier-Vorhersagen, ist übrigens, kaum überraschend, ziemlich gering. Unser heimischer Siebenschläfer kann genauso wenig etwas für das Wetter, das auf den 27. Juni, den Siebenschläfer-Tag, folgt.

 

Sieben schlafende Brüder und eine stabile Großwetterlage

Die Bezeichnung des Tages geht auf eine Legende zurück: sieben Brüder wurden während der Christenverfolgung im 3. Jahrhundert lebendig in einer Felshöhle eingemauert. Dort beteten sie um Schutz und schliefen ein. Ziemlich lange und wohl auch ziemlich fest. Denn erst gut 200 Jahre später wurden sie durch Zufall entdeckt und erwachten unversehrt.

Wo ist nun der Bezug zur Bauernregel?Tatsächlich bildet sich in unseren Breiten Ende Juni/Anfang Juli oft eine Großwetterlage heraus, die über einen längeren Zeitraum stabil bleiben kann. Die Vorhersagegenauigkeit liegt für Mitteldeutschland, laut Deutschem Wetterdienst, bei 60 bis 70 Prozent. Das ist immerhin erheblich mehr, als die Murmeltiere zu bieten haben.

 

Auch unser Bilch ist ein Langschläfer

Dass unser heimischer Bilch ebenfalls den Namen Siebenschläfer trägt, hat weder etwas mit der Legende noch mit dem Wetter zu tun. Allerdings kann man durchaus ein paar Parallelen zur Legende ziehen. Auch unser Bilch schläft ziemlich viel. Rund sieben Monate Winterschlaf haben dem knapp zwanzig Zentimeter großen Nager seinen Namen gegeben. Bilche, zu denen auch Gartenschläfer und Haselmaus gehören, werden wegen des langen Winterschlafs auch Schlafmäuse genannt. Um Mäuse handelt es sich allerdings nicht, sondern um Verwandte der Eichhörnchen. Eine gewisse Ähnlichkeit ist durchaus erkennbar. Der buschige Schwanz wird, wie bei den Eichhörnchen auch, genutzt, um das Gleichgewicht zu halten. Siebenschläfer sind geschickte Kletterer, die selbst Wände erklimmen können. Dabei helfen ihnen gelenkigen Zehen und ihre klebrigen Sohlenballen, die wie kleine Saugnäpfe wirken.

 

Eine weitere Parallele zur Legende: die Tiere schlafen gerne in Höhlen

Baumhöhlen, aber auch ausreichend große Nistkästen oder Rollladenkästen können bezogen werden. Es darf auch mal ein dunkles Eck im Gartenhäuschen oder auf dem Dachboden sein. Denn obwohl ursprünglich Waldtiere, können sie auch in Siedlungen angetroffen werden. Wenn es also einmal auf Ihrem Dachboden poltert und quiekt, ist es möglicherweise ein Siebenschläfer.

 

Nachtaktive Einzelgänger mit ausgeprägten Sinnen

Zu sehen bekommt man die Tiere allerdings selten, denn sie werden erst in der Dämmerung munter. Die großen Knopfaugen sind an die Orientierung im Dunkeln angepasst, vor allem aber sind Gehör- und Geruchssinn sehr gut ausgeprägt. Auch die langen Schnurrhaare und sogenannte Tasthügel am Körper helfen dem Siebenschläfer, sich bei den nächtlichen Ausflügen zurechtzufinden. Die Tiere sind die meiste Zeit als Einzelgänger unterwegs. Männchen und Weibchen kommen nur kurz zur Paarung im Juni zusammen, ansonsten wird das Revier energisch gegen Artgenossen verteidigt. Vier Wochen nach der Paarung werden die nackten und blinden Jungen geboren und zwei Monate lang vom Weibchen alleine aufgezogen. Einmal ausgewachsen, futtern Siebenschläfer dann so ziemlich alles, was ihnen vor die Schnauze kommt.

 

Eicheln und Bucheckern sorgen für den nötigen „Winterspeck"

Winterspeck ist dringend nötig, denn die Tiere können im Winterschlaf bis zu fünfzig Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Für den Winterschlaf wird ein möglichst frostfreies Quartier mit Laub und Moos ausgepolstert. Und mit Vorräten versorgt, an denen sich die Tiere nach dem Aufwachen im Frühjahr direkt stärken können. Hat sich ein Siebenschläfer in einem warmen Dachboden eingenistet, kann der Winterschlaf auch kürzer sein als die rund sieben, namengebenden Monate, oder sogar ganz ausfallen.

 

Siebenschläfer-Tag und "Prognosen" für das Sommerwetter

Nach dem regenreichen Mai sehnt sich sicher so mancher nach mehr Sonne und ein bisschen mehr Wärme. Doch egal wie der Sommer werden wird, ob sonnig oder verregnet, warm oder zu warm oder zu kalt, der Siebenschläfer, das kleine Tier, nimmt es, wie es kommt und macht sicherlich das Beste für sich daraus.

 

Tun wir es ihm nach. Ihre Britta Kunz

 

 

Mai 2021 - "Vogel-Rennen"

Haben Sie schon einmal vom ‚Birdrace’, also übersetzt vom ‚Vogelrennen‘ gehört? Wenn nicht, fragen Sie sich jetzt vermutlich: welche Vögel wo und warum rennen. Oder ob es sich vielleicht um ein Straußen-Rennen oder etwas Ähnliches handelt.

Der Name und vor allem die deutsche Übersetzung der Aktion sind, zugegebenermaßen, etwas irreführend. Denn nicht die Vögel rennen bei diesem Ereignis, sondern die Menschen laufen in gewisser Weise den Vögeln hinterher. Rennen wird dabei aber vermutlich kaum jemand, denn beim Rennen kann man die Vögel in der Umgebung weder gut sehen noch hören.

 

Tag der Vogelartenvielfalt

Und genau darum geht es: Vierundzwanzig Stunden lang so viele Vogelarten wie möglich zu beobachten. Die Aktion hat auch die vielleicht treffendere Bezeichnung ‚Tag der Vogelartenvielfalt‘. Das „Rennen“ findet immer Anfang Mai statt, und damit auf dem Höhepunkt der Vogelaktivitäten in unseren Breiten. In diesem Jahr ist es am Samstag, den 8. Mai, soweit.

 

Spaß ist Trumpf!

Mitmachen kann wirklich jede und jeder, egal ob klein oder groß, jung oder alt, ob mit oder ohne Vorkenntnisse.Unter allen Teilnehmenden werden attraktive Preise verlost, es gewinnt dabei nicht unbedingt die längste Artenliste. Lassen Sie sich daher nicht von dieser tollen Aktion abhalten, nur weil Sie glauben, außer einer Amsel und einer Kohlmeise keine Vogelarten unterscheiden zu können. Es geht um den Spaß an der Sache, um das Draußen sein, darum, Neues zu entdecken und Menschen für Naturbeobachtungen zu begeistern. Sie werden mit Sicherheit erstaunt sein, wie viele Vogelarten Sie an einem Tag entdecken.

 

Ausrüstungstipps

Ein Fernglas sollte man sich aber schon organisieren, am besten mit einer acht- oder zehnfachen Vergrößerung, um die Vögel auch auf Distanz erkennen zu können. Ein Bestimmungsbuch oder, wer es lieber digital mag, eine der im Internet verfügbaren Apps, helfen bei der Artbestimmung. Die Apps stehen zum Teil kostenlos oder für kleines Geld zum Herunterladen zur Verfügung. Es gibt sogar Apps, mit deren Hilfe man Vogelarten anhand ihres Gesanges bestimmen kann.

 

Allein unterwegs oder in der - digitalen - Gruppe / Möwen der Beste gewinnen!
Beim ‚Birdrace‘ führen alle Teilnehmenden eine eigene Liste. Sie können aber trotzdem mit der Familie oder in einer kleinen Gruppe unterwegs sein – sofern es die dann geltende Corona-Schutzverordnung erlaubt. Ganz Corona-konform, kann man sich auch mit bis zu vier weiteren Personen zu einem virtuellen Team zusammenschließen. Egal wo die Teammitglieder wohnen. Viele Teams geben sich witzige Namen, die etwas mit der Vogelwelt zu tun haben, wie etwa „Chickendales“ oder „Möwen der Beste gewinnen“. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.  Sehr schön finde ich auch den Namen des Teams „Ahnungslos durch die Nacht“.  Vielleicht sollte es in diesem Jahr eher „Artenlos durch die Nacht“ heißen, sollte eine Ausgangssperre die Beobachtungsstunden einschränkt. Den Spaß sollte das aber nicht schmälern. Mit etwas Glück hört man in der Nacht auch aus dem eigenen Garten oder vom Balkon aus noch einen Waldkauz rufen.

 

Nehmen Sie bitte Rücksicht auf die Natur
In einer Zeit, in der Freizeitaktivitäten eingeschränkt sind, bietet das ‚Birdrace‘ eine tolle Abwechslung. Andererseits steht die Natur in den letzten Monaten unter enormen Druck. Viele Menschen haben den Erholungswert der Landschaft um sie herum entdeckt. Das ist natürlich durchaus positiv, vor allem, wenn damit eine Wertschätzung für die Natur verbunden ist. Viele Menschen bedeuten aber auch viele Störungen für wildlebende Pflanzen und Tiere. Die meisten Menschen sind sich dessen sicherlich gar nicht bewusst, dass schon ihre bloße Anwesenheit eine Störung bedeutet. Daher ist es umso wichtiger, auf den Wegen zu bleiben und sich rücksichtsvoll zu verhalten. Für Naturschutzgebiete gilt ohnehin das Verbot, die Wege zu verlassen. Und um Vögel beobachten zu können, muss man sich sowieso ruhig verhalten. Viele Teilnehmende des ‚Birdrace‘ sind darüber hinaus klimafreundlich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Ist Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich doch noch schnell an unter www.birdrace.dda-web.de.

 

Ob mit oder ohne ‚Birdrace‘, ich wünsche Ihnen einen Mai voller schöner Erlebnisse.

Ihre Britta Kunz

 

April 2021 - Kleiner lautstarker König

Wenn jetzt im Frühjahr nach und nach das morgendliche Vogel-Konzert immer vielstimmiger erklingt, hebt sich ein Gesang ganz besonders hervor. Von würdevoll-royaler Zurückhaltung hat der Sänger, der den „König“ im Namen trägt, allerdings wohl noch nichts gehört. Der Zaunkönig trillert und schmettert was das Zeug hält.

Probehören kann man ihn, zum Beispiel, auf der Internetseite des Landesbunds für Vogelschutz (Stichworte LBV und Zaunkönig). Bis zu 90 Dezibel laut kann der Zaunkönig-Gesang werden. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Presslufthammers in zehn Meter Entfernung. Solch eine Stimmgewalt traut man dem kleinen Kerl gar nicht zu. Denn mit einer Größe von maximal zwölf Zentimetern und rund 10 Gramm Körpergewicht ist der Winzling der drittkleinste Vogel Europas. Nur Sommer- und Wintergoldhähnchen sind noch kleiner.

Trotz seines lauten Gesangs ist der Zaunkönig mit seinem braunen Gefieder oft schwer auszumachen. Eifrig hüpft er im Unterholz hin und her und pickt mit seinem spitzen Schnabel nach Insekten. Am besten erkennt man ihn, außer an seiner geringen Größe, an seinen steil aufgerichteten Schwanzfedern.


Für den kleinen König gibt es im Frühjahr viel zu tun

Nicht nur muss er sein Revier gegen Rivalen verteidigen. Er muss auch gleich mehrere Nester bauen, bis zu einem Dutzend können es sein. Denn eine Zaunkönigin sucht sich nicht den lautesten Sänger aus, sondern das ihrer Ansicht nach beste Nest.

Beim Nestbau sind die hier überwinternden Männchen im Vorteil. Sie können, je nach Witterung, schon im Februar mit dem Bau beginnen. Aber auch diejenigen, die sich nach Süden abgesetzt hatten, kehren etwa vier Wochen vor den Weibchen zurück. Auch sie brauchen schließlich Zeit, um den Damen etwas bieten zu können. Der Bau einer kunstvollen Kugel aus Moos, Halmen und Blättern mit einem seitlichen Einschlupfloch nimmt ein paar Tage in Anspruch. Der wissenschaftliche Name des Zaunkönigs ‚Troglodytes troglodytes‘ bedeutet übrigens „Höhlenbewohner“, was wohl auf diese Nestbauweise zurückzuführen ist.

 

Kreative Nistplatzwahl

Bei der Nistplatzsuche sind die Männchen kreativ. Mal im Gebüsch, mal unter Wurzeln oder im Efeu an der Hauswand. Sogar in alten Briefkästen, leeren Blumentöpfen und in Taschen aufgehängter Kleidung sollen schon Zaunkönig-Nester gefunden worden sein. Einmal mehr möchte ich für unaufgeräumte Gärten oder doch zumindest die eine oder andere unaufgeräumte Gartenecke werben. Denn auch im Schutz von alten Holzhaufen, Brennesel- und Brombeergestrüpp fühlen sich die Tiere sicher.
Man kann den Männchen ihre Arbeit etwas erleichtern, indem man Fichtenzweige zu einer Kugel zusammensteckt, ein Einschlupfloch frei lässt und die Kugel in dichtem Buschwerk in Bodennähe befestigt. Oder indem man entsprechende Nisthilfen kauft und aufhängt.
Zeigt sich ein Weibchen interessiert, wird es vom Männchen zu den verschiedenen Nestkugeln geführt. Sagt ihr ein Nest zu, folgt die Verpaarung. Der Innenausbau des Nests mit Moos, Haaren und Federn und das Bebrüten der Eier ist dann Frauensache.

 

Vielehen sind anstrengend

Der König hält sich zwar noch in Nestnähe auf und warnt bei Gefahr, nimmt es mit der Treue aber nicht so genau. Schließlich hat er noch andere Nester anzubieten. Vier bis fünf „Ehen“ gleichzeitig wurden schon beobachtet. Die „Vielweiberei“ artet allerdings schnell in Stress aus, schließlich muss der gesamte Nachwuchs gefüttert werden. Ist das Männchen überfordert und vernachlässigt er die Jungen einer Brut, sucht sich das allein gelassene Weibchen beim nächsten Mal einen anderen Partner.

 

Grimms Märchen erklärt die Namensgebung
Im schönen Märchen ‚Der Zaunkönig‘ der Gebrüder Grimm ist übrigens nachzulesen, wie der Vogel zu seinem ungewöhnlichen Namen kam. In einem Wettstreit sollte der König der Vögel bestimmt werden.  Der Zaunkönig trickste alle anderen Vögel aus. Er flog sogar höher als der Adler, indem er sich in dessen Gefieder versteckte und dann in schwindelnder Höhe daraus hervorschoss und „König bin ich“ rief. Und wer den kleinen Kerl einmal zu Gesicht bekommt, der mag ihm diese Schläue durchaus zutrauen, denn keck sieht er aus, der kleine König.

 

Einen königlichen April wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

März 2021 - Dicke Brummer

Kaum zeigte sich die Sonne und die Temperaturen kletterten wieder ins Plus, schon wagten sich die ersten Hummeln aus ihren Winterverstecken. Die „dicken Brummer“ zählen zu den ersten Blütenbesuchern des Jahres.

Mit ihrer wärmenden Behaarung und einem speziellen Trick können sie auch bei Temperaturen aktiv sein, die vielen anderen Insekten noch zu kalt sind. Dieser Trick heißt ‚Muskelzittern‘. Hummel wärmen sich aktiv auf, indem sie ihre Brustmuskeln vibrieren lassen. So kommen sie auch an kühlen Tagen auf die richtige „Betriebstemperatur“. Das hilft auch beim Fliegen.

 

Hummeln können gar nicht fliegen....???

Vielleicht haben Sie auch schon einmal gehört, dass Hummeln, nach den Regeln der Physik, gar nicht fliegen können. Diese Behauptung geht auf den französischen Zoologen und Luftfahrtingenieur Magnan zurück. Er verglich Anfang des 20. Jahrhunderts Insekten-Flügel mit den Tragflächen von Flugzeugen und kam zu dem Schluss, dass Hummel-Flügel zu klein seien, um die Tiere durch die Luft zu tragen. Was die Hummeln offensichtlich nicht wussten, denn sie brummten auch vor 100 Jahren schon durch die Lüfte. Magnan seinerseits wusste nicht, dass Hummel-Flügel nicht starr sind, wie die eines Flugzeugs. Sie sind dehnbar, biegsam und beweglich und können dadurch Wirbel unter den Flügeln verursachen, die für zusätzlichen Auftrieb sorgen.

 

Jungköniginnen auf Nistplatzssuche
Trotzdem kann man vor allem zu Beginn des Frühjahrs staunen, was für große Brummer durch die Luft schwirren. Zurzeit sind nämlich nur die Jungköniginnen unterwegs. Sie sind größer als die Arbeiterinnen und die Männchen und die einzigen, die den Winter überdauert haben. Im Frühjahr machen sie sich auf, um einen neuen Staat zu gründen. Dafür brauchen sie erst einmal Nahrung in Form von Blütennektar und Pollen. Deshalb sind Hummeln auf früh blühende Pflanzen, wie zum Beispiel Krokusse und Winterlinge, angewiesen.

 

Erste Hilfe für erschöpfte Königinnen

Finden Sie jetzt eine erschöpfte Hummel-Königin, können Sie „Erste Hilfe“ leisten: setzen Sie sie an einen sonnigen oder geschützten Platz, lösen Sie etwas Zucker in lauwarmem Wasser vollständig auf und bieten Sie die Zuckerlösung „Ihrer Majestät“ auf einem Löffel an.

 

Das Hummeljahr

Da die Königinnen schon im Herbst begattet wurden, suchen sie im Frühjahr sofort nach geeigneten Nistplätzen. Je nach Hummel-Art kommen verschiedenen Möglichkeiten in Betracht, zum Beispiel Löcher im Boden, Totholzhaufen, alte Vogelnester, Ritzen im Mauerwerk oder in der Hausverkleidung. Es gibt auch Hummel-Nisthilfen kaufen. Anleitungen zum Eigenbau und wie die Kästen richtig aufgestellt werden, findet man im Internet. Allerdings scheint die Bezugsquote von „Fertighäusern“ recht gering. Wichtig ist: den Hummelkasten nicht der prallen Sonne aussetzen und wenn er bezogen wurde, keinesfalls mehr verrücken. Im Winter säubern und trocken lagern und im kommenden März wieder aufstellen. Immer wieder findet man auch den Hinweis, mit Stroh oder Moos gefüllte Blumentöpfe als Nisthilfe einzugraben. Davon rate ich ab. Wasser kann aus solchen Nisthilfen meist nicht abfließen und die Brut kann dadurch verschimmeln.
Hat die Königin einen Nistplatz gefunden, baut sie die ersten Waben, legt Eier hinein und muss die daraus schlüpfenden Larven mit Pollen versorgen. Erst wenn aus den Larven Arbeiterinnen geworden sind, die sich dann um Nestbau und Nahrung kümmern, kann sich die Königin ganz auf das Eier legen konzentrieren und sich, wie eine echte Königin, bedienen lassen. Hummelstaaten werden nicht besonders groß, sie umfassen nicht mehr als einige hundert Tiere. Erst im Sommer entstehen dann neue Jungköniginnen und aus unbefruchteten Eiern werden Männchen. Die neuen Königinnen verpaaren sich mit den Männchen und suchen sich ein geschütztes Winterquartier. Der Rest des Staates stirbt ab. Im nächsten Frühjahr beginnt der Zyklus von neuem.

 

"Hummelpflanzen" fördern
Wer Hummeln fördern möchte, sollte von Frühjahr bis Spätsommer für ein reichhaltiges Blütenangebot sorgen. Schlüsselblumen, Kapuzinerkresse, Wicken, Glockenblumen, Sonnenblumen, Akelei und Heidekraut kann man auch auf dem Balkon anbieten. Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Lavendel und alle Beerensträucher, Obstbäume und Wildrosen liefern ebenfalls Hummel-Nahrung.  Auch unsere heimische Taubnessel und alle Klee-Arten, die man in eine Wiese säen kann, eignen sich. Mit einem reich gedeckten „Blütentisch“ sollte es bei Ihnen die nächsten Monate nur so brummen.

Einen schönen Frühlingsanfang wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

 

Februar 2021 - Das etwas andere Valentinsgeschenk

Am 14. Februar ist Valentinstag. Viele Liebende eilen dann in die Blumenläden. Rote Rosen, als Symbol der Liebe, werden an diesem Tag am häufigsten verschenkt. Wie wäre es diesmal mit einem etwas anderen Geschenk?

Zugegeben, so ein Strauß Rosen ist erst einmal schön anzusehen. Doch die Rosen kommen in dieser Jahreszeit meist aus Regionen wie Ostafrika und Südamerika, wo sie oft unter schlechten sozialen und ökologischen Bedingungen produziert werden.

Außerdem ist es leider nur allzu schnell vorbei mit der schönen Blütenpracht, denn die Schnittblumen sind spätestens nach ein paar Tagen verwelkt. Dass die Liebe so schnell welke, dass wünscht sich doch nun wirklich niemand.

Im Gegenteil, man möchte doch, dass die Liebe möglichst lange, am besten für ewig, hält, dass sie wächst und gedeiht. Fest verwurzelt im Leben soll sie sein und möglichst allen Stürmen trotzen.

 

Wäre ein Baum nicht ein viel besseres Symbol für die Liebe?

Warum nicht einmal ein Bäumchen zum Valentinstag verschenken? Wie wäre es, zum Beispiel, mit einem Obstbaum? Wer sich mit seinem oder seiner Liebsten wie im  Paradies auf Erden fühlt, mag vielleicht einen Apfelbaum wählen. Aus dem irdischen Paradies wird man sicher nicht vertrieben werden, wenn man später von seinen Früchten nascht.

Obstbäume sind obendrein selbst ein kleines Paradies für viele verschiedene Insekten. Und wenn Sie diese fördern, tun sie auch der Vogelwelt etwas Gutes.

Wählen Sie dann noch eine der vielen alten Obstsorten, helfen Sie auch mit, die Vielfalt der Obstsorten zu bewahren.

Obstbäume kann man bei frostfreiem Boden noch bis in den März hinein pflanzen. Falls Sie keinen Garten haben, sondern nur eine Terrasse oder einen Balkon, können Sie eine kleinwüchsige Sorte wählen, die auch in einem großen Blumenkübel gedeiht. Viele Obstsorten lassen sich auch als Spalierobst an der Hauswand entlang ziehen, was obendrein noch sehr hübsch aussieht. Natürlich muss es nicht unbedingt ein Obstbaum sein.

 

Heimische Gehölze bevorzugen

Auch jeder andere Baum ist eine schöne Geschenkidee. Achten Sie darauf, dass Sie eine Baumart aussuchen, die sich an dem von Ihnen ausgewählten Platz auch wohlfühlt. Aus ökologischer Sicht sind heimische Laubgehölze zu bevorzugen. Sie bieten in der Regel den meisten Insekten Lebensraum und Nahrung. Dieses Jahr kann es natürlich mit der von mir hier angepriesenen Geschenkidee etwas schwierig werden, denn möglicherweise bleiben Baumschulen und Gartencenter noch länger geschlossen. Oftmals ist es aber dennoch möglich, sich telefonisch beraten zu lassen und das Gewünschte dann vor Ort am Eingang abzuholen. Fragen Sie doch einfach einmal bei einem der Verkaufsstellen in Ihrer Nähe nach.

 

Bürgerbäume, Alleenpatenschaften: Alternativen bei "zu wenig Platz"

Sie finden die Idee, einen Baum zu verschenken gut, haben aber selbst keinen Platz, um einen zu pflanzen?

Dann können Sie stattdessen zum Beispiel einen „Bürgerbaum“ im Stadtgebiet Schwelm verschenken. Das Projekt, an dem die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Schwelm e.V. (AGU) maßgeblich beteiligt ist, vergibt Baumpatenschaften für neu zu pflanzende Bäume auf öffentlichen Stadtflächen. Weitere Informationen sowie eine Liste der Bäume, die „noch zu haben sind“ und wo diese im Stadtgebiet Schwelm gepflanzt werden oder bereits gepflanzt worden sind, findet man auf der Internetseite der AGU (www.agu-schwelm.de).


Wer „seinen“ Baum nicht unbedingt in der Nähe haben muss, der kann auch eine Alleen-Patenschaft verschenken, zum Beispiel über den BUND (www.bund.net). Ich finde, durch eine zu beiden Seiten dicht von alten Bäumen bestandene Straße zu gehen oder zu fahren ist immer ein besonderer Moment. Die Bäume hüllen ihre Umgebung in ein ganz eigenes Klima und Licht. Sie binden Staub und Abgase, verringern Lärm. Auch für Insekten, Vögel und Kleinsäuger stellen sie wertvolle Lebensräume dar.

Rund 17.000 Kilometer von Deutschlands Straßen sind von Alleen gesäumt. Noch. Denn leider drohen viele Alleen zu überaltern. Eine Alleen-Patenschaft hilft, diese Bäume zu schützen und zu pflegen und neue zu pflanzen. Beim BUND gibt es auch eine schöne Geschenkurkunde dazu.

 

Deutsche Allenstraße führt durch den Ennepe-Ruhr-Kreis

Übrigens sind fast 3000 Kilometer der Alleen als Route quer durch Deutschland ausgeschildert. Vielleicht ist Ihnen einer der Wegweiser schon einmal aufgefallen, denn die Deutsche Alleenstraße führt auch durch den Ennepe-Ruhr-Kreis. Die genaue Route findet man unter www.alleenstrasse.com. In diesen Zeiten auch ein sehenswertes Erkundungsziel quasi direkt vor der Haustür. Und vermutlich ganz ohne Gedränge.

 

Passen Sie weiterhin gut auf sich und andere auf! Ihre Britta Kunz

 

 

Januar 2021 - Baumschnitt

Sicherlich sind auch Ihnen in den letzten Wochen viele gefällte Bäume aufgefallen. Überall wird gesägt, im privaten Garten genauso wie in Parks und auf Friedhöfen, entlang der Straßen und in Wald und Flur.

In dieser Zeit gehen bei der Biostation dazu häufig Beschwerden ein, vor allem, wenn Gehölze sehr massiv zurückgeschnitten, gleich mehrere Bäume gefällt oder siedlungsnahe Waldstücke gerodet wurden. Allerdings sind wir keine Behörde, wir erteilen keine Genehmigungen und können Verstöße auch nicht ahnden.

 

Was erlaubt ist

Aber immer wieder taucht die Frage auf, was denn eigentlich in Punkto Heckenschnitt und Baumfällung rechtens ist und was nicht. So ganz einfach ist das nicht zu erläutern.

 

Schnittzeit in der Regel zwischen 30. 9. und 1.3.

Erst einmal: Wenn Bäume, Sträucher und Hecken geschnitten oder gefällt werden müssen, dann ist jetzt, zwischen dem 30. September und dem 1. März, also außerhalb der Brutzeit der meisten Vögel, die richtige Zeit dafür.

 

Hecken regelmäßig auf Stock setzen

Hecken sollten sogar regelmäßig zurückgeschnitten werden, will man sie langfristig erhalten. Bei ausgedehnten Hecken wird in einem mehrjährigen Turnus jährlich ein anderer Abschnitt ‚auf Stock gesetzt‘. So bleiben immer Teile der Hecke stehen, während andere wieder nachwachsen.

 

Ausnahmen für Arbeiten im Wald

Im Wald dürfen Bäume auch außerhalb von Herbst und Winter geschnitten oder gefällt werden. Derzeit ist leicht einzusehen, dass die Zeit sonst nicht ausreicht, um geschädigtes Holz zu entnehmen. In solchen Ausnahmejahren können auch größere Flächen komplett gerodet werden.

Grundsätzlich dürfen, vereinfacht gesagt, in einem zusammenhängenden Waldbesitz innerhalb von drei Jahren maximal zwei Hektar kahl geschlagen werden. Weitere Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel.

Wenn keine andere Genehmigung vorliegt, muss die Fläche innerhalb von zwei Jahren wieder aufgeforstet werden.

Nach Extremereignissen, wie zurzeit oder nach dem Orkan Kyrill, sind aber nicht genug Pflanzen zur Wiederaufforstung vorhanden. Dann kann auch die etwas länger dauernde natürliche Wiederbewaldung über Samen zugelassen werden, die Wind und Tiere in die Fläche tragen.

 

Verkehrssicherung

Bäume können aber auch außerhalb des Waldes „jederzeit“ geschnitten oder gefällt werden, wenn sie eine Gefahr für Menschen oder Sachgegenstände darstellen. Daher wird jetzt auch wieder verstärkt entlang der Straßen gearbeitet.

Manch einer sieht in dieser sogenannten ‚Verkehrssicherungspflicht‘ ein Argument, das missbraucht werden kann, um so gut wie jeden Baum zu fällen. Dem ist sicher nicht so, auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass aus wirtschaftlichen Gründen an der einen oder anderen Stelle mehr Gehölze entfernt oder geschnitten werden, als unbedingt notwendig.

Wer Zweifel an einer Fällung oder Rodung aus Gründen der Verkehrssicherung hat, braucht in der Regel ein fachlich fundiertes Gegengutachten, um dagegen vorgehen zu können.

 

Artenschutz muss immer berücksichtigt werden
Aber egal aus welchen Gründen und wo ein Gehölz gefällt werden soll, der Artenschutz muss zuvor immer berücksichtigt werden. Wildlebende Tiere, ob Vögel, Eichhörnchen oder Fledermäuse, dürfen nicht zu Schaden kommen.

Besonders gesetzlich geschützt sind Horst- und Höhlenbäume. Gegebenenfalls muss eine Fällung zeitlich verschoben oder Ausgleich geschaffen werden, etwa durch Nistkästen.

 

Finanzielle Förderung von Biotoipbäumen

Im Wald wird der langfristige Erhalt von Horst- und Höhlenbäumen sogar finanziell gefördert. Informationen dazu findet man beim Landesbetrieb Wald und Holz (www.wald-und-holz.nrw.de, Stichworte Biotopbaum, Förderung).

 

Baumschutzsatzungen

Von den Städten im Kreisgebiet haben Gevelsberg, Herdecke, Sprockhövel, Wetter und Witten eine Baumschutzsatzung. Ab welchem Stammumfang Bäume dadurch geschützt werden und ob die Satzung nur für den öffentlichen oder auch den privaten Raum gilt, ist unterschiedlich. Angaben dazu finden Sie auf den Internetseiten der jeweiligen Kommunen oder Sie fragen direkt bei Ihrer Kommune nach.

 

Naturdenkmäler und Alleen

Sehr alte und imposante Bäume können übrigens auch ohne Baumschutzsatzung als ausgewiesenes Naturdenkmal besonders geschützt werden. Auch Alleen stehen unter einem besonderen Schutz.

 

Bei all den vielen, unterschiedlichen Vorschriften sieht man als Laie sicherlich manchmal den „Wald vor lauter Bäumen“ kaum. Im Zweifelsfall hilft dann eben: nachfragen!

 

Alles Gute für 2021 wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz.

 

Dezember 2020 - Augen auf beim Weihnachtsstern-Kauf

Unter den etwa 100 Millionen Zimmerpflanzen, die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden, sind Weihnachtssterne einer der „Renner“. Wer kennt sie nicht, die Topfpflanzen, mit den roten Hochblättern, die man zur Vorweihnachtszeit vielerorts erstehen kann.

 

Exotische Herkunft

Weihnachtssterne stammen ursprünglich aus dem mexikanischen Hochland.

Ihre „wilden“ Vertreter sind jedoch Riesen im Vergleich zu den eingetopften Genossen auf unseren Fensterbänken. In Mexiko wachsen sie zu stattlichen vier bis sechs Meter hohen Sträuchern heran.

Ihre Bekanntheit in der Welt haben Weihnachtssterne einem Mann zu verdanken, der im 19. Jahrhundert als Botschafter der USA in Mexiko tätig war und die Pflanze als Geschenk nachhause schickte. Sein Name, J.R. Poinsette, gab der Pflanze im englischen Sprachraum sogar ihren Namen: Pionsettia.

 

Unscheinbare Blütenstände locken Kolibris an

Zu Beginn ihrer Verbreitung als Zierpflanze wurden Weihnachtssterne wie Schnittblumen behandelt, also abgeschnitten und in eine Vase gestellt. Dabei haben die Pflanzen gar nichts mit typischen Schnittblumen gemein. Ihre grünlichen Blütenstände sind ganz klein und unscheinbar. Winzige gelbe Farbtupfer bilden darin nur die kleinen gelben Nektardrüsen, die mit ihrem zuckerhaltigen Saft in Mexiko unter anderem Kolibris anlocken. Die kleinen Vögel bestäuben die Weihnachtsstern-Blüten unbeabsichtigt, während sie den Nektar trinken.

 

Attraktive Hochblätter

Was die Pflanze mit den unscheinbaren Blüten aber zu einem echten Hingucker macht, sind die rot gefärbten, sternförmig angeordneten Hochblätter, die die Blütenstände umgeben. Die rote Blattfarbe entsteht durch den Farbstoff Anthocyan. Fehlt er oder ist er nur in geringen Mengen vorhanden, bleiben die Blätter weiß beziehungsweise rosa. Die Farbe wird übrigens erst ausgebildet, wenn die Tage kürzer als zwölf Stunden sind. Bei uns also im Winter, zur Weihnachtszeit.

 

Schlechter ökologischer Fußabdruck
Mittlerweile sind die aus den Wildformen gezüchteten Zierpflanzen in vielen Gebieten rückverwildert, in denen ein ähnliches Klima wie in ihrer ursprünglichen Heimat herrscht, zum Beispiel in Ländern Afrikas, Asien und Südamerikas. Dort werden sie auch angebaut und als Samen oder Jungpflanzen zu uns geschickt. Per Flugzeug, versteht sich.

Manchmal werden aber auch erst bei uns Mutterpflanzen herangezogen, die dann nach Afrika geflogen werden, um dort kostengünstiger Stecklinge zu produzieren. Die Stecklinge werden später zur Bewurzelung wieder nach Deutschland zurückgeflogen, hier in Torf kultiviert und mehrere Wochen in geheizten Gewächshäusern herangezogen, bevor sie auf den Markt kommen. Ein Weihnachtsstern hat also eine lange Reise hinter sich, bis er in unsere Wohnung gelangt. Und keinen guten ökologischen Fußabdruck.

 

Bio-Pflanzen als Alternative

Dass bei der Aufzucht in Afrika, Südamerika und Asien nicht dieselben Standards in Sachen Arbeitsschutz und Pestizideinsatz gelten, wie bei uns, dürfte jedem klar sein. Wer zumindest dem Pestizideinsatz und dem Torfverbrauch etwas entgegen setzen will, der sollte auf Bio-Pflanzen zurückgreifen. Beim Anbau dieser Pflanzen wird darauf verzichtet. Verkauft werden sie unter anderem in Naturkostläden oder in den deutschlandweit rund 200 Bio-Gärtnereien. Bezugsquellen findet man auch im Internet, zum Beispiel unter www.bio-zierpflanzen.de.

 

Bei richtiger Pflege jahrelang haltbar

Übrigens: hat man einmal einen Weihnachtsstern, kann er bei guter Pflege mehrere Jahre gedeihen. Bis Ostern sollte er an einem hellen Platz stehen. Staunässe mag er gar nicht, dann wirft er seine Blätter ab. Nach Ostern müssen die Triebe auf etwa ein Drittel zurückgeschnitten werden. Soll er bis zur Weihnachtszeit rote Hochblätter ausbilden, muss er ab Herbst bei Temperaturen über 15°C für mehr als 12 Stunden im Dunkeln stehen. Und das konsequent. Schon geringer Lichteinfall während der Dunkelphase verhindern die Blüte und mit ihr die Ausbildung der Hochblätter.

 

Heimische "Alternative": Barbarazweige
Wer es noch ökologischer mag: eine schöne Alternative zum Weihnachtsstern sind die fast in Vergessenheit geratenen Barbarazweige. Am 4. Dezember, dem Barbartag, werden Kirschzweige vom Baum geschnitten. Über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt und dann im Haus in eine Vase an einen nicht zu warmen Ort gestellt, sollten sich die Blütenknospen am Weihnachtsmorgen öffnen. Stimmt das „Timing“, verheißt es viel Glück für das kommende Jahr.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Jahresabschluss und viel Glück und Gesundheit.
Ihre Britta Kunz

 

November 2020 - Farbtupfer

Noch zaubert das Herbstlaub der Bäume eine bunte Farbenpracht in unser Leben. Aber spätestens, wenn das Laub zu Boden fällt, wird es zunehmend Grau um uns herum. Überraschenderweise sieht man aber auch in den kalten Monaten in manchen Gärten und Parks ein paar farbenprächtigen Blüten, die sich dem Grau entgegen recken.

 

Zaubernuss und Winterjasmin

Von den Sträuchern, die in dieser Jahreszeit bunte Blüten treiben, sind die zwei stark duftenden Zaubernuss-Arten vielleicht am weitesten verbreitet. Ursprünglich stammen sie aus Ostasien. Rot blüht die Japanische Zaubernuss, gelb die Chinesische Art.

Beide gedeihen besonders gut an sonnigen Standorten, erstaunlicherweise bleiben die Blüten aber auch nach einem Frost noch schön. Zaubernuss-Sträucher können angeblich Temperaturen von bis zu minus 15 Grad Celsius vertragen.

 

Den meisten bekannt sein dürfte auch der Winterjasmin. Manchmal wird er allerdings mit der ebenfalls sehr bekannten, aber später blühenden, Forsythie verwechselt. Auch der Winterjasmin schickt seine goldgelben Blüten lange vor den grünen Blättern in die Kälte des Winters. Und auch seine Blüten duften stark. An einer Kletterhilfe kann der Winterjasmin gute drei Meter in die Höhe wachsen. Oft sieht man ihn aber sehr dekorativ über Mauern herabhängen. Die geöffneten Blüten sind zwar frostempfindlicher als die der Zaubernuss-Arten, aber die noch verschlossenen Blütenknospen sind gut vor Frost geschützt. Da der Winterjasmin nicht alle Blüten auf einmal öffnet, können auch strenger Fröste der Blütenpracht nicht lange etwas anhaben. Die restlichen Knospen öffnen sich dann nach dem Frost und der Strauch erblüht von neuem.

 

Heimische Arten oft ökologisch sinnvoller

Der Insektenwelt haben diese Arten, ebenso wie die Forsythie, allerdings nicht viel zu bieten. Daher sollte man sie sparsam und nur als einzelne Farbtupfer pflanzen. Eine ganze Forsythienhecke ist wenig ökologisch.

 

Dagegen stellen heimische Rosenarten, wie zum Beispiel die Hundsrose (Rosa canina) und die Feldrose (Rosa arvensis), einen vitaminreichen herbstlichen Festschmaus für die bei uns überwinternden Vögel bereit. Ihre leuchtend orangeroten Hagebutten sind ebenfalls bunte Farbtupfer im Herbst- und Wintergrau. Außerdem bieten Rosensträucher einen hervorragenden Rückzugsort für Vögel, da ihre Dornen die Tiere vor Raubfeinden schützen. Auch andere heimische fruchttragende Sträucher, wie der Gewöhnliche Schneeball, das Pfaffenhütchen und der Blutrote Hartriegel werden gerne von verschiedenen Vogelarten gefressen und erfreuen uns mit ihren farbigen Früchten.

 

Hecken sind wertvolle Überwinterungs-Refugien
Aber auch ohne ausdauernde Früchte oder Dornen sind Sträucher und Hecken wertvolle Refugien für die heimische Tierwelt. Hainbuchen, die ihr trockenes Laub bis ins Frühjahr hinein behalten, sind in der kalten Jahreszeit vielleicht nicht besonders schön anzusehen. Aber sie bieten Insekten, Vögeln und Kleinsäugern einen wind- und sichtgeschützten Unterschlupf.

 

Üben Sie sich in Unordung!

Daher sollte man Sträucher und Hecken erst gegen Ende des Winters zurückschneiden. Wer einen Garten sein Eigen nennt, sollte das Schneiden und Aufräumen dort ohnehin am besten ganz auf das Frühjahr verschieben und den Herbst und Winter über „Unordnung“ dulden. In manch abgeblühtem Pflanzenstängel überwintern Insektenlarven und die Samen bieten Vögeln wie Gimpel und anderen „Körnerfressern“ auch noch ein paar Mahlzeiten. So kann man Insekten und Vögel ohne Mehrarbeit und großen Aufwand ganz einfach unterstützen. Und die Vögel, die dann immer wieder an diese „natürlichen“ Futterstellen kommen, in Ruhe beobachten.

 

Ich hoffe, dass Sie im Novembergrau viele Farbtupfer entdecken, die Ihnen den Monat etwas bunter machen. Ihre Britta Kunz

 

Oktober 2020 - Kastanienkrankheit

Die Blätter vieler Bäume werden schon braun. Das hängt oft mit dem Wassermangel zusammen, den der dritte zu trocken Sommer in Folge uns beschert. Aber nicht nur. Manche Bäume werden auch noch von anderen Stressfaktoren geplagt.

Die Kastanie zum Beispiel. Genauer, die Weißblühende Rosskastanie. Ein Baum, der auch in den Städten zu finden ist. Dort fällt die frühe fleckige Braunfärbung der Blätter natürlich besonders ins Auge.

 

Kleine Ursache mit großer Wirkung

Verantwortlich dafür ist häufig die sogenannte Kastanienminiermotte. Gerade einmal drei Millimeter Körperlänge bringt sie auf. Ihre Eier legt sie auf den Blättern der Rosskastanie ab. Die Larven, die daraus nach ein bis zwei Wochen schlüpfen, fressen kleine Hohlräume aus den Blättern heraus. Was auf den Blattober- und Unterseiten übrig bleibt, vertrocknet und wird zu braunen Flecken.

Die Larven sind zwar auch nur wenige Millimeter klein, aber viele hungrige Miniermotten- Larven können an den Blättern zu erheblichen Schäden führen. Sind die Larven satt, verpuppen sie sich. In dem für Schmetterlinge charakteristischen Ruhestadium findet der Umbau zum Schmetterling statt.

 

Unscheinbarer Schmetterling

Auch wenn Ihre Vorstellungen eines Schmetterlings vielleicht eine andere sein mag, die kleinen Motten gehören auch dazu. Die ersten Eier werden bereits während der Kastanienblüte abgelegt. Bei guten Bedingungen können bis in den Herbst hinein noch mindestens zwei weitere Generationen folgen. Ganz schön viel auszuhalten, für so einen Kastanienbaum. Ob die Kastanienminiermotten die Bäume wirklich nachhaltig schädigen können, darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche bezeichnen es vor allem als ein ästhetisches Problem. Allerdings setzen den Bäumen in Städten zusätzlich oft noch ein zu kleiner Wurzelraum, Streusalze und Wassermangel zu.

 

Blätter sammeln gegen den Mottenbefall

Da einige der Puppen in den herabfallenden Blättern den Winter überdauern und erst im kommenden Frühjahr als Motte schlüpfen, finden in manchen Städten im Herbst Blattsammel-Aktionen statt. Die herabgefallenen Kastanienblätter werden eingesammelt und in örtliche Kompostieranlagen gebracht. Die dort herrschenden hohen Temperaturen überstehen die Puppen nicht. Durch die Sammelaktionen wird die Miniermotte zwar nicht komplett bekämpft, aber die Anzahl der im kommenden Frühjahr schlüpfenden Motten wird verringert.

Falls Sie eine Kastanie mit braunen Blättern auf Ihrem Grundstück haben: die Wärme eines normalen Komposthaufens im Garten reicht nicht aus, um die Puppen abzutöten.

Falllaub hat außerdem einen hohen Stellenwert als Bodenschutz im Winter, als Nährstoffquelle und als Nahrung und Lebensraum für viele Kleinstlebewesen. Alternativ kann man daher auch die natürlichen Fressfeinde, wie insektenfressende Vögel, zum Beispiel Meisen, fördern.

 

Herkunft der Miniermotte

Woher die Motte ursprünglich stammt, war lange nicht klar. Dann aber fand man sie zufällig in Herbar-Belegen in Griechenland. Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie Sie früher Blumen und Blätter zwischen alten Zeitungen gepresst und damit getrocknet haben. Herbar-Belege sind im Grunde nichts anderes, nur auf wissenschaftlicher Basis. Die Pflanzenart, Datum und Fundort und noch einiges mehr werden darauf vermerkt. Und in solch einem Herbar-Beleg einer Rosskastanie in Griechenland fand man die Larve einer Miniermotte, die vor 140 Jahren unbeabsichtigt mitgepresst worden war. Da sich in Herbar-Belegen aus dem Balkan aus den 1960er Jahren sehr viele Larven finden, weiß man, dass es dort bereits zu einem Massenauftreten kam. Vermutlich sind die Motten dann im Laufe der Jahre unbeabsichtigt durch den Menschen über die Transportwege zu uns gelangt.

 

Minierer sind nichts Seltenes
Übrigens ist die Ernährungsweise der Kastanienminiermotte gar nicht besonders außergewöhnlich. Einige Insekten, vor allem verschiedene Arten der Kleinschmetterlinge, Käfer und Fliegen zählen zu den sogenannten Minierern, die sich durch Blätter fressen. Diese Art der Nahrungsaufnahme, hat nämlich den Vorteil, dass sie dem Insekt Schutz vor Fressfeinden und unliebsamer Witterung bietet.

 

Andere Ursache einer verfrühte Braunfärbung

Die kleine Motte muss auch nicht an jedem braunen Fleck auf den Kastanienblättern Schuld sein. Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel mit den Flecken, die der Blattbräunepilz hinterlässt. Ob es das für die Kastanie besser macht, bezweifle ich allerdings.

 

Zum Glück färbt sich das Laub im Oktober nicht nur Braun, sondern in viele schöne bunte Herbstfarben. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist das ein tolles Farbenspiel. Ich hoffe, Sie finden ein bisschen Zeit, dieses zu genießen. Ihre Britta Kunz

 

 

September 2020 - Infektionskrankheiten im Tierreich

Manche mögen‘s kühl. Falls Ihnen in den heißen Sommertagen auch der Sinn nach einer Abkühlung stand oder steht, sind Sie damit nicht alleine. Auch im Tierreich gibt es Arten, die mit der Hitze nicht so gut zurechtkommen.

Der Feuersalamander ist einer von ihnen. Dieser schwarz-gelbe Geselle mag besonders gerne kühle Bäche, wie sie im Ennepe-Ruhr-Kreis zu finden sind. Deshalb kommt er bei uns und in anderen Mittelgebirgs-Regionen noch häufig vor. Noch, muss man betonen.

Denn auch im Tierreich gibt es immer wieder neu auftretende Infektionskrankheiten. Davon können sowohl Nutztiere als auch Wildtiere betroffen sein, wie etwa bei der Afrikanischen Schweinepest. Manchmal sind sowohl bestimmte Tiere als auch der Mensch gefährdet, wie bei einigen Erregern der Vogelgrippe. Viele Krankheitserreger im Tierreich sind aber auf einzelne Tiergruppen spezialisiert.

 

Die sogenannte „Krebspest“ die unsere heimischen Großkrebse, den Edelkrebs und den Steinkrebs, befällt, ist ein Fadenpilz, der durch nordamerikanische Flusskrebse eingeschleppt wurde. Diese nordamerikanischen Krebse sind immun, unsere heimischen Großkrebse leider nicht. Sie sterben daran. So werden Edel- und Steinkrebs in unseren Gewässern nach und nach durch die nordamerikanischen Arten verdrängt.


Auch bei Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern gibt es Pilzkrankheiten.

Ein Hautpilz mit dem sperrigen Namen Batrachochytrium dendrobatidis, kurz, und besser auszusprechen, Bd genannt, hat besonders in den Tropen und Subtropen zu einem massiven Amphibiensterben geführt. In Europa scheinen die meisten Amphibien-Arten mittlerweile einigermaßen mit dem Pilz zurecht zu kommen.

 

Seit 2013 breitet sich jedoch ein neuer Pilz aus, der vermutlich über den Handel mit Amphibien aus Asien eingeschleppt wurde. Er hat vor kurzem auch den Ennepe-Ruhr-Kreis erreicht. Dieser Pilz geht, vor allem den Molchen und dem Feuersalamander, im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut“. Da er zum ersten Mal beim Feuersalamander nachgewiesen wurde, trägt er den Namen Batrachochytrium salamandrivorans (kurz: Bsal). Übersetzt heißt das so viel wie „Salamanderfresser“. Und tatsächlich „frisst“ er sich in die Haut der Tiere, zerstört sie und führt zu Infektionen und zum Tod. Oft wird die Krankheit als „Salamanderpest“ bezeichnet. Das Wort „Pest“ wird dabei, wie auch bei der „Krebspest“ im Sinne von „Seuche“ gebraucht. Um eine wirkliche Pest handelt es sich natürlich nicht, denn diese wird durch ein bestimmtes Bakterium ausgelöst, nicht durch einen Pilz.

Für uns Menschen sind „Krebspest“ und „Salamanderpest“ nicht gefährlich. Auch nicht für unsere Haustiere, außer natürlich, Sie halten sich zuhause Amphibien oder Edelkrebse.

 

Sollten Sie in Wald oder Feld einen Molch oder Feuersalamander mit Hautveränderungen finden, melden Sie uns bitte den Fund. Am besten mit einem Foto des Tieres. Aber berühren Sie das Tier nicht. Auch nicht mit dem Schuhen. Menschen und auch Hunde können die Pilze nämlich weiter ausbreiten. Befreien Sie Ihr Schuhwerk daher am besten nach jedem Spaziergang noch vor Ort gründlich von Erde. Und halten Sie ausreichend Abstand zu Gewässern. „Gewässer“ meint Bäche, Flüsse, Tümpel, Teiche, Seen und potentiell auch jede feuchte Fahrspur in einem Feldweg. Pilze bilden mikroskopisch kleine Dauerstadien, sogenannte Sporen aus. Leider können die Sporen des Salamanderfresser-Pilzes auch Trockenheit überstehen. Es reicht daher nicht, Schuhe und Hundefell durchtrocknen zu lassen, bevor man in oder an den Rand eines anderen Gewässers geht. Zuverlässig gegen Bsal hilft nur das Einsprühen mit einem Desinfektionsmittel. Gut eignet sich auf 70 Prozent verdünnter Brennspiritus, der mindestens zwei Minuten lang einwirkt. Alle, die beruflich oder im Hobby mit Gewässern zu tun haben, sollten diese Hygienemaßnahme verbindlich durchführen.

 

Haustiere können natürlich nicht desinfiziert werden. Daher sollten auch Hunde von Gewässern fern gehalten werden. In Naturschutzgebieten ist es ohnehin nicht erlaubt, Hunde in Gewässer zu lassen.

Vielleicht empfinden Sie all das in der aktuellen Zeit übertrieben und nur als weitere lästige Einschränkung. Aber ich finde, auch die mit der Covid-19-Pandemie verbundenen Auflagen sollten uns nicht daran hindern, für das Überleben unserer tierischen Mitgeschöpfe Sorge zu tragen.

 

Bleiben Sie gesund. Ihre, Britta Kunz

 

 

August 2020 - "Der Dachs lässt schön grüßen...."

Als ich kürzlich in der Dunkelheit durch das Tal der Ennepe fuhr, sah ich plötzlich auf der Straße vor mir einen dicken, runden, pelzigen Po gemächlich dahin wackeln. Ein Dachs!

Leicht erkennbar an seinem gedrungenen Körperbau und grau-weiß-schwarzen Pelz. Ganz unverkennbar ist die schwarze „Augenmaske“ – weshalb er auch manchmal spaßhaft als „ Zorro der Marder“ betitelt wird.


Obwohl die Tiere gar nicht so selten sind, bekommt man sie nicht oft zu Gesicht. Um dem größten unserer heimischen Marderartigen zu begegnen, sollte man in der Dämmerung oder Nacht in Waldnähe unterwegs sein. Oder in einer reich strukturierten Heckenlandschaft. Tagsüber zeigt er sich nur selten, etwa, um sich den dicken Pelz an einem ungestörten Platz in der Sonne zu wärmen. Ansonsten verbringen Dachse viel Zeit „unter Tage“ in selbstgegrabenen Erdhöhlen. Daher werden sie auch Erdmarder genannt.

 

Beim Graben helfen ihnen kräftige, nach unten gebogene Krallen. Die Höhlen werden oft über Generationen von Dachsen immer weiter zu unterirdischen Dachsburgen ausgebaut. Das größte Burgen-Exemplar, von dem ich weiß, wurde in England gefunden und umfasste 50 Kammern, 178 Eingänge und fast 900 Meter Tunnel. Das bedarf natürlich einer gewissen Standfestigkeit des Bodens, daher kommt der Dachs in Gegenden mit sandigem Boden nicht vor. Aber auch zu steinig darf es nicht sein.


Die Dachsbaue werden übrigens auch vom Rotfuchs geschätzt, manchmal leben sie sogar als Untermieter gleichzeitig mit dem Dachs beziehungsweise einem Dachsclan darin. In diesen Familienverbänden bleiben die älteren Geschwister noch einige Zeit in der Familie. Erst ab dem zweiten Jahr machen sie sich auf den Weg, selbst einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Ob „mein“ Dachs so ein junges „Wandersmädel“ oder doch eher ein „Wandersbursche“ war?

 

Er - oder sie - das lässt sich nicht so einfach unterscheiden - sah jedenfalls schon ganz schön groß aus. Bis zu 80 Zentimeter lang und beachtliche 15 Kilogramm schwer können Dachse werden. Ihren Speck futtern sie sich mit Insekten, Regenwürmern, Fallobst und auch mal Eiern von Wiesenvögeln an. Auch unvorsichtige Reptilien und kleine Säuger werden verputzt. Im Gegensatz zu anderen Mardern jagen sie aber nicht aktiv und bleiben bei der Nahrungssuche auf dem Boden. Beim Auffinden der Nahrung hilft die rüsselartige Schnauze, die einerseits sehr empfindlich ist, um die Nahrung aufzuspüren und andererseits robust genug, um damit in der Erde zu wühlen.

 

Haben sich die Dachse genug Speck angefressen, kommen sie gut durch die nahrungsarme Winterzeit, in der sie in ihren Bauen Winterruhe halten. Am Ende der Winterruhe bringen die Weibchen zwei bis fünf blinde Junge zur Welt. Sie bleiben mehrere Wochen im schützenden Bau, bevor sie sich an die Oberfläche wagen. Da sie Winterruhe halten, findet die Paarung bereits im Frühjahr oder Sommer statt.

 

Damit die Jungen aber nicht im Herbst oder Winter zur Welt kommen, hat sich die Natur einen Trick ausgedacht, die sogenannte Keimruhe. Die weiblichen Eizellen werden direkt nach der Paarung befruchtet, fallen dann aber in einen „Dornröschenschlaf“, aus dem sie erst im Winter erwachen. Erst dann entwickelt sich die Eizelle weiter zum Embryo, und nach weiteren 45 Tagen werden die Jungen zu Anfang des Frühjahres geboren. 

 

Wenn ich einen Dachs sehe, muss ich immer an das schöne Kinderbuch von Kenneth Grahame ‚Der Wind in den Weiden‘ denken. Dessen Untertitel  lautet nämlich „Der Dachs lässt schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden“. Auch wenn der Dachs kein wirklicher Einzelgänger ist, könnte man ihn doch dafür halten, wenn er alleine durch die Gegend trottet.  Und dabei durchaus auch ein bisschen unnahbar wirkt. Das Buch ist übrigens nicht nur für Kinder lesenswert. Es geht um verschiedene Tiere, aber vor allem um Freundschaft. Auch wenn die Tiere stark vermenschlicht sind, lernt man ganz nebenbei einiges über die Natur. Das Buch gibt es auch in einer Hörversion, wunderbar gelesen von Harry Rowohlt und ein schöner Zeitvertreib für lange Zug- oder Autofahrten.

 

Apropos Auto: Am häufigsten bekommt man Dachse leider zu Gesicht, wenn sie überfahren am Straßenrand liegen. „Mein“ Dachs hatte an dem Abend Glück, auch, weil ich wohlweislich auf solchen Strecken immer besonders vorsichtig unterwegs bin. Die Dachse und viele andere Wildtiere danken Ihnen, wenn Sie das auch sind.

 

Ihre Britta Kunz

 

 

Juli 2020 - Lichtertanz der Natur

Jetzt ist die beste Zeit, um ein fast schon magisch anmutendes, kleines Naturschauspiel zu beobachten!

Kleine grüne Leuchtpunkte blinken in diesen lauen Sommernächten. Manche schweben, in einem wahren Lichtertanz der Natur, lautlos durch die Luft. Glühwürmchen. Aber dunkel muss es sein. Glühwürmchen meiden verständlicherweise das Licht. Denn nur in der Dunkelheit kommt das eigene Leuchten zur Geltung. Die zunehmende „Lichtverschmutzung“ ist, neben der Lebensraumzerstörung ein Grund, warum die Tierchen selten geworden sind.

Aber mit etwas Glück kann man sie entlang von Waldrändern, Gebüschsäumen, in alten Parkanlagen oder auch im eigenen Garten beobachten.

 

Die deutsche Bezeichnung ‚Glühwürmchen‘ ist jedoch irreführend, denn es handelt sich nicht um Würmer, sondern um Käfer. Leuchtkäfer, um genau zu sein. Weltweit sind etwa 2000 Arten bekannt. Bei den meisten Arten leuchten die Weibchen. Da sie tatsächlich ein bisschen wie ein Wurm aussehen und nicht fliegen können, hat man ihnen im deutschsprachigen Raum den Namen Glühwürmchen gegeben. Anders die Männchen. Sie sehen bei den meisten Arten eher wie Käfer aus und können meist auch fliegen. Dafür können sie aber nicht oder nicht so intensiv leuchten.

Es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist der Kleine Leuchtkäfer, eine von drei Glühwürmchen-Arten, die bei uns heimisch sind. Bei dieser Art leuchten sowohl das wurmähnliche und flugunfähige Weibchen als auch das fliegende Männchen sehr intensiv. Wenn Sie schwebende grüne Leuchtpunkte bei und im Kreisgebiet entdecken, handelt es sich immer um Männchen des Kleinen Leuchtkäfers.

 

Aber warum eigentlich der ganze Aufwand mit dem Licht? Die Antwort lautet: Kommunikation. Manche Arten nutzen die Lichtsignale, um Beutetiere anzulocken, andere, um Fressfeinde zu erschrecken. Vor allem aber geht es um Brautwerbung. Männchen und Weibchen finden erst durch die Lichtsignale zueinander. Angeblich sind die am hellsten leuchtenden Weibchen bei den Männchen am begehrtesten.

Damit keine Verwechslungen zwischen den Glühwürmchen-Arten passiert, hat jede Art ihren eigenen Blinkrhythmus. Bei einigen Arten blinken sogar alle Glühwürmchen in der Umgebung gleichzeitig. Dann leuchten ganze Busch- oder Baumreihen im gleichen Takt.

 

Das grüne Blinklicht ist Energie, die beim chemischen Abbau eines Stoffes mit dem schönen Namen ‚Luziferin‘ frei wird. Der Name kommt von den Lateinischen Wörtern für ‚Licht‘ (lux) und ‚bringen, tragen‘ (ferre). Glühwürmchen sind also wahrhaftige Lichtbringer. Bei der Erzeugung ihres Lichtes sind sie außerordentlich effizient, denn die freiwerdende Energie wird nahezu vollständig in kalte Lichtenergie umgewandelt. Dagegen verwandeln Glühbirnen nur rund fünf Prozent elektrischer Energie in Licht, der Rest wird ungenutzt als Wärme abgegeben.

 

Von Glühwürmchen können wir also einiges lernen. Und der Name Glühwürmchen ist gleich im doppelten Sinne falsch – es sind keine Würmer und sie glühen auch nicht. Sie erwärmen sich nicht bei der Erzeugung  von Licht.

Mit dem Blinken ist es aber dann bei der Paarung vorbei. Dabei machen die Glühwürmchen nämlich das Licht aus. Bald nach Paarung und Eiablage endet das Glühwürmchen-Leben. Erwachsene Glühwürmchen leben nur wenige Wochen lang. Gefressen wird in dieser Zeit nicht. Dafür leben sie zuvor drei Jahre als gefräßige Larven.

Gärtner dürfen sich besonders freuen, wenn sie Glühwürmchen bei sich im Garten sehen. Die Larven ernähren sich nämlich Schnecken, deren Schleimspur sie verfolgen. Aber egal ob Schneckenvertilger oder nicht, das lautlose Schweben und Blinken ist einfach zauberhaft.

 

Vielleicht finden Sie einen der Orte bei uns im Kreisgebiet, an dem Sie sich in einer schönen Sommernacht von den kleinen „Fackelträgern“ „verzaubern“ lassen können.

 

Einen zauberhaften Sommer, nicht nur in diesem Sinne, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz

 

Juni 2020 - Vom Wert der Natur

Die letzten Wochen waren von einschneidenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens geprägt. Vieles, was wir sonst ganz selbstverständlich tun können, war nicht möglich. Und so haben vermutlich so viele Menschen wie noch nie, genutzt und genossen, was immer für uns da ist: die schöne Kulturlandschaft „vor der Haustür“. Die einen haben sie wieder oder neu entdeckt. Die anderen, die sich schon „vor Corona“ regelmäßig an ihr erfreuten, haben vielleicht innerlich gestöhnt, weil plötzlich so viele Menschen draußen unterwegs waren. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger…

Bewegung an der frischen Luft - ganz ohne Eintrittsgebühr und Monatsbeitrag. In unserem schönen Ennepe-Ruhr-Kreis ist zum Glück viel Platz. Man kann auch in diesen Zeiten Spaziergänge und Wanderungen etwas abseits unternehmen, ohne vielen Menschen zu begegnen.

 

Ich spreche übrigens von Kulturlandschaft oder „Natur“ in Anführungszeichen, weil die Landschaft vom Menschen, fast überall in Deutschland, stark verändert worden ist. Ohne uns würde, bis auf ein paar Extremstandorte, wie Moore oder Hochgebirge, Wald wachsen. Und auch dieser würde anders aussehen, als der Wald, den wir kennen und der vor allem der Holzgewinnung dient. Dennoch ist diese „Natur“ auch wertvoll. Nicht nur für die unzähligen Organsimen - Kleinstlebewesen, Pflanzen, Pilze, Tiere - die darin leben und die Landschaft ausmachen. Auch für uns.

 

Erholung ist eine von vielen Funktionen, die uns eine schöne Landschaft quasi nebenbei spendiert. Und um auf oben erwähnten Eintritt beziehungsweise Monatsbeitrag zurückzukommen: Wie viel würden Sie geben, wenn Sie für einen Spaziergang im Wald, eine Radtour entlang der Ruhr, ein Mittagsschläfchen auf der sonnigen Wiese „Eintritt“ bezahlen müssten? Sie finden, das ist eine merkwürdige, vielleicht sogar absurde Frage? Aber warum eigentlich? Natur und Landschaft haben doch unbestreitbar einen Wert für uns. Nicht nur für unsere Erholung.

 

Nehmen wir das Beispiel Wald: er filtert Staubpartikel aus der Luft, er ist Kohlenstoffspeicher und Sauerstoffproduzent. Er mildert Wind ab und schützt vor Erosion. Er nimmt Wasser langsam auf und kann so vor Überschwemmungen schützen. Er kann Schnee- und Erdlawinen aufhalten oder abmildern. Er ist Lebensraum für unzähligen Organismen und Rohstofflieferant. Der Liste lässt sich noch vieles hinzufügen. Und ja, er bietet uns Erholung. Viele Studien haben die gesundheitsfördernde Wirkung vom Aufenthalt in der „Natur“ nachgewiesen. Der Wald fördert also unsere Gesundheit und spart der Allgemeinheit Kosten im Gesundheitssystem.

 

All das, von der Luftreinhaltung bis zur Erholungsfunktion, sind sogenannte Ökosystemdienstleitungen. Ihren Geldwert kann man tatsächlich berechnen - und damit in der Summe den Wert eines Ökosystems wie den Wald. Die Berechnung ist nicht ganz einfach, es gibt viele Variablen, wie zum Beispiel die Größe des Ökosystems, das Alter und die Zusammensetzung der Arten, den Untergrund, die Umgebung und vieles mehr, und es ergibt natürlich einen Schätzwert. Aber es ist möglich.

Der materielle Wert eines bestimmten Ökosystems ergibt sich letztlich aus den Kosten, die die Allgemeinheit für dieselben Leistungen (zum Beispiel Luftreinhaltung, Erosions- und Hochwasserschutz, erhöhte Gesundheitskosten usw.) aufbringen müsste, wenn dieses Ökosystem nicht da wäre.

 

Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass der materielle Wert aller Leistungen, die Ökosysteme weltweit erbringen, um ein Vielfaches höher ist, als das weltweite Bruttosozialprodukt, also die Summe aller vom Menschen hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen. 

Wir wären daher gar nicht in der Lage, alle diese Dienstleistungen der Ökosysteme zu ersetzen. Daher liegt ein respektvoller Umgang mit der Natur in unserem ureigenen Interesse. Umso mehr, als es der „Natur“ in Deutschland nicht besonders gut geht, so der neueste Bericht des Bundesumweltministeriums.

 

Sicherlich muss man nicht immer alles in Geld bemessen, schon gar nicht im privaten Bereich. Ein Wert kann auch immateriell wahrgenommen werden. Und auch in diesem Sinne kann man sich beim nächsten Spaziergang einmal die Frage im weitesten Sinne stellen: Was ist mir das wert, was bedeutet das für mich, dass ich das erleben kann?

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude und bleiben Sie gesund! Ihre Britta Kunz

 

 

Mai 2020 - Keine Angst vor Fledermäusen!

Fledermäuse waren lange Zeit „in“. Vorbei die Jahre, in denen ihnen der hierzulande völlig falsche Ruf des gruseligen Blutsaugers nachhing. Sogar kleine Kinder wissen heute, dass unsere heimischen Fledermäuse nur Insekten fressen. Viele Menschen freuen sich beim Anblick der Nachtschwärmer im Garten, nicht nur, weil sie jede Menge Stechmücken vertilgen.

 

Ich fürchte aber, dass das positive Image unserer Fledermäuse, das sich in den letzten Jahren zu Recht durchgesetzt hat, jetzt wieder ins Gegenteil kippen könnte und die Tiere generell in Verruf geraten. Die Gründe sind wieder: Unwissenheit und Angst.

 

Denn einige asiatische Fledermäuse stehen in Verdacht das Virus, das jetzt bei Menschen die Covid-19-Erkrankung auslösen kann, in sich zu tragen – oder zumindest eine Vorstufe davon. So ganz genau ist es noch nicht geklärt. Klar scheint bislang nur, dass ein eng verwandtes Virus bei einigen Fledermäusen in Asien nachgewiesen wurde. Ob und wie es auf den Menschen übertragen wurde und ob weitere Tierarten zwischengeschaltet waren, ist noch nicht geklärt. Auch nicht, wo und wann es sich dann zu der für Menschen gefährlichen Variante entwickelte.

 

Das wird manche Menschen aber vermutlich nicht davon abhalten, alle Fledermäuse, egal wo sie leben und um welche Arten es sich handelt, unter Generalverdacht zu stellen. Und schlimmer: den Tieren nachzustellen, sie zu vertreiben und ihre Quartiere zu vernichten oder die Fledermäuse gar zu töten.

Dies ist aber nicht nur durch unser Bundesnaturschutzgesetz verboten, sondern es würde völlig Unschuldige treffen!

Nach Aussage des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung spielen unsere heimischen Fledermäuse überhaupt keine Rolle bei der Corona-Pandemie, da sie dieses Virus gar nicht in sich tragen. Man kann sich durch unsere heimischen Fledermäuse also nicht mit Covid-19 anstecken.

 

Fledermäuse können aber vielleicht dabei helfen, diese und andere Krankheiten in Zukunft zu besiegen. Denn Fledermäuse haben ein sehr effektives Immunsystem. Wenn man versteht, wie es den Tieren gelingt, sich so gut gegen Krankheitserreger zur verteidigen, kann dies auch für unsere weitere medizinische Forschung nützlich sein.


Darum: Haben Sie keine Angst vor unseren Fledermäusen!

Im Gegenteil. Fledermäuse brauchen nach wie vor unsere Hilfe.

 

Jede Nacht verspeist eine aktive Fledermaus bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Zwar sind Fledermäuse echte Leichtgewichte, aber im Laufe eines Sommers kommt so, je nach Art, rund ein Kilogramm Insekten zusammen. Stechmücken alleine reichen dafür nicht aus. Nachtfalter sind beliebte Fledermaus-Delikatessen. Aber auch sie sind in den letzten Jahren, wie so viele Insekten-Arten, weniger geworden. Durch viele lobenswerte Initiativen entstehen zwar wieder vermehrt Blühstreifen entlang von Feldern, Wegen, Straßen und Blumenwiesen in manchem Garten. Ausgesät werden aber meist Pflanzenmischungen für Wildbienen. Nahrungsquellen für Nachtfalter sind dann nicht immer oder nur sehr wenige dabei. Nachtfalter brauchen nämlich Pflanzen, die ihre Blüten in der Nacht geöffnet haben.

 

Wer also etwas für die heimischen Fledermäuse tun will, kann eine Blütenmischung speziell für diese Insekten einsäen. Und dann vielleicht sogar die Fledermäuse bei der Jagd beobachten.

 

Übrigens: sollten Sie ein Fledermaus-Quartier bei sich am Haus oder im Garten haben, können Sie sich gerne bei uns melden. Auch, wenn Sie sich durch die Tiere gestört fühlen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer Lösung. Wir beraten Sie ebenso gerne, wenn Sie etwas für Fledermäuse in ihrem Umfeld tun möchten, wie zum Beispiel neue Quartiere zu schaffen.

 

Bleiben Sie gesund. Ihre Britta Kunz

 

 

April 2020 - Wildtiere in Wald und Feld lassen!

Jetzt ist die Zeit, in der die meisten Wildtiere ihre ersten Jungen zur Welt bringen. Auf die Kleinen lauern aber viele Gefahren. Eine davon ist leider der Mensch. Oft aus Unkenntnis oder falsch verstandener Tierliebe. So werden im Frühjahr immer wieder junge und vermeintlich hilflose Hasen, Rehkitze oder Vögel von Menschen aufgenommen und in die Tierarztpraxen oder die Biologische Station gebracht.

Abgesehen davon, dass schon menschlicher Kontakt und Transport einen enormen Stress für jedes Wildtier bedeuten: kein Mensch kann ein Wildtierjunges so gut versorgen und ihm beibringen, was es zum Überleben braucht, wie die tierischen Eltern. Denn selbst wenn wir, oder die Tierärzte, es mit viel Aufwand in die erfahrenen Hände ehrenamtlicher Pfleger vermitteln können, ein Wildtier von Hand aufzuziehen ist leider allzu oft nicht erfolgreich.

Daher ist es auch aus gutem Grund gesetzlich verboten, Wildtiere aus der Natur zu entnehmen. Einzige Ausnahme: wenn unmittelbare Lebensgefahr für das Tier besteht und es nur durch menschliche Hilfe überleben kann.

Deshalb mein ganz dringender Appell: bitte lassen Sie unverletzte Wildtiere in Wald und Flur, auch wenn sie Ihnen hilflos und verlassen erscheinen.

 

Junghasen und Rehkitze werden von der Mutter abgelegt und die meiste Zeit alleine gelassen. Die Mutter kommt nur ein bis zweimal am Tag vorbei, um das Jungtier zu säugen. Das ist vollkommen normal und hat sich bewährt. Die Jungen sind noch zu klein, um der Mutter zu folgen. Wäre sie die ganze Zeit bei dem Jungen, würden hungrige Räuber viel eher darauf aufmerksam, als wenn es irgendwo alleine in der Wiese liegt. Dass die Jungtiere bei Annäherung nicht weglaufen, ist auch ganz normal und bedeutet nicht, dass sie menschliche Hilfe brauchen. Da sie vor einem Fressfeind nicht schnell genug weglaufen können vertrauen sie auf ihre Tarnung und bleiben bewegungslos. Wichtig: fassen Sie Säugetierjunge nicht an, denn dann werden sie von der Mutter nicht mehr angenommen.


Auch viele Jungvögel verlassen das Nest frühzeitig und sitzen bettelnd am Boden oder in einem Strauch. Sie werden in der Regel aber weiterhin von den Eltern gefüttert. Diese trauen sich allerdings oft deshalb nicht an ihr Junges heran, weil ein Mensch es aus der Nähe beobachtet. Daher bitte großen Abstand halten. Gegebenenfalls können Sie den Jungvogel vor Katzen in Sicherheit bringen und auf einen Ast in unmittelbarer Nähe setzen. Sollte ein Jungvogel wirklich aus dem Nest gefallen sein, können Sie ihn auch wieder hineinsetzen. Wissenswertes zum Umgang mit Jungvögeln sowie die Broschüre „Aus dem Nest gefallen – was tun mit Jungvögeln?“ finden Sie auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (www.lanuv.nrw.de). Sollten Sie wirklich einmal ein verletztes Wildtier finden, helfen Ihnen vielleicht die Informationen auf unserer  Internetseite weiter (www.biologische-station.de unter ‚Weitere Informationen‘).


Natürlich sind auch unverletzte Jungtiere leichte Beute und willkommene Nahrung für tierische Räuber. Auch ein Fuchs oder ein Greifvogel will seinen Nachwuchs großziehen. Es mag uns Menschen sehr grausam vorkommen, aber die Natur hat bei vielen Arten hohe Verluste „eingeplant“. Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: von jedem Meisen-Pärchen im Garten und überall sonst, würden in einem Jahr alle Jungen überleben. Ein Meisen-Paar kann in guten Jahren bis zu dreimal brüten und dann insgesamt so um die fünfzehn Jungen großziehen. Wenn es drei Jahre lebt und brütet, wären das also 45 Nachkommen pro Meisen-Paar. Wenn die Nachkommen alle überleben und ihrerseits wieder mit einem Partner brüten und von jedem Paar dann wieder 45 Nachkommen überleben…dann sehen Sie bald Ihren eigenen Garten vor lauter Meisen nicht mehr. Gut, hier wird vermutlich bald die Anzahl der Nistmöglichkeiten dem Ganzen ein Ende setzen, aber vielleicht sehen Sie, worauf ich hinaus will. Letztlich muss, um den Bestand stabil zu halten, jedes tierische Elternpaar in seinem Leben nur zwei Junge erfolgreich großziehen, die ihrerseits wieder zwei Junge großziehen.


Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man nichts für die Wildtiere tun soll, im Gegenteil. Versteck- und Nistmöglichkeiten anbieten, sein Grundstück so einrichten, dass heimische Tiere dort Nahrung und einen Lebensraum finden, ist wunderbar. Auch Tieren, die wirklich in Not sind, helfen. Aber bitte keine unverletzten Jungtiere den tierischen Eltern entreißen. In diesem Fall ist weniger deutlich mehr.

 

Die Tiere werden es Ihnen danken. Und ich danke Ihnen auch. Ihre Britta Kunz

 

 

März 2020 - Dohlen - lautstarke Akrobaten der Lüfte

Als ich kürzlich in der Abenddämmerung unterwegs war, vernahm ich hoch über meinem Kopf ein lautes, vielstimmiges und, wie ich finde, fröhlich klingendes „jack-jack“ einer größeren Gruppe Dohlen. Die Vögel sammelten sich, um gemeinsam ihren Schlafplatz aufzusuchen, was offensichtlich nicht ohne ausgiebige Diskussion möglich ist. Ihre markanten Rufe haben sogar Eingang in ihren englischen Namen gefunden, dort werden diese Rabenvögel ‚Jackdaw‘ genannt. Allerdings verfügen die Vögel noch über eine ganze Reihe anderer Lautäußerungen. Sie sind auch dafür bekannt, dass sie Geräusche gut imitieren und damit Tiere – und auch uns Menschen – zum Narren halten können.

 

Vom den melodischen Gesang vieler anderer Singvögel ist das aber weit entfernt. Trotzdem gehören Dohlen, wie alle Rabenvögel, wissenschaftlich in die Kategorie der Singvögel.

Wegen ihres schwarzen Gefieders und des grauen Hinterkopfes, der wie eine Kapuze aussieht, werden Dohlen in manchen Gegenden auch ‚Mönchlein‘ genannt. Im Sonnenlicht betrachtet, sind Dohlen aber gar keine schwarzen Gesellen. Ihr Gefieder schimmert dann blau-grünlich. Auffallend ist auch die hellgraue, bei Jungvögeln blaue Iris, die den Tieren einen faszinierenden „Silberblick“ verleiht.


Bei uns ist die Dohle ein echter Kulturfolger. Das heißt, sie ist uns in die Siedlungen gefolgt und nutzt dort das Angebot an Nistmöglichkeiten, die ihr unsere Bauwerke bieten. Man könnte sie, natürlich mit einem Augenzwinkern, sogar als regelmäßige Kirchgängerin bezeichnen, da sie häufig in Spalten und Nischen von Kirchtürmen brütet.

Große Bauwerke bieten den Vorteil, dass dort mehrere Dohlen-Paare gleichzeitig Unterschlupf finden. Das gefällt den Vögeln. Denn eine Brut-Kolonie bietet Schutz. Von vielen aufmerksamen Brutpaaren wird eine hungriger Greifvogel nicht nur schneller bemerkt, als von einem Brut-Paar alleine. Auch die gemeinsame Verteidigung ist erfolgsversprechender.

Allerdings werden immer mehr Gebäudenischen durch Gitter oder bei Baumaßnahmen verschlossen. Gute Kolonieplätze sind daher in manchen Gegenden schon rar geworden.

 

Und mit einem Nistplatz alleine ist es auch nicht getan. Als ursprüngliche Steppenbewohner suchen Dohlen noch immer am liebsten am Boden nach Essbarem. Wählerisch sind sie nicht, sie nehmen fast alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Für die Aufzucht der Jungen aber liefern nur Insekten das notwendige Protein. Insektenreiches Grünland sollte daher möglichst nicht weiter als 500 Meter Luftlinie entfernt sein.


Wenn viele auf engem Raum zusammen leben, ist das nicht immer einfach. Das gilt für Menschen genauso, wie für manche Tiere. Regeln können hier wie da helfen, miteinander klar zu kommen. So wundert es nicht, dass Dohlen ein ausgeprägtes Sozialverhalten haben. Dafür müssen sich die Tiere untereinander individuell erkennen können. Und mehr noch: da Dohlen eine Rangordnung haben, müssen sie auch immer wissen, wer wo in der Rangordnung steht. Interessanterweise wird nicht die stärkste Dohle „Chef“, sondern die Erfahrenste.

Weibchen können in der Rangordnung aufsteigen, wenn sie ein ranghöheres Männchen „heiraten“. „Verlobt“ wird sich schon im ersten Lebensjahr, und die Bindung hält ein Leben lang. Was immerhin über zehn Jahre sein kann. Bei der Aufzucht der Jungen sind Dohlen, wie die anderen Rabenvögel auch, alles andere als „Rabeneltern“. Der Begriff, der für schlechte Eltern steht, kommt vermutlich daher, dass junge Rabenvögel oft früh das Nest verlassen und dann unbeholfen und aufgegeben wirken. Tatsächlich werden sie aber von den Eltern weiterhin umsorgt, bewacht und verteidigt.


Das Faszinierendste an Dohlen ist vielleicht ihre Intelligenz. Auch wenn ich mich mit der Anwendung diese Begriffs auf Tiere schwer tue, denn jedes Tier ist schließlich so „intelligent“, wie es seine Umwelt und Lebensweise erfordert. Aber in vielen Versuchen haben Dohlen bewiesen, dass sie nicht nur neugierig, sondern auch lernfähig sind, Zusammenhänge erkennen und Probleme lösen können. Und sie können sogar bis Sieben „zählen“.

Darüber hinaus sind sie tollkühne Flugkünstler, denen es Spaß zu machen scheint, durch die Luft wirbeln. Wenn Sie also ein munteres „jack-jack“ über sich hören, bleiben Sie doch einmal einen Augenblick stehen, schauen in den Himmel und staunen über die munteren Luftakrobaten.

 

Viel Spaß dabei, wünscht Ihnen Ihre Britta Kunz